Ergraute Herren treffen zum Apéro im Zürcher «Kaufleuten» ein. Entspannt, ein Weinglas in der Hand, geben sie ihre festen Ansichten zur aktuellen Weltlage preis, ihr aktives Erwerbsleben haben sie zumeist hinter sich. Stadtpräsidentin Corine Mauch ist zum Vortrag vor der Zürcher Volks­wirtschaftlichen Gesellschaft geladen. In einleitenden Worten spricht Martin Scholl, Präsident der Gesellschaft und CEO der Zürcher Kantonalbank, über die Top-Ratings von Zürich, über Zürich als Insel der Seligen, über Zürich als «Paradies».

Eine Nummer kleiner? Das geht in ­Zürich nicht. Die reiche Stadt, von Banken wie UBS und Credit Suisse geprägt, hat Elite-Hochschulen und Spitzenforscher, eine Durchmesserlinie, eine neue Europa­allee und das coole Zürich West. Zürich zieht Talente aus aller Welt an, beheimatet sogar ein Forschungszentrum von Google. Da wird nicht diskutiert, Zürich muss die ewige Nummer eins sein. Noch Fragen?

Basel zeigt Zürich die Rücklichter

Wir erlauben uns einen gewagten Blick hinüber zur Schönen am Rhein und ent­decken: Ausgerechnet Basel, die ewig ­belächelte Rivalin, zeigt Zürich die Rücklichter. Nicht nur beim Fussball. Auch die Wirtschaftslokomotive der Schweiz dampft heute nicht mehr in Zürich, sondern in Basel. Pharma schlägt Finanzen und damit Basel Zürich.

«Die Pharmaindustrie ist in guter Verfassung, die Finanzindustrie dagegen steckt nach wie vor in schweren Zeiten», begründet Martin Eichler, Chefökonom von BAK Basel Economics. «Daher er­warten wir für dieses wie auch für nächstes Jahr, dass der Kanton Basel-Stadt beim Wirtschaftswachstum sowohl die Stadt als auch den Kanton Zürich über­runden wird.»

Wachstumsraten von drei Prozent werden zugetraut

Ein paar Zahlen zur Ernüchterung der Zürcher. Die Wirtschaft der Stadt wird nach den BAK-Prognosen dieses Jahr mit 1,2 und im nächsten Jahr mit 1,3 Prozent wachsen. Basel aber, dem schmucken Städtchen, von Ländergrenzen umgeben und räumlich eng begrenzt, trauen die Experten Wachstumsraten von drei Prozent zu.

Dies ist nicht einmal ein neues Phänomen: Von 2000 bis 2014 wuchs die Schweizer Wirtschaft im Schnitt mit 1,8 Prozent. Rund ein Sechstel dieses Wachstums steuerte die Pharmabranche bei, die vor allem in Basel angesiedelt ist. Ihr Wachstumsbeitrag war damit fast doppelt so hoch wie jener der Finanzindustrie, die ihren Schwerpunkt in Zürich hat. Daher übertrifft der Kanton Basel-Stadt auch alle anderen Kantone der Schweiz im Vergleich der Wirtschaftskraft pro Kopf: Mit über 160'000 Franken je ­Einwohner liegt diese Kennziffer um rund 50 Prozent höher als im Kanton Zürich.

Der Erfolg der Basler Pharmakonzerne ist längst zu einer entscheidenden Stütze im Schweizer Aussenhandel geworden. 2016 exportierte die Branche Waren für rund 80 Milliarden Franken, das sind rund 38 Prozent aller Exporte. Und wiederum knapp 60 Prozent der Pharmaexporte stammen aus Basel. Sprich: Ohne Novartis, Roche und Co. würde die Schweiz ein Aussenhandelsdefizit ausweisen.

Mehr als doppelt so viel Marktwert

 

Angesichts dieser Zahlen ist an der Börse die neue Hackordnung der beiden Städte längst Realität. Ende 2006 waren die in ­Zürich angesiedelten Konzerne wie UBS, ABB oder die Zurich Insurance Group an der Börse gemeinsam noch 402 Milliarden ­Franken schwer. Die Basler Industrie brachte es damals nur auf 372 Milliarden. Zehn Jahre später haben die Basler Konzerne mit 450 Milliarden Franken mehr als doppelt so viel Marktwert wie die Zürcher im Leitindex SMI. Mit Roche und Novartis sitzen dort gleich zwei der global fünf ­grössten Pharmakonzerne. Das gibt es ­nirgends sonst auf der Welt.

