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Rolex, Omega, Hublot & Co.

Uhrenmarken und ihre Geheimcodes

Chronometer und Chronograph sind jedem Uhrenfan geläufig – im Unterschied zu Fachbegriffen der Hersteller selbst. Wir entschlüsseln.

Iris Wimmer-Olbort

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Hublot legiert Gold mit Platin und Hightech-Materialien für mehr Härte und einen charakteristischen rötlicheren Farbton: Das «King Gold» ist in der Big Bang Original Unico King Gold Ceramic verbaut. zVg

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In der Welt der Uhren wird nicht nur Zeit gemessen – es wird auch eine eigene Sprache gesprochen. Aber so mancher Fachbegriff kann selbst erfahrene Sammler ins Grübeln bringen. Denn Uhrenmarken nutzen gern eine eigene Terminologie, um Innovationen zu beschreiben, ihre Identität zu betonen und sich von anderen abzuheben. Ein Überblick über Codes von Uhrenmarken, und was sie bedeuten.

Rolex-Codes für Besserwisser

Rolex ist nicht nur die erfolgreichste, sondern auch die ehrgeizigste Uhrenmarke: Beständig wird an Uhrwerken und Ausstattung geforscht, wird verändert und aktualisiert. Die Entwicklungen tragen eigene Namen, sodass Rolex-Fans ein ganz eigenes Vokabular haben. Das betrifft Details der Ausstattung ebenso wie Komponenten von Kalibern.
Zu den äusseren Merkmalen gehört die Cerachrom-Lünette, die sich bei den beliebtesten Uhren von Rolex findet – der sportlichen Submariner, der Yacht-Master II und der GMT-Master II. Als Cerachrom bezeichnet die Marke die Ziffernscheibe aus Keramik, die in die Drehlünette eingelegt ist. Eingeführt wurde sie erstmals 2005 als einfarbige Komponente, seit 2013 gibt es Cerachrom-Lünetten aus einem Stück, die zwei Farbtöne vereinen. Für das Zifferblatt gibt es ebenfalls eine Spezialität: Chromalight heissen die nachleuchtenden Anzeigen beziehungsweise die Beschichtung auf Zeigern, Indizes und Anzeigen aller Professional-Uhren und zahlreicher klassischer Modelle der Oyster-Perpetual-Kollektion. Und die Länge von Armbändern lässt sich dank Glidelock ohne Werkzeug anpassen – dabei handelt es sich um ein Verlängerungssystem als Teil der Faltschliesse.

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Die Cerachrom-Lünette von Rolex.
Zu finden in der GMT-Master II.
Chromalight auf Zeigern.
Glidelock an Rolex-Armbändern.
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Die Cerachrom-Lünette von Rolex. ©Rolex/Ulysse Fréchelin
Um tiefe Wasser geht es beim Ringlock-System, das 2008 von Rolex vorgestellt wurde und es einer Uhr möglich macht, extrem hohem Druck standzuhalten. Das gelingt dank eines bestimmten Gehäuseaufbaus, entwickelt für die bis 3900 Meter wasserdichte Oyster Perpetual Rolex Deepsea. Zum Ringlock-System gehören ein extra dickes Saphirglas sowie ein spezieller Kompressionsring als Gehäusemittelteil, der den Wasserdruck aufnimmt.
Das Ringlock-System.
Das Ringlock-System.©Rolex/Stojan & Voumard
Das Ringlock-System.
©Rolex/Stojan & Voumard
Das Rolex-Uhrwerk ist natürlich ebenfalls ein Thema für Besonderheiten: Zum Beispiel die Microstella-Unruh als Teil der Hemmung, die eine sehr feine Einstellung der Präzision zulässt. Dies erfolgt mithilfe der Microstella-Schrauben: Diese kleinen, sternförmigen Muttern sind von innen in den Unruhreif geschraubt. Dort können sie mit Spezialwerkzeug bewegt werden, um das Trägheitsmoment der Unruh zu verändern.

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Die Microstella-Unruh.
Die Microstella-Unruh.©Rolex/Ulysse Fréchelin
Die Microstella-Unruh.
©Rolex/Ulysse Fréchelin
Weiter geht es mit der am Unruhreif angebrachten Spirale. Typisch Rolex ist die 2005 eingeführte patentierte Parachrom-Spirale, die aus einer exklusiven, leuchtend blauen Legierung aus Niob, Zirkon und Sauerstoff besteht. Die Spirale wird von Rolex selbst gefertigt und bietet günstige Eigenschaften für eine Uhr, etwa Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern oder Widerstandsfähigkeit bei Erschütterungen. Eine andere Variante ist die 2014 eingeführte Syloxi-Spirale aus einem Verbundmaterial aus Silizium und Siliziumoxid.
Die Parachrom-Spirale.
Die Syloxi-Spirale.
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Die Parachrom-Spirale. Rolex / Cédric Widmer
Ganz neu ist die im vergangenen Jahr vorgestellte Dynapulse-Hemmung für das Kaliber 7135 der Land-Dweller, deren Konstruktion sich vom traditionellen System der Schweizer Ankerhemmung gelöst hat.
Nicht weit entfernt wirkt das Paraflex-System – eine eigene Stosssicherung von Rolex, die seit 2005 verwendet wird. Die Konstruktion schützt – wie herkömmliche Stosssicherungen auch – den Zapfen der Unruhwelle.

