Von:
Stefan Barmettler
 

Machtnetz von Christian Constantin: Der Alpen-Asterix

Christian Constantin ist erfolgreicher Immobilienentwickler im Wallis. Doch am liebsten streitet er mit Fussballverbänden, Trainern, Spielern, Schiedsrichtern.

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Digital ist das Leben des 54-jährigen Christian Constantin: ja oder nein, schwarz oder weiss, für oder gegen mich. Und gegen CC, wie er kurz genannt wird, sind mittlerweile fast alle. Die Fifa, die Uefa, der Schweizer Fussballverband, die Präsidenten der grossen Schweizer Fussballclubs, Sion-Fanclubs.

Der Besitzer und Präsident des Fussballclubs Sion hat sich mit allen angelegt, indem er trotz Transferverbot munter auf Einkaufstour ging, sechs Spieler kaufte und spielen liess. Nun streitet er sich vor diversen Gerichten über die Rechtmäs­sigkeit der Transfers, also darüber, ob die Spieler des FC Sion eingesetzt werden dürfen und ob die Siege überhaupt zählen. Letztlich geht es um die privatrechtliche Gerichtsbarkeit des Sports gegen das Zivilrecht des Staates.

Verliert CC den juristischen Kampf, sind er und sein FC Sion Lachnummern. Gewinnt er aber, wird die Jurisdiktion der Verbände ausgehebelt – mit ­unabsehbaren Folgen für den internationalen Fussball. Es ist die Rolle, die dem kleinen Walliser auf den Leib ­geschnitten ist: Asterix gegen den Rest der Welt. Asterix kann sich bei seinen Streitereien auf Obelix verlassen. Im Falle Constantins heisst dieser Alexandre Zen-Ruffinen, ist Anwalt in Neuenburg und für sämtliche Klagen, Repliken, Rekurse, Nichtigkeitsbeschwerden und Urteilsanfechtungen zuständig.

Die Freunde

Doch, doch, Constantin hat ein paar Freunde. Der treuste unter ­ihnen ist Alt-Bundesrat Pascal Couchepin.Beide sind befreundet mit Pierre-Marcel Revaz, Präsident der Krankenkasse ­Groupe ­Mutuel, die ihren Hauptsitz in Martigny VS hat. Couchepin sass vor der Wahl in den Bundesrat im Verwaltungsrat der Krankenversicherung; als Innenminister sah er sich dem Vorwurf ausgesetzt, er tanze in der Gesundheitspolitik nach der Pfeife von Revaz. Constantins Architekturbüro baute den Groupe-Mutuel-Hauptsitz, Bau­summe: 70 Millionen Franken.

Geschäftlich verbunden ist Constantin mit Martin Kull, Chef der Baufirma HRS Real Estate in Frauenfeld TG. Gemeinsam haben sie Einkaufszentren hochgezogen, auch das neue FC-Sion-Stadion in Riddes VS stand auf ihrer To-do-Liste, doch der Walliser Regierungsrat war gegen das Grossprojekt. Eng ist CC mit Jean-Daniel Papil­loud,Chef der Waadtländer Kantonalbank. Für Max Alter, Leiter ­Migros-Genossenschaft Wallis, baut er für 48 Millionen eine neue ­Migros-Zentrale. Befreundet ist er mit Jürg Aeberhard, dem früheren Präsidenten der Berner Young Boys. Ihm hat er früher Spieler abgekauft, seit Aeberhards Rückzug ins familieneigene Immobilienunternehmen ­arbeitet man beruflich zusammen. Geschäft und Sport vereint er auch mitJean-Claude Gonnet, Statthalter der Handelskette PAM, die FC-­Sion-Hauptsponsor ist. CC realisiert die PAM-Neubauten.