Basel schlägt Zürich – nicht immer, aber immer öfter. Ob beim Vergleich der ­Leit­industrien Pharma und Finanz, beim ­Städtebau, beim Fussball-Entertainment, in der Kunst oder bei der Gestaltung neuer städtischer Areale – die Basler zeigen, 
wie es geht.

Turm und Türmchen

Mittagszeit im Roche-Turm. Oben im 38. Stock, in 178 Meter Höhe, geniessen Mitarbeiter in einer Cafeteria den Rundblick über Stadt und Rheinlandschaft. Der Turm ist beliebt, samstags stehen sogar Besucher Schlange. Zwei Jahre alt ist es schon, das neue Wahrzeichen der Stadt. Und dennoch machen die Basler nicht viel Auf­hebens darum, Roche hat das galante ­Designgebäude schlicht und cool «Bau 1» getauft.

In Zürich hingegen wurde der erste nennenswerte Turm ins Entwicklungs­areal Zürich West platziert, zwischen Gleisanlagen und der unwirtlichen Hardbrücke. Der Standort: praktisch, aber hässlich. Das ­Gebäude: grünes Glas, zweckmässig, aber langweilig. Mit 126 ­Metern ein gewöhnliches Türmchen im Vergleich zum Basler «Bau 1», aber der Name spricht Bände: Prime Tower! Das wird bald etwas peinlich wirken.

Ein weiterer Höhenrekord

Die Basler bauen gerade an einem neuen Turm. Direkt neben dem «Bau 1» soll bis 2022 der «Bau 2» entstehen, 205 Meter hoch, ein weiterer Höhenrekord. Proteste gegen das Grossprojekt? Fehlanzeige. Für den Baulärm besänftigte Roche die Anwohner mit Gratis-Schutzglas und Mietzinszuschüssen. Rund 3,5 Milliarden Franken investiert Roche insgesamt in ­Basel. Zum Vergleich: Der Bau des Prime ­Tower kostete lediglich 350 Millionen.

Mit dem Turmbau zu Basel geht es dem Konzern weniger um Prahlerei. Roche ist räumlich im Wettsteinquartier zwischen Autobahn, Bahntrassen und Rhein ein­gequetscht. Wachstum ist nur in die Höhe möglich. Der Konzern wächst – und wie. 2006 beschäftigte Roche in Basel und Kaiseraugst rund 8400 Menschen. Jetzt sind es rund 30 Prozent mehr.

Weltoffen und liberal

In Basel wirkt die konzentrierte Pharmapower schon etwas unheimlich. Fünf Prozent der Unternehmen kommen für rund 60 Prozent der Gewinnsteuer auf. Winken die Basler daher widerstandslos alles durch, was die Pharmakonzerne ­wollen? «Mit Sicherheit nicht, wir sitzen eher im Glashaus und werden scharf ­beobachtet», sagt Gottlieb Keller, Präsident des Branchenverbandes Scienceindustries, hauptberuflich Chefjurist bei Roche. «Wir kommen dann mit unseren Vorhaben durch, wenn wir gute Argumente haben», so Keller.

Eva Herzog, die Finanzdirektorin von Basel-Stadt, drückt es so aus: «Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Bevölkerung wichtige Projekte unterstützt, weil sie um deren wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt weiss.» Sprich: Die Basler beissen nicht die Hand, die sie ­ernährt. Topmanager Keller kann beide Städte vergleichen, er hat 30 Jahre lang in Zürich gelebt. «Ich empfinde Zürich oft als kleinkarierter und engstirniger, fast schon preus­sisch», erzählt er. ­«Basel erscheint mir weltoffener und ­liberaler.»