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Die Paraflex-Stosssicherung.
Die Paraflex-Stosssicherung.©Rolex/Stojan & Voumard
Die Paraflex-Stosssicherung.
©Rolex/Stojan & Voumard

ETA-Codes

Als wichtigster Schweizer Hersteller von Uhrwerken ruht sich auch ETA nicht auf errungenen Lorbeeren aus, sondern entwickelt sich stets weiter. Zu den hauseigenen Spezialitäten gehören neben Feinregulierung für das Uhrwerk mit der Bezeichnung Etachron auch das 2015 eingeführte PowerDrive zur Steuerung von Chronographen sowie das 2016 lancierte System PreciDrive für Quarzwerke, das Umgebungstemperaturen kompensiert.

Gold-Codes

Beim Gold zeigt sich nicht nur Innovationskraft, sondern auch die Fantasie der Uhrmacher: Einige Marken haben ihren Goldlegierungen klingende Namen und besondere Nuancen gegeben. Bei Rolex heisst das in der hauseigenen Giesserei legierte Roségold ganz poetisch Everose-Gold. Der roséfarbene Schimmer der 18-karätigen Legierung entsteht durch Beimetalle, allen voran Kupfer. Auch Omega hat «eigenes» Gold in 18 Karat: Sedna-Gold heisst ein Roségold mit deutlicher Rotnuance, «Moonshine-Gold» eine sanfte Gelbgoldlegierung; beide kamen zuletzt in der neuen Damenkollektion Seamaster Aquaterra 30mm zur Geltung. A. Lange & Söhne bevorzugt einen besonders diskreten Farbton und hat das 18-karätige «Honiggold» mit einem leicht braunen Schimmer entwickeln lassen.

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Das Roségold Everose-Gold von Rolex.
Die Omega Seamaster Aqua Terra aus Sedna-Gold.
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Das Roségold Everose-Gold von Rolex. ©Rolex/Jean-Daniel Meyer
Das «Magic Gold» von Hublot hat ebenfalls einen Feingehalt von 18 Karat, verbindet das Edelmetall allerdings mit Keramik: Das Gold wird in eine Molekularstruktur aus Keramik eingeschmolzen. So entsteht Gold mit extrem kratzfester Oberfläche. Eine Variante ist King Gold von Hublot: Nach Auskunft der Manufaktur ist das Edelmetall mit Platin und Hightech-Materialien für mehr Härte und einen charakteristischen wärmeren, rötlicheren und intensiveren Farbton legiert.

Gehäusematerial-Codes

Wenn es um Gehäusematerialien geht, blicken Entwickler gerne nach rechts und links – sprich in andere Branchen. Bei Luft- und Raumfahrt oder im Motorsport geht es häufig um die Verbindung von Leichtigkeit und Stabilität. Eigenschaften, die sich auch an Handgelenk gut machen. Tatsächlich sind viele ungewöhnliche Materialien für die Ausstattung einer Uhr von anderen Branchen inspiriert. Beispiel Richard Mille: Die High-End-Marke hat bereits verschiedenste Materialien genutzt, um besonders leichte Uhren zu fertigen. Etwa die hochentwickelte Aluminium-Silizium-Mischung AluSiC. Für das Kohlenstoffmaterial Graphen arbeitete Richard Mille mit dem Renn- und Sportwagenhersteller McLaren zusammen und schuf den Schleppzeiger-Chronographen mit Tourbillon RM 50-03, der dank Graph-TPT-Gehäuse 40 Gramm wiegt. Neuerdings kommt für Gehäuse bei Richard Mille auch Quarz zum Einsatz – also das Mineral, das aus Sauerstoff und Silizium besteht. Für Uhrgehäuse aus Quarz TPT werden ultradünne Quarzfasern aus gemahlenen und verschmolzenen Quarzkristallen gefertigt. Hunderte dieser Fasern werden unter Zugabe von Harz feste Platten in verschiedenen Farben, aus denen Uhrgehäuse gefräst werden.

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Die RM 30-01 Le Mans Classic mit Gehäuse aus Quarz TPT von Richard Mille.
Die RM 30-01 Le Mans Classic mit Gehäuse aus Quarz TPT von Richard Mille.zVg
Die RM 30-01 Le Mans Classic mit Gehäuse aus Quarz TPT von Richard Mille.
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Weitere Ansprüche an die Ausstattung einer Uhr sind Robustheit und Kratzfestigkeit, damit ein Zeitmesser am Handgelenk Freizeit, Sport und Beruf übersteht. Dafür nutzt Panerai innovative Materialien, die im Laboratorio di Idee der Manufaktur in Neuchâtel optimiert werden: etwa Ti-Ceramitech, die Verbindung von Titan mit Keramik durch ein Titan-Keramisierungsverfahren, und Carbotech, eine besonders leichte Verbundstruktur aus langen, leistungsstarken Carbonfasern. Zudem verwendet Panerai – wie zuletzt auch Audemars Piguet – das Material BMG, ein metallisches Glas. Die Abkürzung steht für Bulk Metallic Glass, das auf Zirkonium, Kupfer, Aluminium, Titan und Nickel basiert. Ein besonders stabiles Material, das zeigt, dass Form, Funktion und Ästhetik bei Uhren am besten miteinander einhergehen.
In der Panerai Submersible Marina Militare Carbotech ist das innovative Material verbaut.
Die Audemars Piguet Royal Oak Ewiger Kalender Automatik Squelette mit Lünette aus BMG.
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In der Panerai Submersible Marina Militare Carbotech ist das innovative Material verbaut. zVg

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