Auf der Chefetage der Deutschen Bank sind zwei wichtige Verhandlungen gelaufen. Eine davon ist nun geklärt: Die Deutsche Bank wird die Commerzbank nicht übernehmen, die deutsche Bankenhochzeit ist am Donnerstag geplatzt.

Die andere Verhandlung ist wohl noch im Gang. Wieso vermutlich? Weil die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, und die UBS die Gespräche nicht bestätigen. Nach übereinstimmenden Medienberichten diskutieren sie über einen Zusammenschluss von DWS und dem Asset Management der UBS – also jene Einheit der Grossbank, die das Geld institutioneller Kunden verwaltet, zum Beispiel Pensionskassen oder Versicherer. DWS und das UBS Asset Management könnten ihr Geschäft voll oder teilweise verschmelzen.

Eine Fusion ergäbe aus Sicht des Zürcher Finanzspezialisten Rainer Skierka Sinn. Der Analyst bei Research Partners hat allerdings Zweifel, ob eine Partnerschaft gut funktionieren würde. Und er stellt eine neue Möglichkeit in den Raum: Die UBS könnte ihr Asset Management ganz oder teilweise an DWS und Deutsche Bank verkaufen.

Vanguard oder Blackrock führen den Markt an

Was spricht für einen Zusammenschluss von DWS und dem UBS Asset Management (AM)? Vor allem ist es die Grösse der beiden Anbieter: DWS und die UBS-Einheit verwalten je zwischen 650 und 700 Millionen Euro an Kundengeldern. Sie sind nur kleine Gesellschaften in der Branche, in der grosse Player wegen der tiefen Margen im Vorteil sind. Gemeinsam wären DWS und das UBS AM etwa so gross wie der Konkurrent Amundi. Branchenschwergewichte wie Vanguard oder Blackrock blieben aber ausser Reichweite.

Für den Zusammenschluss spricht auch die Struktur von DWS: Das Unternehmen ist an der Börse kotiert, die Deutsche Bank hält noch knapp achtzig Prozent der Anteile. Durch einen Aktientausch oder eine Kapitalerhöhung liesse sich eine Partnerschaft mit der UBS einfach umsetzen. Offen ist allerdings, welche Bank die Führungsrolle einnehmen würde. Für die Deutsche Bank ist das Asset Management von DWS ein wichtiger Teil der Geschäftsstrategie.

«Das würde Reibungsverluste erzeugen»

«Die UBS würde sich mit der Rolle eines Juniorpartners nicht zufriedengeben. Das würde Reibungsverluste erzeugen», sagt Analyst Rainer Skierka. Er hält es deshalb für sinnvoller, wenn die UBS das Asset Management an die Deutsche Bank verkaufen würde. Die Schweizer Grossbank sei auf die Geschäftseinheit nicht angewiesen. «Die Finanzprodukte für institutionelle Kunden kann die UBS auch einkaufen», sagt Skierka. «Das Asset Management hat bei der UBS bis jetzt ohnehin ein Schattendasein geführt.»

Offen ist, ob die UBS sich überhaupt vom Asset Management trennen will. Und fraglich ist auch, ob sich die kriselnde Deutsche Bank eine Übernahme leisten kann.
Falls die Verhandlungen mit der UBS wie jene mit der Commerzbank platzen, hat DWS andere Optionen. Medienberichten zufolge bemühen sich auch die Konkurrenten Allianz und Amundi um einen Deal mit der Deutsche-Bank-Tochter.

(mbü)

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