Büros einer Krisenbank

Symbolkraft hat auch das Innenleben der Türme in Zürich und Basel. Hier, am Rhein, die Büros des prosperierenden Pharmakonzerns. Dort, am Gleisbett, die Büros einer Krisenbank. Es ist der Private-Banking-Ableger der Deutschen Bank, der 2011 im Turm einzog, als die Bankenwelt die Krise hinter sich glaubte. Doch es wird weiter gekürzt und gespart. Beim Einzug arbeiteten knapp 320 Mitarbeiter für die Deutsche Bank in Zürich, Ende 2016 waren es nur noch 285.

Im Rückblick hatte die Rede von Stadtpräsidentin Mauch zur Einweihung des Prime Tower etwas Prophetisches. Sie bezeichnete das Gebäude als Symbol für den Wandel der Stadt.

Einen Second Tower wird es in Zürich wohl so bald nicht geben. Denn die Zahl der Jobs in der Finanzindustrie schrumpft seit fünf Jahren unaufhörlich. Beschäftigten UBS, CS und Co. 2011 noch rund 56'000 Menschen, waren es im vergangenen Jahr nicht einmal mehr 49'000.

Saniert oder erweitert

In Zürich wird sichtbar vor allem saniert oder erweitert. Und das dauert dort gewöhnlich. Die UBS renoviert gerade ihren Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 45. Und am Mythenquai am See bauen die Versicherer Swiss Re und Zurich Insurance Group. Die Zurich will ihren denkmal­geschützten Konzernsitz am Seeufer durch neue, zweckmässige Gebäude dahinter ­ergänzen. Der Konzern hat dabei der Stadt mit einem Vertrag über ­einen Mehrwertausgleich versprochen, sich mit 8,35 Millionen Franken an der Neugestaltung des Mythenquais zu beteiligen. ­Anfangs hatten Bürgerliche gegen die ­«rot-grüne Erpressung» des Konzerns ­opponiert. Das Projekt kam durch, schliesslich kommt es auch den Zurich-Mitarbeitern zugute. Und von wem haben sich die Zürcher den Mehrwertdeal ab­geschaut? Natürlich von den Baslern.

Interessant indes: Roche und die Zurich begannen ungefähr zeitgleich mit den Planungen. Beim Pharmariesen konnten die Mitarbeiter ihre hellen Büros im Turm bereits im Herbst 2015 beziehen. Die ­Zurich baut dagegen immer noch. 2020 soll das neue Ensemble endlich fertig sein. Über 1,5 Jahre zogen sich die Verhandlungen mit dem Heimatschutz hin. Hinter vorgehaltener Hand fluchten Topmanager schon mal über die Zürcher Baubüro­kratie. Durchaus neidisch blickt ein Ex-UBS-Manager Richtung Basel: «In Zürich wäre es undenkbar, mitten in der Stadt ­einen Turm zu bauen.»

Privater Städtebau - ohne Referendum

Von einem Industriecampus ganz zu schweigen. Mit dem Novartis Campus am Rheinufer hat der ehemalige Konzernchef Daniel Vasella quasi privaten Städtebau betrieben. 7500 Menschen aus über 100 Ländern arbeiten in dieser Stadt in der Stadt, 2500 davon sind Forscher. Nur die Crème de la Crème der internationalen Architektenszene wie Frank O. Gehry, der auch das Guggenheim Museum in Bilbao entwarf, kam beim Umbau des 20 Hektar grossen ehemaligen Fabrikgeländes zu ­einem Forschungs- und Verwaltungs­campus zum Zug.

Um das Projekt zu ermöglichen, verkaufte Basel dem Konzern sogar die Hüningerstrasse, die mitten durch das Gelände verläuft. Auch der störende Rheinhafen wurde kurzerhand verlegt. «Eine linke Regierung hat das Projekt möglich gemacht», sagt nicht ohne Stolz Guy Morin, langjähriger Regierungspräsident Basels und selbst ein Grüner. Ein ­Referendum wurde nie ergriffen.

Kein neues Kongresszentrum in Zürich 

Das schlicht gehaltene Laborgebäude mit der Nummer 14 an der Fabrikstrasse – der Hauptachse des Campus – hat der spanische Stararchitekt Rafael Moneo entworfen. Er hätte auch gerne in Zürich gebaut. Moneo hatte die Pläne für ein neues, grösseres Kongresszentrum entworfen.

