Die Schweizer haben wenig Leidenschaft.» So begründet Daniel Borel, Mitbegründer und Präsident von Logitech, warum wir gegenüber anderen Ländern ins Hintertreffen geraten. Im Unterschied zu Irland, wo Hunger die Menschen zum Aufbruch getrieben habe, gehe es in der Schweiz noch recht gemächlich zu. Aber sie werde aufwachen, aufwachen müssen. An Leidenschaft fehlt es Borel wahrlich nicht. Obwohl er weltweit von Termin zu Termin hetzt, sprudelt er vor Energie. Während Borel Journalisten und Fotografen mit Demonstrationen an seinen vernetzten Laptop fesselt, ist Geneviève Morand, CEO Rezonance, im Grand Casino Kursaal geradezu omnipräsent. Rund 350 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft hat die initiative Herausgeberin des «Swiss Innovators Yearbook» für die Swiss Innovators Gala vereint. Ihrem Wunsch, «den Erfahrungsaustausch zwischen der Romandie, der Deutschschweiz und dem Tessin anzukurbeln», kam die Westschweizerin näher.

Leidenschaftlich machte Peter Brabeck vor 1200 Teilnehmenden am Esprix-Forum im KKL in Luzern die Position und die Ziele von Nestlé klar. Von Moderatorin Susanne Wille herausgefordert, sprach er auch über seine persönlichen Standpunkte. Er werde im Jahr 2008 als CEO zurücktreten, gab er bekannt. Bis dann wolle er Begonnenes umsetzen. Auf die Frage, ob dies nicht auch der nachfolgende CEO machen könnte, erwiderte Brabeck: Ein für die Führung von Nestlé geeigneter CEO würde sich bedanken, bloss die Vorhaben seines Vorgängers umzusetzen.

Gezügelte Leidenschaft kam im Referat von Philippe Gaydoul zum Ausdruck. Offenbar mutete sich der Denner-Chef keine freie Rede zu. Schade, denn der Inhalt der Rede war interessant. Er liess ahnen, wie viele Pfeile der Enkel des Firmengründers Karl Schweri im Köcher hat. Leidenschaft für den Beruf ist auch für Esprix-Award-Gewinner Oscar Kambly ein Erfolgsrezept. Buchautor Holger Rust forderte die KMU-Chefs in witziger Art auf, statt auf eitle Trendforscher mehr auf die eigene Wahrnehmung und jene der Mitarbeitenden (inklusive Lehrlingen!) zu setzen. Die Referate sind unter www.esprix.ch abrufbar.

Als überraschend leidenschaftlich erwies sich Bundesrat Joseph Deiss am Business Briefing, zu dem ICC Switzerland (International Chamber of Commerce) und die Swiss-American Chamber of Commerce luden. Sein Begleiter blätterte fortwährend im bundesrätlichen Redemanuskript, von dem sich Deiss locker entfernte, was seine Rede um einiges überzeugender machte. «Es war ein staatsmännischer Auftritt», lobte Martin Naville, CEO der Swiss-American. Der internationale Steuerwettbewerb zwinge zur raschen Umsetzung von Reformen, betonte Deiss: «Die Schweiz ist alles andere als eine Steuerinsel der Glückseligen.» Bei der Mehrwertsteuer sollte es statt dreier Sätze nur noch einen geben: «Die Entlastung sollte ja nicht in einem leichteren Portemonnaie resultieren.»

Heinrich Henckel, der bei einem BSCC-Business-Frühstück im Hotel Bern über das Umfeld und die Herausforderungen der Schweizer Börse sprach, freute sich, Elena Kuznetsova, kennen zu lernen, Mitarbeitende von Emch + Berger, Bern, und Projektleiterin des «Tropenhauses», wo mit «Störfischen und Kaviar aus der Schweiz» experimentiert wird.

Wenig Leidenschaft, aber Glanz und Gloria war am Automobilsalon Genf zu spüren. In dieser Welt wirkte DJ Bobo, der sich mit einer Bratwurst aus einem Papiersack verköstigte, geradezu nüchtern. Er posierte für BILANZ im Subaru Tribeca. Am Subaru, den er fährt, schätzt er während des Winters den Vierradantrieb. Zur Frage, ob er zuerst einen Subaru fuhr und dann dafür Werbung machte oder ob zuerst der Werbeauftrag kam, sagte DJ Bobo: «Traumhaft, wenn ich mir ein solches Auto einfach so leisten könnte.»

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