Der Verkauf von Globus, den die Migros im Juli zur allgemeinen Überraschung angekündigt hat, dürfte ein nicht ganz einfaches Unterfangen werden. Offiziell hat erst der gegenwärtige Chef der Warenhauskette sein Interesse an einer Übernahme kundgetan. Ein Auge auf die Marke Globus könnten aber auch internationale Akteure haben.

Unmittelbar nachdem die Migros ihre Absicht, Globus und andere Migros-Töchter zu verkaufen, bekannt gegeben hat, hat Thomas Herbert sich bereits als Käufer von Globus ins Spiel gebracht. Herbert leitet die Warenhauskette seit 2015 und hält zudem rund 3 Prozent an der Migros-Tochter. Herbert war einer der Hauptaktionäre der Modekette Schild, die 2013 von Globus aufgekauft wurde.

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«Ich weiss, welches Potenzial die Firma hat», sagte Herbert vor einigen Wochen in einem Interview auf Tele Züri. Er will demnach zusammen mit dem Management die Warenhauskette übernehmen. Möglich sei ein Kauf sowohl ohne dazugehörende Immobilien als auch - zusammen mit Partnern - mit diesen. «Es gibt für jede Option eine Lösung, die wir machen können», meinte er im Zürcher Lokalsender.

Herbert stellte im Interview zudem auch klar, dass die Warenhäuser an sich keine roten Zahlen schreiben würden. Allerdings hätten der Aufbau des E-Commerce und Veränderungen in der Logistik und im Unternehmen die Globus-Gruppe als Ganzes in den vergangenen Jahren belastet.

Mehr Luxus im Globus

Die Lebensmittelabteilung als Vorbild, will CEO Thomas Herbert den Marktauftritt vereinheitlichen. Neue Luxusmarken ziehen ein. Mehr dazu lesen Sie hier.

Bei der Migros äusserst man sich noch nicht konkret zur Form des Verkaufs. Auf Anfrage sagte eine Migros-Sprecherin, dass die Gruppe «eine klare Präferenz für einen Erwerber habe, der in das Unternehmen investiert und dessen Entwicklung fortsetzt».

Denner-Chef Gaydoul hat kein Interesse

Gerade Schlange stehen die Interessenten für Globus allerdings noch nicht - oder sie äussern sich zumindest öffentlich nicht dazu. Nur der Unternehmer und einstige Denner-Chef Philippe Gaydoul sagte kürzlich der «Handelszeitung», er sei nicht versucht, das Unternehmen zu kaufen.

Ein weiterer potenzieller Investor wäre die Gruppe Maus Frères, zu der die Manor-Warenhäuser und Jumbo-Baumärkte gehören. Eine Sprecherin des diskreten Genfer Unternehmens sagte der Nachrichtenagentur AWP, sie gebe keinen Kommentar zum Thema ab.

Eine gut informierte Quelle meinte aber, dass Maus Frères kein Interesse an Globus habe. Dagegen gebe es verschiedene Hinweise auf Interessenten aus dem Ausland. In den Medien bereits genannt wurde etwa die österreichische Signa Holding, die bereits die deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof besitzt.

Investmentfonds als mögliche Käufer

Auch grosse Investmentfonds könnten einsteigen, darunter die amerikanische KKR - die unter anderem auch in die Schweizer Selecta investiert ist - oder das französisches Immobilien- und Investmentunternehmen Unibail Rodamco Westfield, das sich als weltweit führender Einkaufszentrumbetreiber bezeichnet und zu dem etwa das Warenhaus Quatre Temps in Paris gehört.

In Verhandlungen über eine Übernahme von Globus einsteigen könnte auch das britische Unternehmen Hammerson, welches das eine Beteiligung am Fashion Outlet in Landquart hält. Weder Hammerson noch Unibail Rodamco Westfield reagierten auf Anfragen.

Aus gut informierten Kreisen ist zu vernehmen, dass internationale Investmentfonds durchaus als Käufer in Frage kämen, zumal Warenhauskonzepte immer globaler würden.

(awp/ccr)