Politik und Wirtschaft waren sich einig: Zürich braucht ein modernes Kongresshaus – allein schon, um der Zürcher Hochschullandschaft adäquate Tagungsräume bieten zu können. Rund 100 Millionen Franken zusätzliche Wertschöpfung pro Jahr versprachen sich die Verantwortlichen. Doch für den Neubau hätte das alte Kongresshaus aus dem Jahr 1939 abgerissen werden müssen. Doch Zürich ist nicht Basel. 2008 sagte das Volk Nein.

WIe man baut und wie nicht

Mittlerweile wird am Seeufer zwar gebaut, doch das revidierte Projekt sieht ­nun ­lediglich vor, das Kongresshaus und die Tonhalle in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Sprich: Zürich muss weiter auf einen Kongresssaal warten, der einer internationalen Finanz- und Hochschulstadt würdig wäre. «Zu satt für grosse Würfe», urteilte der Zürcher «Tages-Anzeiger» damals.

Nun steht in Zürich ein wahres Jahrhundertprojekt an: der Umbau des Hochschulquartiers. Universität, Uni­spital und ETH sollen bis zu 320'000 Quadratmeter mehr Fläche bekommen. Dank der besonderen Konstellation, dass die Planungen sowohl eidgenössische (ETH) wie auch kantonale Institutionen (Unispital) berühren, ist die Rechtslage so, dass die Zürcher nie über das wohl grösste städtebauliche Projekt in der Innenstadt werden abstimmen können.

Das ist den Verantwortlichen ganz recht so: «Wenn über alle Gebäude von kantonaler Bedeutung auch noch in den Gemeinden abgestimmt würde, wäre der Ablauf enorm lang und schwierig», rechtfertigt sich der Zürcher Baudirektor Markus Kägi.

Geschlossenes Auftreten

Basel baut, Zürich bremst. Basel entscheidet, Zürich sagt Nein. Das gilt auch im Kampf um die Standortpolitik. «Geht es um die Pharma, sind die Basler stark im Lobbyieren», sagte jüngst ­Nationalrat Thomas Weibel (GLP, ZH) bei einer Podiumsdiskussion. «Eindrücklich, wie da am selben Strang gezogen wird.»

Das sagt auch Pascal Gentinetta, Head Public Policy bei der Zürcher Privatbank Julius Bär. «Die Basler Vertreter in Bern treten sehr geschlossen für ihre Anliegen ein. Die Zürcher treten weniger homogen auf», hat Gentinetta beobachtet. Und er hat auch gleich eine Erklärung parat: «Ein Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass die Zürcher es aufgrund der nationalen Bedeutung der Stadt weniger nötig hatten, hart wie andere Regionen für ihre Interessen zu kämpfen.»

Zur nationalen Berühmtheit

Basel macht es besser. Beispiel Unternehmenssteuerreform. Im Kampf um ­dieses Vorhaben errang die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog nationale Berühmtheit. Die Sozialdemokratin stellte sich gegen die eigene Parteileitung und kämpfte für die Reform. Neue Instrumente wie die Patentbox hätten dazu geführt, dass die Steuerlast für Novartis und Co. trotz Abschaffung der alten Statusgesellschaften etwa gleich geblieben wäre.

Für ihren Einsatz wurde Herzog aus den eigenen Reihen gar als «Mediensprecherin von Roche und Novartis» beschimpft. «Für die Uhren- oder Maschinenbauindustrie darf man sich als Politikerin einsetzen», wehrt sich Herzog im Gespräch. «Ich verstehe aber nicht, warum wir nicht genauso für die Pharmaindustrie eintreten können. Sie hat nicht nur für Basel, sondern für die ­gesamte Schweiz grosse wirtschaftliche Bedeutung. Und entgegen den Behaup­tungen der Gegner hätte die Pharma nach der Reform sogar leicht mehr Steuern ­bezahlt.»

Basler Pharmamanager loben Eva Herzogs Einsatz: «Wir pflegen mit der Basler Regierung einen engen und konstruktiven Austausch auf Augenhöhe», sagt André Wyss, Geschäftsleitungsmitglied von Novartis und Länderpräsident der Schweiz, «sie weiss deshalb genau, was wir brauchen.» In Basel zogen Politik und Wirtschaft bei dem Thema an einem Strang.

