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Scott Bessent ist Trumps loyaler Finanzminister. Der Ex-Hedgefondsmanager schiesst gegen die EU – und macht Parmelin zu einem Franzosen.
US-Finanzminister Scott Bessent während seiner Medienkonferenz im «USA House» am diesjährigen WEF in Davos.
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Bei jedem Konzert eines Superstars gibt es den sogenannten Supporting Act, zu Deutsch die Vorgruppe. Das sind oft Nachwuchsbands und -talente, die das Publikum in Stimmung bringen wollen, damit es sich schon mal warmgeklatscht hat, bevor der Hauptstar die Bühne betritt. Auch Donald Trump hat einen solchen Supporting Act: seinen Finanzminister Scott Bessent.
Beim World Economic Forum (WEF) in Davos ist Bessent auf Dauersendung: Im eigenen «USA House» gab er gleich zwei Medienkonferenzen, dazu hatte er am Dienstag einen eigenen Auftritt am WEF selbst. Und wer glaubte, Bessent würde als Ex-Hedgefondsmanager und Finanzprofi als ruhiges intellektuelles Gegengewicht zu seinem sprunghaften Boss Donald Trump auftreten, der irrte.
Zwar mahnte Bessent mehrmals die europäischen Partner, «doch erstmal tief Luft zu holen», bevor sie mit eigenen Zöllen auf Trumps Zolldrohung im Streit um Grönland reagieren würden. Doch in der Sache wich Bessent keinen Millimeter von Trumps Linie ab.
So hatte sich der US-Finanzminister am Dienstag auf die Frage, warum die USA unbedingt Grönland brauchen, zu der Antwort verstiegen, dass die USA die Kontrolle über die Insel bräuchten, «um nicht in einen grösseren Konflikt gezogen zu werden» – schliesslich würden China und Russland ebenfalls die Kontrolle über die Arktis anstreben.
Auf die Frage der Handelszeitung, ob die USA mit ihrem Griff nach Grönland nicht selbst einen Konflikt mit ihren Partnern heraufbeschwören würden, erklärte Bessent, es ginge darum, den Europäern zu erklären, warum die USA Grönland für die eigene Sicherheit bräuchten. «Nur eine kleine Geschichtsstunde», so Bessent: «Die USA haben die Virgin Islands von Dänemark während des Ersten Weltkriegs gekauft, und ich möchte alle daran erinnern, dass Dänemark im Ersten Weltkrieg neutral blieb.» Aus Sorge vor einer Ausweitung des Krieges gaben die Dänen die Inseln den Amerikanern. Subtext: So neu ist die Idee also nicht, dass Dänemark Land an die USA abtritt.
Und das Argument, der heraufziehende Zollkonflikt würde auch die US-Wirtschaft bedrohen, parierte Bessent ganz im Sinne seines Dienstherrn: «Präsident Trump glaubt, dass es keine wirtschaftliche Sicherheit ohne nationale Sicherheit gibt.» Bei seinen Ausführungen fiel auf, wie oft Bessent seine Antworten mit «Präsident Trump» begann.
Dabei ist der 63-Jährige weiss Gott kein schlichtes Gemüt. Der Yale-Absolvent erlangte Kultstatus in der Finanzbranche in einer Zeit, als er für den Investor George Soros Anfang der 90er-Jahre als Leiter des Londoner Büros von Soros Fondsfirma arbeitete. Bessent gilt als einer der Männer hinter Soros Wetten gegen das britische Pfund, mit denen Soros und auch Bessent selbst reich wurden. Später gründete Bessent eigene Fondsgesellschaften wie 2015 die Key Square Group, eine global aufgestellte Makro-Hedgefondsfirma.
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Eigentlich neigt die US-Finanzindustrie eher zu den Demokraten, allen voran sein alter Arbeitgeber George Soros, die Hassfigur alle Antiliberalen und Antisemiten. Doch Bessent entschied sich für Trump und unterstützte ihn auch finanziell. Daher berief Trump Bessent zu seinem Finanzminister – der übrigens offen zu seiner Homosexualität steht.
Und nun tritt er als Einpeitscher in Davos auf, der das Publikum auf Trumps Auftritt vorbereitet. Dabei scheint ihn nichts von seiner Loyalität abzubringen. Nervöse Märkte und die Meldung, dänische Pensionsfonds würden US-Anleihen auf den Markt werfen? «Das waren weniger als 100 Millionen Dollar.» Und die Meldung, dass europäische Fonds ihre Anleihenbestände verkaufen könnten, sei auf einen einzigen Analystenreport der Deutschen Bank zurückzuführen, «verstärkt durch das Fake-News-Medium ‹Financial Times›», teilte Bessent aus. «Der Chef der Deutschen Bank rief mich an, um mir zu versichern, dass die Bank nicht hinter diesem Analystenbericht steht», dozierte er.
Auch die Europäer bekamen ihr Fett ab: «Ich denke, es ist sehr schwer, das ganze mediengetriebene Aufsehen rund um Grönland und die demonstrativen Stellungnahmen von Präsident Macron auseinanderzuhalten», so der US-Finanzminister. Man solle doch erst einmal abwarten, was Präsident Trump in Davos zum Grönland-Streit zu sagen habe, mahnte er.
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Dagegen bekam die Schweiz ein paar Streicheleinheiten – dabei leistete sich Bessent aber einen Lapsus: Den Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin machte er zu einem Franzosen. Mit Parmelin habe er ein gutes Gespräch gehabt, so Bessent. Und dann wörtlich: «Er ist ein fantastischer Anwalt für das französische Volk.»
Diese Panne wird Parmelin verschmerzen, denn ansonsten verteilte der US-Finanzminister viel Lob Richtung Schweiz: Trotz seiner kleinen Bevölkerungszahl würde das Land wirtschaftlich «über seiner Gewichtsklasse boxen», so Bessent, und sei ein «Industrie-Powerhouse». Er sei zuversichtlich, dass die USA und die Schweiz den Zolldeal bald abschliessen können. Auch Parmelin selbst lobte er, dieser habe «wirtschaftlichen Sachverstand».
Und dann erfolgte aber doch noch eine Warnung: Er werde sehr enttäuscht sein, wenn die Schweiz sich der EU annähern würde, die Bessent als Bürokratiemonster bezeichnete. «Ich würde mir Sorgen machen, wenn ihr anfangen würdet, die EU-Politik in Bezug auf Verwaltung, Bürokratie und wirtschaftliche Stagnation nachzuahmen.»
Damit stellt Bessent die Schweiz vor einen schweren Entscheid, denn nun scheint sich das Land zwischen Europa und den USA als Verbündeten entscheiden zu müssen. Dabei wäre es im Interesse aller, das Land könnte seine guten Beziehungen zu beiden bewahren.
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