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Thyssen-Bornemisza: Irrweg des Willens

Das Testament von Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza ist wertlos. Die Erben zerlegen das Industrieimperium.

Von red
01.11.2005

Die Erbfledderei im Milliardenreich derer von Thyssen-Bornemisza geht in die Endphase. Clanchef Georg Heinrich Thyssen-Bornemisza (55) will das Imperium seines Vaters selig komplett zerlegen. Dabei zeigt sich mal wieder, dass ein Testament allenfalls das Papier wert ist, auf dem es steht. Sind sich alle Erben einig, kontrolliert niemand, ob der letzte Wille respektiert wird.

Erblasser Hans Heinrich («Heini») Thyssen-Bornemisza, Bürger von Lugano und jahrzehntelang schillernder Hausherr der dortigen Villa Favorita, wollte sein geschickt aufgebautes Imperium mit Industriebeteiligungen und einer spektakulären Kunstsammlung der Spitzenklasse selbst vor seinen vier leiblichen Kindern, der Witwe und dem Adoptivsohn schützen und unangreifbar machen. Seine juristisch ausgeklügelte Kreation The Thyssen-Bornemisza Continuity Trust auf der Steuersparinsel Bermuda installierte der Patriarch, wie der Name sagt, um Kontinuität zu garantieren. Kaum drei Jahre nach dem Tod des Patrons wird das Milliardenerbe nun endgültig auseinander gerissen. Ein bizarrer Rechtsstreit tobte bereits, als Baron Heini nach Schlaganfällen schon schwer handicapiert war. Seine fünfte Frau, Carmen, genannt Tita, gierte förmlich nach Teilhabe, animierte den greisen Tycoon zunächst zur Adoption ihres Sohnes Cervera Alejandro aus einer früheren Liaison. Dann legte die Ex-Schönheitskönigin Hand an die Kunstsammlung und spedierte sie nach und nach aus dem Tessin in ihre spanische Heimat. Die Fondazione Thyssen-Bornemisza ist bereits liquidiert.

Nach dem Tod von Heini, viel Streit und Prozesskosten von geschätzten 150 Millionen Franken ziehen die Erben plötzlich an einem Strang: Georg Heinrich Thyssen-Bornemisza, Spross aus der ersten Ehe mit Prinzessin Teresa von Fürstenberg, skizzierte jüngst ein Schaubild, wie das Familiensilber unter den Nachkommen aufgeteilt werden solle: Bislang kontrollierten Gesellschaften auf Guernsey und Bermuda das verschachtelte, auf den Niederländischen Antillen gebündelte Imperium mit Namen TBG Holdings. Nun sollen die milliardenschweren Assets umgelegt werden.

Die (abgespeckte) TBG will Georg Heinrich für sich und Sohn Simon allein sichern. Dazu richtet er auf Zypern eine Urvanos Investments ein. Für seine Halbschwester Francesca Erzherzogin von Habsburg-Lothringen (47) sowie die beiden echten Halbbrüder, die Freiherren Lorne (42) und Alexander Thyssen-Bornemisza (31), sieht der Plan eine ebenfalls zypriotische Holding namens Urpasis Limited vor. WP

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