Kowalskys Crash Test: iPad Mini

Mit dem kleinen Bruder des iPad läuft Apple erstmals der Konkurrenz hinterher - und lässt den Nutzer ratlos zurück.

VonMarc Kowalsky
16.11.2012

Steve Jobs wusste es genau: «7-Zoll-Tablets sind Kinderkram», polterte er im Oktober 2010. Sie seien «sinnlos, ausser man liefert Schmirgelpapier mit, damit der Benutzer seine Finger auf ein Viertel der jetzigen Grösse abschleifen kann». 10-Zoll-Tablets wie das iPad seien «das Minimum für ein gutes Benutzererlebnis». Im Jahre 2 n.J. sieht man das bei Apple anders und hat doch ein iPad Mini lanciert. Erstmals läuft die Firma damit in einer Kategorie der Konkurrenz hinterher.

Ihr gegenüber ist das iPad Mini etwas grösser – 7,9 statt 7 Zoll. Das soll laut Apple gleich 35 Prozent mehr Bildschirmfläche geben. Beim Tippen liegen die virtuellen Tasten dennoch eng bei­einander – Schmirgelpapier liefert auch Apple nicht mit. Grösster Vorteil: Mit rund 300 Gramm ist das Tabletchen nur halb so schwer wie ein Tablet und liegt sehr gut in der Hand – auch in einer. Clever: Der Touchscreen ignoriert es, wenn man ihn beim Festhalten mit dem Daumen berührt. Die Verarbeitung ist gut, allerdings fühlt sich die Rückseite nicht so wertig an wie sonst. Trotz des stolzen Preises hat Apple dem iPad Mini kein Retina-Display spendiert. Auch auf die neueste Prozessorgeneration muss man verzichten. Leis­tungsfähigkeit und Batterielebensdauer entsprechen damit ziemlich genau dem bald zwei Jahre alten iPad 2 – genug für die allermeisten Anwendungen.

Hauptargument für ein solches Gerät ist, natürlich, die Portabilität. Hier versagt das iPad Mini. Ich trage staturbedingt überdurchschnittlich grosse Sakkos – das iPad Mini passt bei keinem einzigen in die Westentasche. Und in der Hosentasche will man so ein fragiles Teil nicht wirklich mitführen. Man braucht schon grosse Damenhandtaschen, um das Gerät zu schlucken.

Fazit: Das iPad Mini lässt mich etwas ratlos zurück. Es hat gegenüber dem gros­sen Bruder einige Nachteile, aber ausser dem Gewicht keine Vorteile. Wirklich tragbar ist es nicht. Wer ein mobiles Tablet will und auf das Apfel-Logo verzichten kann, sollte zu einem echten 7-Zoll-Tablet wie dem Nexus 7 oder dem Galaxy Tab II 7.0 greifen

iPad Mini
Infos: www.apple.ch
Erhältlich: u.a. bei Digitec
Preis: je nach Ausstattung 379 bis 719 Fr.
Bewertung: ★★

 

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have 
★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema
Stichworte:
iPad Mini

Steve Jobs wusste es genau: «7-Zoll-Tablets sind Kinderkram», polterte er im Oktober 2010. Sie seien «sinnlos, ausser man liefert Schmirgelpapier mit, damit der Benutzer seine Finger auf ein Viertel der jetzigen Grösse abschleifen kann». 10-Zoll-Tablets wie das iPad seien «das Minimum für ein gutes Benutzererlebnis». Im Jahre 2 n.J. sieht man das bei Apple anders und hat doch ein iPad Mini lanciert. Erstmals läuft die Firma damit in einer Kategorie der Konkurrenz hinterher.

