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Pharmaindustrie

Wie die Innovationsmaschine Novartis funktioniert

Der Pharmagigant will hoch hinaus. Der Masterplan: die Biologie industrialisieren. An der Börse kommt er damit gut an.

Seraina Gross Handelszeitung

<p>Konzernchef Vas Narasimhan: Hat er die neue Erfolgsformel für Novartis gefunden? </p>

Konzernchef Vas Narasimhan: Hat er die neue Erfolgsformel für Novartis gefunden? 

Es wäre eigentlich der Moment, in dem der Aktienkurs schwächeln müsste. Novartis stehen Umsatzeinbussen in Milliardenhöhe ins Haus. Der Kassenschlager Entresto, ein Herzmedikament, hat sein Patent verloren, reihenweise Generika stehen bereit. Die Verkäufe – 2024 waren es noch 7,8 Milliarden Dollar – dürften in den Keller sausen. Auch bei der zweiten Portfolioperle, dem Psoriasis-Medikament Cosentyx, laufen die ersten Patente ab. Analysten gehen davon aus, dass Novartis in den nächsten Jahren gegen 15 Milliarden Dollar an Umsatz verlieren könnte. Das ist selbst bei einer Firma mit 54,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz keine Kleinigkeit.

Doch der Kauflaune der Investoren vermag die bevorstehende Patentklippe offenbar keinen Abbruch zu tun. Im Gegenteil: Die Novartis-Aktie erlebt gerade einen regelrechten Höhenflug. Erst kürzlich hat sie das erste Mal in ihrer bald dreissigjährigen Geschichte die Marke von 120 Franken überschritten – ein Meilenstein. Die Marktkapitalisierung von Novartis liegt nun bei etwas über 250 Milliarden Franken, hinter Roche und deutlich vor Nestlé. Dass die ewige Nummer drei in der SMI-Königsklasse schon bald die Nase vorn hat, ist nicht mehr auszuschliessen.

Möglich macht das blau-gelbe Basler Wunder eine Strategie, die der Konzernchef vor ein paar Jahren mit dem Schlagwort «Industrialisierung der Biologie» überschrieben hat – offenbar ist man nicht mehr nur inhouse überzeugt, dass sie greifen wird. Im Kern geht es darum, technologische Plattformen als Spielfeld für die Suche nach neuen Therapien zu etablieren – anstatt für jede spezifische Krankheit mühsam einen neuen Wirkstoff zu suchen und dabei das Rad jedes Mal ein bisschen neu zu erfinden. Bioengineering auf Topniveau statt der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Gewiss, auch andere Pharmaunternehmen kaufen sich systematisch in neue Technologien ein, aber «so konsequent und zielgerichtet wie Novartis macht das im Moment kaum ein anderes Unternehmen», sagt Stefan Schneider, Pharmaanalyst bei Vontobel.

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