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Valora: Zu viele Kioske, zu wenig Umsatz

Valora kommt nicht aus den Schwierigkeiten heraus. Jetzt steht eine Schliessung von 50 bis 300 Kiosken zur Debatte.

Von red
22.03.2005

Valora ist und bleibt eine Grossbaustelle. Berater der Consultingfirma Bain sind daran, das Unternehmen zu durchleuchten. Was offiziell als «Anpassung der Strukturen und der Organisation» sowie «nochmalige Überprüfung der Strategie» dargestellt wird, könnte einschneidende Folgen für den ganzen Konzern haben. Bereits mussten Christof Biedermann, Leiter Kiosk Schweiz, und René Corpataux, Chef Einkauf Tabak, Food und Non-Food, das Unternehmen verlassen; Jürg Stauffer, Leiter Retail-Marketing, wird intern versetzt.

Vor allem die Sparte Retail mit den Kiosken, die fast die Hälfte zum Konzernumsatz beisteuert, läuft nicht wunschgemäss. Das neue Erscheinungsbild, das den Kiosken in den letzten Monaten verpasst wurde, zeigt nicht die erhoffte verkaufsfördernde Wirkung. Der Verkauf von Tabakwaren und Presseerzeugnissen harzt. Interne Szenarien gehen von der Schliessung von 50 bis 300 der insgesamt rund 1300 Kioskstellen aus. Valora gibt an, dass noch keine Beschlüsse gefällt worden seien, und verweist auf die Bilanzmedienkonferenz vom 6. April 2005, an der über Details informiert werden soll.

Mitte Februar mussten die Valora-Verantwortlichen eine Gewinnwarnung herausgeben. Das tiefere Ergebnis geht neben dem schwierigen Kioskgeschäft auf einen neuen Abschreiber von 120 Millionen Franken zurück. Dass für das Geschäftsjahr 2004 überhaupt ein Gewinn ausgewiesen werden kann, ist nur Verkäufen von Firmenteilen wie Merkur Confiserie oder Messer Dolmetsch zu verdanken. Auch Immobilien im Wert von 180 Millionen Franken sollen an die Credit Suisse verkauft worden sein. Valora will sich zur Summe nicht äussern.

Erst vor zwei Jahren hatte der Verwaltungsrat unter Präsident Peter Küpfer dem Konzern eine Fokussierungsstrategie verordnet. Jetzt steht diese auf dem Prüfstand. Küpfer trat das Präsidium Anfang Jahr an Fritz Ammann ab, obschon er sich an der letzten Generalversammlung für drei Jahre als Präsident wählen liess. «Nachdem Peter Küpfer die erste Phase der Fokussierungsstrategie umgesetzt hatte, ergab sich eine neue Konstellation. Die neuen Ziele sind vermehrt operativer Natur. Ich habe das Präsidium übernommen, weil ich langjährige Erfahrung im Handel habe», sagt Ammann, der seit 2001 im Valora-Verwaltungsrat sitzt. Er bestreitet die Vermutung, dass die Rochade einen Zusammenhang mit dem unbefriedigenden Geschäftsgang habe. CA

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