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Logistik 
So soll der Güterverkehr künftig unter die Erde

Das Verkehrsaufkommen zu bewältigen ist eine Herkulesaufgabe. Linderung verspricht «Cargo Sous Terrain»: Das Konsortium will einen unterirdischen Güter-Tunnel graben. Erste Etappe: Härkingen - Zürich.

Von Marc Iseli
am 26.01.2016

Das Schweizer Strassennetz steht vor dem Infarkt: Täglich stauen sich die Autos, die volkswirtschaftlichen Kosten gehen in die Milliarden. Und es kommt alles noch schlimmer, prophezeien die Experten des Bundes: Personen- und Güterverkehr sollen in den kommenden Jahren im zweistelligen Prozentbereich wachsen, für den Gütertransport prognostiziert der Bund sogar ein Plus von 45 Prozent bis 2030.

Das wachsende Verkehrsaufkommen zu bewältigen – das ist eine Herkulesaufgabe, an dem das Departement von Doris Leuthard und die SBB sich schon seit Jahren die Zähne ausbeissen. Die bisherige Strategie, möglichst viel auf die Schiene zu verlagern, kommt an ihre Grenzen. In den Agglomerationen sind die Strassen- und Bahninfrastruktur schon heute voll ausgelastet, Züge bewegen immer grössere Pendlermassen. Derweil ist an den Bau neuer Trassees durch das dichte Siedlungsgebiet nicht zu denken.

Unbemannte Transportfahrzeuge im dreispurigen Tunnel

Linderung verspricht das Konsortium «Cargo Sous Terrain» – eine Gruppe von Unternehmen, das den Güterverkehr in unterirdische Tunnels verlegen möchte. Hinter dem Vorhaben stecken Firmen wie Swisscom, Migros, Coop, Manor, SBB, Rhenus Logistics und die Post.

Die seit Jahren existierende Idee wurde heute Dienstag vor den Medien präsentiert: Im 24-Stunden-Betrieb sollen kleine, unbemannte Transportfahrzeuge in einem dreispurigen Tunnel verkehren. Diese sind mit 30 Kilometer pro Stunde unterwegs – gekühlt, unbemannt und elektrisch angetrieben über eine Induktionsschiene.

Pilotstrecke mit 67 Kilometern Länge

In den nächsten 15 Jahren will das Konsortium eine Pilotstrecke von Härkingen-Niederbipp bis Zürich bauen. Im besten Fall steht die erste Strecke bis zum Jahr 2030. Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich laut der ersten, heute vorgestellten Machbarkeitsstudie auf 3,5 Milliarden Franken. Das Projekt soll laut den Initianten dann ab dem Jahr 2034 rentabel sein. (Weitere technische Details siehe Bildstrecke oben und Video unten.)

Der Bau des 67 Kilometer langen Tunnels verschlingt den Löwenanteil der Kosten, ganze 2,5 Milliarden Franken – inklusive Deponie, Ausstattung und Mechatronik, wie es heisst. Das ist ungefähr so viel, wie der Bund für den Bau der zweiten Gotthard-Röhre und die Sanierung des bestehenden 17 Kilometer langen Tunnels eingeplant hat. Der Neat-Tunnel kostet sogar fast das Zehnfache – und ist mit seinen 57 Kilometern immer noch wesentlich kürzer als die geplante Logistikstrecke von «Cargo Sous Terrain».

Bis Ende Jahr soll die Finanzung stehen

Die relativ tiefen Kosten erklären sich mit den Sicherheitsanforderungen an den Tunnel. Weil der Güter- vom Personenverkehr getrennt wird, braucht es keine Schutzräume, keine Sicherheitsstollen, keine Belüftung oder Signalisation.

Wer die Kosten stemmen wird, ist bislang noch unklar – und ein Knackpunkt bei der Realisierung des Projektes. Unter der Federführung des ehemaligen Post-Vize-Chefs Peter Sutterlüti wird in den kommenden Monaten der Kontakt zu Investoren und zur Politik gesucht. Bis Ende Jahr soll bereits die Finanzierung stehen. Weitere fünf Jahre soll es dauern, um die Zustimmung aller Behörden zu erhalten. Im Best-Case-Szenario beginnt der Bau der Teststrecke dann im Jahr 2021.

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