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Streaming macht den Löwenanteil des Konsums aus. Das grosse Geld fliesst aber an einem anderen Ort. Alles zum Musikgeschäft in fünf Punkten.

Olivia Ruffiner
Album publizieren und auf Tour gehen war gestern. Musikerin sein heisst heute auch, Social Media bedienen und Relevanz im Streaming haben.
KeystoneDie Musikindustrie hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend verändert. Während früher Tonträger verkauft wurden, dominiert heute das Streaming. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist Musik allgegenwärtig und auf Knopfdruck verfügbar, für Musikerinnen und Musiker ist sie zu einem komplexen Geschäftsmodell geworden. Aufmerksamkeit wird in Klicks und Sekunden gemessen, Einnahmen entstehen verteilt über viele Kanäle – oft in kleinen Beträgen. Wer heute von Musik leben will, muss verstehen, wie das Geld in der Wertschöpfungskette fliesst.
Streaming killed the album star. So oder ähnlich würden die Buggles wohl das heutige Musikgeschäft beschreiben. Ruhm und Ehre holt man sich nicht mehr mit Albumverkäufen, sondern mit Streams und viralen Tiktok-Hits. Auf der grössten Musikstreamingplattform Spotify zählt ein Stream ab dreissig Sekunden Wiedergabedauer. Wer nicht in den offiziellen Playlists der Anbieter verlinkt ist, wird kaum gespielt. Künstlerinnen und Künstler veröffentlichen daher bestenfalls fünf bis sechs Lieder über das Jahr verteilt.
Im Hip-Hop ist die Halbwertszeit kürzer: Hier empfiehlt es sich, alle vier bis fünf Wochen mit neuer Musik zu erscheinen. Aufwand und Ertrag einer Albumproduktion lohnen sich im Zeitalter des Streamings weniger. Meist werden die über das Jahr veröffentlichten Lieder gemeinsam mit ein paar neuen Songs zusammengefasst in einem Album veröffentlicht. An diesen Songs verdienen in der Regel mehrere Beteiligte.
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