Abo

Unique: «Last call» für Bangalore

Der Zürcher Flughafen Unique möchte sich im indischen Silicon Valley als Betreiber eines regionalen Hubs profilieren. Das Projekt kommt jetzt in die heisse Phase.

Werbung

We think the unthinkable» steht in grossen Lettern an der Wand des Sitzungszimmers im südindischen Bangalore. Darunter hängen die massstabsgetreuen Ausführungspläne für den geplanten Flughafenneubau in der boomenden IT-Kapitale des Subkontinents. Im Verhältnis 1:7500 sind darauf eine Landebahn, Flugfelder, Tower, Fingerdocks und das Abfertigungsgebäude eingezeichnet. Wie es scheint, haben die Planer bei ihren jahrelangen Sandkastenübungen an alles gedacht. Was fehlt, ist nur noch die Baubewilligung.
«Ich bin zuversichtlich, dass der Spatenstich im ersten Quartal des kommenden Jahres erfolgen wird», sagt

Albert Brunner, Geschäftsführer der Bangalore International Airport Ltd. (Bial), zu deren Promotoren die Zürcher Flughafengesellschaft Unique gehört. Rund fünf Millionen Franken hat sich Unique die Projektentwicklung bis anhin kosten lassen. Vollmundig hatten die Zürcher vor dreieinhalb Jahren – noch vor dem Grounding der Swissair – die Bildung eines Konsortiums mit der deutschen Siemens (40 Prozent) und dem indischen Generalunternehmer Larsen & Toubro (17 Prozent) bekannt gegeben. Mit dem ambitiösen Ziel, ein global tätiger Flughafenbetreiber zu werden, hatte Unique seinerseits 17 Prozent der Bial-Aktien gezeichnet; in die restlichen 26 Prozent teilten sich die nationale Flughafenaufsichtsbehörde und der südindische Gliedstaat Karnataka, auf dessen Hoheitsgebiet die aus allen Nähten platzende Softwaremetropole Bangalore liegt.

Partner-Inhalte

Brunners demonstrativem Optimismus zum Trotz steht das Offshoreprojekt derzeit auf Messers Schneide. Laut indischen Medienberichten trägt sich die von chronischem Geldmangel und Nepotismus gezeichnete Koalitionsregierung von Karnataka mit dem Gedanken, ihre Finanzierungszusage von umgerechnet 100 Millionen Franken auf einen Bruchteil dieser ursprünglich vereinbarten Summe zusammenzustreichen. Kommt hinzu, dass einer der Koalitionsführer im Süden der Stadt ausgedehnte Landreserven besitzt und den neuen Flughafen aus nahe liegenden Gründen lieber dort hochziehen lassen würde. Angeblich steht der schon vor Jahren festgelegte Baustandort, 30 Kilometer nördlich von Bangalore, deshalb neuerdings wieder zur Disposition.

«In den letzten Monaten wurden wir von der Lokalregierung furchtbar hängen gelassen», bestätigt Bial-Chef Albert Brunner. Die Geduld der Investoren im südindischen Silicon Valley, sagt er, werde derzeit «bis aufs Äusserste strapaziert». Auch für den Konsortialführer Siemens ist der Rückstand auf die Marschtabelle inzwischen so gross, dass sich dessen Geschäftsführer in Indien unlängst veranlasst sah, laut über Konsequenzen nachzudenken, falls der Vertrag mit den indischen Behörden bis Ende 2004 nicht endlich unter Dach und Fach ist.

Werbung

«Wenn die Regierung von Karnataka die Hürden bis zum Jahresende nicht aus dem Weg räumt, gerät das Projekt in eine Sackgasse», prophezeit unlängst das indische Wirtschaftsmagazin «BusinessWorld». Es wäre nicht das erste Airport-Projekt, das auf dem Subkontinent vor Erreichen der Ausführungsphase beerdigt werden müsste. Bereits 1998 hatte ein Konsortium, angeführt vom indischen Mischkonzern Tata, wegen politischer und bürokratischer Hindernisse in Bangalore das Handtuch geworfen.

Noch will Albert Brunner jedoch nicht an den «worst case» glauben. Der politische Flurschaden, den ein abermaliger Übungsabbruch verursachen würde, sei für die Inder viel zu gross, schätzt er. Dass die Geduldsreserven bedrohlich dem Nullpunkt zustreben, kann allerdings auch Brunner nicht verhehlen. «Wenn bis in ein paar Wochen nicht alles klar ist, lässt sich ein Scheitern nicht mehr ausschliessen.»

Werbung