Und in Zürich? Hier ging es fröhlich durcheinander, vor allem in der Politik. Der kantonale Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) setzte sich für die Reform ein. Sein Stadtzürcher Amtskollege Daniel Leupi (Grüne) kämpfte dagegen. Letztlich wurde die Reform aber auch in Basel ­abgelehnt. Doch Novartis-Manager Wyss ist nicht besorgt: «Das ist kein Misstrauensvotum gegen unsere Industrie, wir standen nicht im Fokus. Die Vorlage war am Ende vermutlich einfach zu komplex.»

FC Basel klar besser

Der Match Basel gegen Zürich ist in der Disziplin Sport dagegen eine ganz einfache Sache. Basel hat mit Roger Federer nicht nur die Sportikone des Landes in den eigenen Reihen.

Auch im Fussball können die beiden Zürcher Clubs, der FC Zürich (FCZ) und der Grasshopper Club Zürich (GCZ), schon lange nicht mehr mit dem FC Basel (FCB) mithalten. Die Basler schicken sich an, in dieser Saison zum achten Mal in Folge Meister zu werden. Der FCZ ist schon froh, dass der Wiederaufstieg zu gelingen scheint. Noch liegt GCZ, der zweite Zürcher Traditionsclub, mit 27 Meisterschaften in der ewigen Bestenliste vorn. Doch angesichts der Basler Dominanz scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann der FCB auch hier die Zürcher überholt.

Wirtschaftlich in einer eigenen Liga

Potente Förderer wie die Roche-Erbin Gigi Oeri haben Millionen in ihren Heimatverein gepumpt, vor allem in die Nachwuchsförderung. Mittlerweile trägt sich der Club selbst. Mit einem Jahresumsatz von 132 Millionen Franken spielen die ­Basler für Schweizer Verhältnisse wirtschaftlich in einer eigenen Liga. Der Club erzielte 2016 knapp 30 Millionen Franken Gewinn – das ist mehr, als die beiden Zürcher Clubs überhaupt an Umsatz machen. Treue Fans füllen das eigene Stadion. Dem Club geht es so gut, dass der neue Eigen­tümer Bernhard Burgener den Vertrag von Trainer Urs Fischer trotz zwei gewonnenen Meisterschaften nicht verlängert.

Und Basel hat das, was Zürich seit über zehn Jahren nicht hinbekommt: ein vernünftiges Fussballstadion. 2007 mussten die Grasshoppers aus ihrer alten Spielstätte Hardturm ausziehen. Gespielt wird nun im neu gebauten Stadion Letzigrund. Doch für die Fans ist das weiträumige Areal eine Zumutung.

Neues Projekt «Ensemble»

2013 scheiterte ein Neubauprojekt am Einspruch von 50,8 Prozent des Stimmvolkes. Nun wagt die Stadt einen neuen Anlauf. Mit dem Projekt «Ensemble» sollen auf dem Hardturm-Areal ein Fussballtempel für 18'500 Zuschauer, zwei Wohn- und Geschäftstürme sowie Genossenschaftswohnungen entstehen.

Wann und ob überhaupt gebaut werden kann, ist aber noch unklar. Das Projekt kommt vermutlich wieder an die Urne. FCZ-Präsident Ancillo Canepa sinnierte schon düster: «Wenn das Stadion nicht kommt, muss man sich überlegen, ob man diesen Sport am Standort Zürich profi­mässig betreiben kann.»

Handel und Kunst

Vielleicht ist Zürich einfach zu verwöhnt, um sich dafür zu begeistern, wie 22 verschwitzte junge Männer sich dabei ­abrackern, einen Ball über die gegnerische Torlinie zu befördern. Schliesslich ist ­Zürich nicht nur das grösste Finanz­zentrum der Schweiz, sondern spielt mit Hochschulen wie der Universität und der ETH als Wissens- und Forschungsstandort ohne Zweifel in der Weltliga mit.

Basel hat zwar die älteste Universität der Schweiz, doch der permanente Streit um Geld ­zwischen den beiden Halbkantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft zur Finanzierung der Uni ist ihrer Entwicklung nicht gerade förderlich.

