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Analyse

Wie viel Kapital braucht eine Bank?

Die Finma fordert von der UBS eine bessere Absicherung für die ausländischen Tochterfirmen. Alles über das Eigenkapital von Banken in fünf Punkten.

Markus Diem Meier

<p>Will mit einer niedrigen Eigenkapitalquote die Aktionäre glücklich machen: UBS-Chef Sergio Ermotti.</p>

Will mit einer niedrigen Eigenkapitalquote die Aktionäre glücklich machen: UBS-Chef Sergio Ermotti.

keystone-sda.ch

Die UBS streitet sich derzeit mit dem Bund darüber, ob die Grossbank mehr Eigenkapital braucht beziehungsweise wie viel mehr Eigenkapital sie braucht. Doch was ist Eigenkapital? Gewöhnlich ist es das, was übrig bleibt, wenn man vom Vermögen eines Unternehmens die Schulden abzieht. Damit ist es der Anteil des Unternehmens, der seinen Besitzern gehört, und der Puffer, der ein Unternehmen vor seinem Konkurs bewahrt. Denn übersteigen Verluste das Eigenkapital, kann ein Unternehmen seine Schulden nicht mehr bezahlen. Doch bei Banken ist die Sache sehr viel komplizierter. Und mit Eigenkapital können verschiedene Dinge gemeint sein.

1. Die zwei Gesichter der Eigenkapitalquote einer Bank

Um zu beurteilen, ob ein Unternehmen solvent ist, interessiert meist nicht das absolute Eigenkapital, sondern der Anteil des Eigenkapitals am gesamten Vermögen. Das ist die Kapitalquote. Betrachtet man diesen Anteil bei einer Grossbank, ist er typischerweise sehr gering. Bei der UBS beläuft er sich auf 4,4 Prozent. Zur Veranschaulichung: Bei 100 Franken Vermögenswerten wie ausgegebenen Krediten würden 4.40 Franken Eigenkapital bleiben. Bei Nichtfinanzunternehmen liegt diese Quote typischerweise bei sehr viel höheren 30 bis 50 Prozent. Die so berechnete Eigenkapitalquote einer Bank nennt man auch Leverage Ratio. Wenn Banken von ihrer Eigenkapitalquote sprechen, meinen sie aber meist nicht diesen Anteil an echtem Eigenkapital an den gesamten Anlagen, sondern den Kapitalanteil im Verhältnis zu den sogenannten risikogewichteten Anlagen. Bei dieser Betrachtung werden die Anlagen mit ihrem Verlustrisiko gewichtet. Anlagen, die als risikolos gelten, werden nicht mitgerechnet. Diese risikogewichtete Eigenkapitalquote ist deutlich höher als die ungewichtete: Im Fall der UBS beläuft sie sich auf 14,4 Prozent.

2. Fliessende Grenzen zum Fremdkapital

Das Thema Eigenkapital bei Banken ist derart komplex, weil es dazu mehrere Definitionen gibt. Das Eigenkapital gemäss der engsten Definition wird als «hartes Kernkapital» oder CET1 (Common Equity Tier 1) bezeichnet. Darauf bezieht sich auch die unter Punkt 1 angeführte Leverage Ratio. Eine breitere Definition von Eigenkapital umfasst der Begriff «Kernkapital» (Tier 1). Hier werden auch Zwischenformen von Schulden und Eigenkapital einbezogen. Gemeint sind Schulden, die im Krisenfall nach im Voraus definierten Kriterien in Eigenkapital umgewandelt oder abgeschrieben werden. Damit erhöhen sie theoretisch den Puffer, der eine Bank vor dem Konkurs schützt, wozu auch die AT1-Anleihen (Additional Tier 1) der Credit Suisse zählen, um die zurzeit gerichtlich gestritten wird. Als die UBS die Credit Suisse übernahm, wurden diese AT1-Anleihen komplett abgeschrieben. Die durch den Rechtsstreit anhaltende Unsicherheit macht klar, dass sie als Eigenkapital in der Krise weniger taugen, als dies in der Theorie der Fall ist.

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Markus Diem Meier
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