Die Feinde

Der Walliser mit den schwarz gefärbten Haaren kennt keine Gnade, wenn es um seine Interessen geht. Mit Uefa-Präsident Michel Platini und Fifa-Präsident Joseph Blatter ist er längst über Kreuz, ihre Institutionen hält er für ­«Irrenhäuser». Blatter schickte er kürzlich einen Zahlungsbefehl über 8,5 Millionen ins Haus. Im Hickhack mit den Verbänden forderte er Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpfund die Zürcher Finanzvorsteherin Ursula Gut auf, der Uefa beziehungsweise der Fifa das Privileg der Steuererleichterung zu entziehen. In monatelangem Kleinkrieg stand CC auch mit Thomas Grimm, Präsident der Schweizer Fussballliga. Nachdem dieser juristisch gegen umstrittene Transfers des FC Sion interveniert hatte, ­zeterte Constantin, Grimm habe damit «sein Todesurteil unterschrieben». Vor wenigen Tagen gab Grimm bekannt, nicht mehr fürs Präsidentenamt zur Verfügung zu stehen. Auch Schiedsrichter greift CC an, wenn er den FC Sion im Nachteil wähnt: Nach einem Spiel gegen den SC Kriens mussten beim Referee Prellungen behandelt werden. CC («Es war ein Unfall») wurde 2007 vom Luzerner Obergericht verurteilt und musste 60 000 Franken zahlen.

Die Opfer

Der FC Sion hält wohl den Weltrekord an geschassten Trainern: Derzeit ist mit Laurent Rousseydie Nummer 21 in acht CC-Präsidialjahren im Amt. Der bekannteste war Uli Stielike, ehemaliger deutscher Nationalspieler, der sich vier Monate auf der Trainerbank hielt. CC vor dem Rausschmiss: «Uli kann noch viel von mir lernen.» Auch Spieler werden abserviert, wenn sie nicht parieren. CC rückte Mittelfeldspieler Serey Die öffentlich ins Milieu der Wettmafia, nachdem dieser wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen war. Gerne heuert der Sion-Patron Jung-talente an, die er veredelt und weiterverkauft. Sein bester Deal: Gelson Fernandes, der für 9 Millionen an Manchester City ging. Auf einem Scout-Tripp in den Sudan traf er einst Präsident Omar al-Baschir, der vom internationalen Strafgericht in Den Haag gesucht wird.

Die Karriere

Die Christian Constantin SA ist mit 40 Angestellten eines der grossen Architekturbüros im Wallis. Der Umsatz soll 150 Millionen Franken betragen. Geld hat CC am Genfersee verdient, wo er Immobilien entwickelte und Umbauten realisierte, darunter das Château de Belmont und das Riant Château, zwei Appartement-­Paläste in Montreux, in denen sich Schweizer (Emil Steinberger) und ausländische Prominente (Bill ­Gates) Eigentumswohnungen gekauft haben.

Constantins Projekt war es, die Schweizer Super League von zehn auf acht Vereine zu reduzieren und im Wallis ein Fussballstadion samt Spitzenteam für die ganze Westschweiz zu bauen. Zu diesem Zweck gründete er die Gesellschaft Olympique des Alpes. Doch die Club-Verbrüderung fand nicht statt. Heute ist Olympique des ­Alpes bloss die Betriebsgesellschaft des FC Sion. Inhaber: Constantin, einziger VR: Constantin. General­direktor gemäss Handelsregister: Domenico Massimo.Allerdings hat Massimo soeben demissioniert, weil ihn CC wegen Fehltransfers zusammenstauchte.

Die Familie

Constantins Vater war Bauunternehmer in Martigny; seine Mutter starb, als er 13 Jahre alt war. Der Junge war vom Fussball und vom FC Sion fasziniert, nur gelegentlich hörte er Musik «von diesem Jamaikaner mit den langen Rastahaaren» (Constantin). Er absolvierte das Collège in Saint-Maurice und ist mit dem Domherrn Franco Bernasconi eng befreundet. Ab und zu fliegen sie nach Turin und schauen sich ein Spiel von Juventus an.

Mit 22 Jahren gründete CC sein Architekturbüro. Er gilt als Frühaufsteher und Langarbeiter. Privat ist er zum zweiten Mal verheiratet, kürzlich hat er sich allerdings von seiner zweiten Frau, Carole, getrennt. Die beiden haben zwei Kinder, eines stammt aus erster Ehe.

CCs Leidenschaft ist neben dem FC Sion die Marke Ferrari: In der Garage sollen 18 Modelle stehen. Das neuste wird ihm jeweils automatisch ab Maranello angeliefert. Geschäftlich ist er aber meistens im schwarzen Porsche Cayenne ­unterwegs. Für längere Strecken steigt er auf eine Piaggio P-180 Avanti um, eine zweimotorige Turboprop­maschine, die in Fachkreisen «Ferrari der Lüfte» heisst. Die schnelle Maschine (Neupreis 6 Millionen Franken) teilt er mit dem französischen Rallyeweltmeister Sébastien Loeb, der auch im Wallis wohnt.

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