Erstaunlicherweise kann Zürich seinen Vorsprung im Hochschulwesen nicht zu einem Matchpunkt als Tagungsstandort verwandeln. Wer «Messestadt Zürich» googelt, wird über die Gottesdienste der Zürcher Pfarreien aufgeklärt. Ja, und auch ein Hinweis auf eine «VeggieWorld» ist dort zu finden – mit 70 Veganer-Buden. Wer es in Basel versucht, der wird hin­gegen auf Links zu Messen mit Weltrang geführt, der Uhrenmesse Baselworld und der Art Basel, ganz klar die wichtigste Messe des internationalen Kunstmarktes für zeitgenössische Kunst.

Mehr als 140'000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet Basel, in Zürich sind es nur 30'000. Büros, Hotel- und Kongresssäle, Restaurant und Bar sind im 33-stöckigen Messeturm untergebracht, erbaut vom Basler Architekturstar Meinrad Morger.

Handel und Kunst gehen in Basel seit Jahrhunderten Hand in Hand. Die 1933 ­gegründete Emanuel-Hoffmann-Stiftung schreibt in ihren Statuten fest, Werke von Künstlern zu kaufen, «die sich neuer, in die Zukunft weisender, von der jeweiligen Gegenwart noch nicht allgemein verstandener Ausdrucksmittel bedienen, und zwar ohne Rücksicht auf Nationalität». Stiftungen wie diese pumpen jedes Jahr Millionen in ­Kulturprojekte, und zusätzlich gibt Basel für die Kultur im Jahr 914 Franken pro Kopf aus, Zürich nur die Hälfte. Die Zürcher begreifen Kultur als (verzichtbaren) Kostenfaktor, die Basler verstehen, wie Kultur Werte und Wachstum steigert.

Mit oder ohne Glamour

Ja, in Zürich wird das Kunsthaus erweitert. Es soll 2020 fertig sein, geplant vom Briten David Chipperfield. Bauherr ist als Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft Walter Kielholz, ein Alt-Banker. Eine Luzerner Stiftung rekurrierte gegen den ­Entwurf eines «autistischen Kunsttresors». Und legte damit zwei Jahre lang alles lahm.

Der spektakulärste Teil des Bauwerkes ist eine sündteure unter­irdische Passerelle. Architekt Chipperfield frotzelte: «Die Schweizer haben das mit den Tunneln tatsächlich im Griff.» Er nennt seinen Plan «auf sehr solide, verantwortungsvolle Weise auffällig und zugleich bescheiden». Die Kunsthauserweiterung werde ein «echter Zürcher». Nun denn, ob sie es vielleicht besser mit einem Basler Architekten und ohne einen Banker in der Jury versucht hätten?

Mehr Besucher in der Fondation Beyeler

Jedenfalls vermisst das Feuilleton jetzt schon den «kulturellen Glamour» und verweist auf – na, erraten: Basel. Wie man die Herzen der Menschen gewinnen könne, habe die Fondation Beyeler bewiesen, wo jährlich fast eine halbe Million Besucher gezählt werden, während es im Zürcher Kunsthaus nur 290'000 sind.

Und auch das Kunstmuseum Basel spielt in der internationalen Topliga. Die Erweiterung wurde 2009 ausgeschrieben – und vor einem Jahr fertig. Gefördert mit 50 Millionen Franken von der Mäzenin Maja Oeri. Und sogar gelobt vom Zürcher Feuilleton.

Wie hier sind die privaten Stiftungen überall mit ihren guten Gaben präsent. Etwa 900 Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von rund 15 Milliarden Franken spenden Jahr für Jahr. Und an der Bildung wird ebenfalls nicht gespart. Für 800 Millionen Franken wurden Schulen gebaut.

So machen es die Basler.

In Zürich gibt es für diese Frage das Projekt 17/0 des Hochbaudepartements. Ein Ziel: Baukosten bei Schulbauten einsparen, zum Beispiel durch «direkt umsetzbare Verzichts- und Kostenoptimierungsmassnahmen» oder durch den «Verzicht auf grosszügige Foyers».

So machen es die Zürcher.

Das sind 2016 die Reichsten in der Region Basel:

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