Ihr gegenüber ist das iPad Mini etwas grösser – 7,9 statt 7 Zoll. Das soll laut Apple gleich 35 Prozent mehr Bildschirmfläche geben. Beim Tippen liegen die virtuellen Tasten dennoch eng bei­einander – Schmirgelpapier liefert auch Apple nicht mit. Grösster Vorteil: Mit rund 300 Gramm ist das Tabletchen nur halb so schwer wie ein Tablet und liegt sehr gut in der Hand – auch in einer. Clever: Der Touchscreen ignoriert es, wenn man ihn beim Festhalten mit dem Daumen berührt. Die Verarbeitung ist gut, allerdings fühlt sich die Rückseite nicht so wertig an wie sonst. Trotz des stolzen Preises hat Apple dem iPad Mini kein Retina-Display spendiert. Auch auf die neueste Prozessorgeneration muss man verzichten. Leis­tungsfähigkeit und Batterielebensdauer entsprechen damit ziemlich genau dem bald zwei Jahre alten iPad 2 – genug für die allermeisten Anwendungen.

Hauptargument für ein solches Gerät ist, natürlich, die Portabilität. Hier versagt das iPad Mini. Ich trage staturbedingt überdurchschnittlich grosse Sakkos – das iPad Mini passt bei keinem einzigen in die Westentasche. Und in der Hosentasche will man so ein fragiles Teil nicht wirklich mitführen. Man braucht schon grosse Damenhandtaschen, um das Gerät zu schlucken.

Fazit: Das iPad Mini lässt mich etwas ratlos zurück. Es hat gegenüber dem gros­sen Bruder einige Nachteile, aber ausser dem Gewicht keine Vorteile. Wirklich tragbar ist es nicht. Wer ein mobiles Tablet will und auf das Apfel-Logo verzichten kann, sollte zu einem echten 7-Zoll-Tablet wie dem Nexus 7 oder dem Galaxy Tab II 7.0 greifen

iPad Mini
Infos: www.apple.ch
Erhältlich: u.a. bei Digitec
Preis: je nach Ausstattung 379 bis 719 Fr.
Bewertung: ★★

 

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have 
★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

Meistgelesen

Warren Buffett: Coke stösst sauer auf
Coca-Cola-Aktien

Coca-Colas Probleme kosten den Meisteranleger Milliarden. Ein Genie wird Mittelmass. Mehr...

VonErich Gerbl
Wie die UBS zur Formel 1 fand
Sponsoring

Mit dem «UBS Chinese Grand Prix» in Shanghai hat die Schweizer Bank am Ostersonntag wieder ihren grossen Auftritt. Dabei war die Formel 1 für die UBS lange nicht exklusiv genug. Mehr...

VonTobias Keller
«Ich will keinen typisch chaotischen Araber»
Tourismus

Das Profil des neuen CEO hat Samih Sawiris schon klar im Kopf. Diszipliniert, organisiert und europäisch sollten die Attribute sein. Doch noch ist ein neuer Chef nicht gefunden. Mehr...

VonUeli Kneubühler
Who is who: Pierin Vincenz
Who is who

Der «Showstar» unter den Topbankern leitet seit 1999 die Raiffeisen Gruppe – in diesem Metier ist das eine halbe Ewigkeit. Doch der 57-Jährige ist deshalb kein stromlinienförmiger Banker geworden. Mehr...

Der Zement-Hochzeit drohte das Scheitern
Fusion

Der Vertrag zwischen Holcim und Lafarge drohte in letzter Minute zu scheitern. Wie «Hanoi» und «Lima» doch noch zusammenkamen – Drehbuch einer Milliarden-Fusion. Mehr...

VonMark Kowalsky und ERIK Nolmans
Tradition

Er steht für Eleganz und Luxus. Doch der neue Jaguar F-Type Coupé bietet auch Leistung und Hightech. Kein Wunder – bei solchen Vorfahren. Mehr...

VonMatthias Pfannmüller
Chinas smarter Internet-Milliardär
Die Reichsten

Chinas Baidu-Erfinder Robin Li lassen die Kursverluste der Internetaktien kalt. Forbes schätzt das Vermögen des 45-Jährigen auf 11,1 Milliarden Dollar. Mehr...

VonStefan Lüscher


Die aktuelle BILANZ

Aktuelle Ausgabe

Interview mit Sawiris: «Ich will keinen typisch chaotischen Araber». Lesen

Der Zement-Hochzeit drohte das Scheitern. Lesen

Luxemburg untersucht Sarasin-Deals. Lesen

Neuorientierung bei Garmin und Co. Lesen

Swisscom übernimmt E-Research. Lesen

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen