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Mit dem Blackberry Bold will Research In Motion den Siegeszug von Apples iPhone stoppen. Welches ist das bessere Businesshandy?
Marc Kowalsky
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Es war wohl der grΓΆsste Marketinghype der IT-Geschichte. Noch nie wurde ΓΌber ein Produkt vor dessen MarkteinfΓΌhrung so viel geschrieben wie ΓΌber das iPhone 3G. Allein in der Schweiz befassten sich knapp 1700 Artikel mit dem Kulthandy von Apple, bevor es Anfang Juli ΓΌberhaupt erhΓ€ltlich war.
Dagegen ist die EinfΓΌhrung des neuen Blackberry Bold, der ab 15.ββSeptember in den LΓ€den liegen wird, fast eine Geheimdienstoperation. Dabei hΓ€tte der Hersteller, Research In Motion (RIM), allen Grund dazu, ebenfalls eine PR-Lawine loszutreten. Schliesslich wendet sich Apples Β«ZweiphoneΒ» direkt an die Businessuser und damit an die Stammkundschaft von RIM. Mit dem Blackberry Bold β explizit als iPhone-Killer positioniert β will RIM nun dagegenhalten.
Apfel gegen Brombeere: Welches ist das bessere GerΓ€t fΓΌr den Road Warrior?
Telefonieren kann man natΓΌrlich mit beiden gut, daher gleich zum HΓ€rtetest:
WELCHES DER GERΓTE IST BESSER ZUM SURFEN? Keine Frage, der Safari-Browser auf dem iPhone ist die beste Internetumsetzung, die man bisher auf einem tragbaren GerΓ€t gesehen hat. Die Bedienung mit dem Touchscreen ist intuitiv und macht richtig Spass. Die Darstellung ist hervorragend und schnell, zudem zeigt das iPhone eine Website im Querformat an, wenn man das GerΓ€t um 90 Grad dreht. Gegen so starke Konkurrenz anzutreten, ist undankbar. Der Blackberry-Browser zeigt zwar keine wirklichen SchwΓ€chen, aber so flΓΌssig wie mit dem iPhone geht das Surfen nicht.
Auch beim Speed kann RIM nicht punkten. Beide GerΓ€te empfangen Daten dank HSDPA in HΓΆchstgeschwindigkeit. Obwohl der Blackberry-Server diese vor dem Versenden komprimiert, landen sie zum Teil deutlich langsamer auf dem Display als beim iPhone. Immerhin kann man den Bold auch als Notebook-Modem einsetzen β da muss Apple passen. Dennoch: Diese Runde geht so deutlich wie keine andere an das iPhone.
WELCHES IST BESSER ZUM MAILEN? Die Killerapplikation E-Mail spielt beim Kaufentscheid eine wichtige Rolle. Das Lesen von elektronischer Post ist auf dem iPhone Γ€hnlich komfortabel wie das Surfen. Ganz anders das Schreiben. Texte erfasst man mittels einer Bildschirmtastatur, die etwa die HΓ€lfte des Displays einnimmt. Damit zu arbeiten, ist kein VergnΓΌgen: Die Tasten liegen β nicht nur fΓΌr Wurstfinger β viel zu eng beieinander und sind auch nicht wie gewohnt versetzt, sondern streng untereinander angeordnet. Eine sehr hohe Tippfehlerrate ist die Folge; entsprechend lange dauert das Verfassen von Texten. Der Touchscreen reagiert zudem nicht auf Druck, sondern auf den Unterschied der Spannung zwischen Fingerkuppen und Luft. Mit langen FingernΓ€geln lΓ€sst sich das GerΓ€t nicht bedienen: das iPhone β ein MachogerΓ€t.
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Dagegen verfΓΌgt der Blackberry Bold ΓΌber eine echte Klaviatur. Und die ist gegenΓΌber den VorgΓ€ngermodellen noch einmal spΓΌrbar besser geworden: die Tasten ergonomisch abgeschrΓ€gt, mit klarem Druckpunkt und genug Abstand voneinander. Das iPhone versucht den Nachteil auszugleichen durch eine Eingabehilfe, die β Γ€hnlich der T9-Funktion beim Handy β beim Tippen VorschlΓ€ge macht. Dieses Feature hat Apple grΓΌndlich vermurkst. HΓ€ufig schlΓ€gt die Software Fantasievokabeln vor, die in keinem WΓΆrterbuch stehen. Das Schlimmste aber: Man muss die Empfehlungen explizit ablehnen, sonst ΓΌbernimmt sie das iPhone bei Druck auf die Leertaste automatisch. Wer kann sich nur so etwas ausdenken?
RIM merkt man die lange Erfahrung im E-Mail-Management an. Ob man Out-of-Office-Meldungen konfiguriert, Signaturen bearbeitet oder eine Suche β auch ΓΌber alte E-Mails, die nur noch auf dem Server liegen β durchfΓΌhrt: Mit dem Bold lΓ€sst sich die Mailbox unterwegs fast so komfortabel bearbeiten wie vom PC aus. Und ein LED-LΓ€mpchen signalisiert durch Blinken neue Post, auch ohne dass man das GerΓ€t einschalten muss.
Beim iPhone fehlen wichtige Basisfunktionen: Copy/Paste etwa gibt es nicht, Textbausteine kΓΆnnen also nicht einfach kopiert werden. Auch eine Suchfunktion beim E-Mail-Stapel fehlt. (MMS gibt es ΓΌbrigens auch nicht, aber das dΓΌrfte den Businessuser nur am Rand interessieren.) Ingesamt ist der Blackberry das klar bessere E-Mail-GerΓ€t.
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WELCHES VERARBEITET OFFICE-DOKUMENTE BESSER? Weder der Blackberry noch das iPhone kΓΆnnen einen ausgewachsenen Laptop ersetzen. Doch unterwegs mal schnell einen Text, eine Tabelle oder eine PrΓ€sentation verarbeiten sollten sie schon kΓΆnnen. Das iPhone zeigt Dokumente aus Word, Excel oder Powerpoint zwar an, bearbeiten lassen sie sich aber nicht. Beim Blackberry geht das. Klarer Punktsieg.
WELCHES HΓLT LΓNGER DURCH? FΓΌr Heavy User ist die Batterielebenszeit ein entscheidendes Kriterium. Sie ist bei beiden GerΓ€ten nominell zwar Γ€hnlich; die Marketingabteilungen fantasieren von ΓΌber 300 Stunden Stand-by. Im tΓ€glichen Einsatz geht dem iPhone jedoch deutlich schneller die Puste aus, hΓ€ufig schon am frΓΌhen Abend. Beim Blackberry sind wenigstens zwei Tage in der Regel machbar, danach kann man immer noch eine Ersatzbatterie einlegen. Beim iPhone ist der Akku aus DesigngrΓΌnden verschweisst und damit nicht austauschbar. Klarer Punktsieg fΓΌr den Blackberry.
WELCHES IST BESSER IN DIE IT-SYSTEME ZU INTEGRIEREN? Diese Frage wird die IT-Administratoren besonders interessieren β und diese entscheiden am Ende, welches GerΓ€t sie fΓΌr ihre Mitarbeiter zulassen. Hier verfolgen die beiden Kontrahenten ganz unterschiedliche Philosophien: Apple baut auf die ActiveSync-Technologie von Microsoft. Ein paar Tasten-, pardon: Touchscreendrucke am iPhone reichen, und das GerΓ€t ist mit Microsoft Exchange verbunden β aber nur damit. Wer im Betrieb also Lotus Notes oder Novell GroupWise einsetzt, kommt um den Blackberry (vorerst) nicht herum. Zudem ist die ActiveSync-LΓΆsung zwar kostenlos, sie gilt aber als hackeranfΓ€llig und hat den Nachteil, dass sie zwar Kalender- und Adress-
eintrΓ€ge synchronisiert, aber keine Aufgabenlisten.
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RIM verwendet eine eigene Software namens Blackberry Enterprise Server, die sich ΓΌber die Jahre als sehr sicher erwiesen hat. Sie erlaubt ein zentrales Anwendungsmanagement sowie die permanente Γberwachung aller GerΓ€te. Die Apple-LΓΆsung ist deutlich simpler gestrickt: Dass iTunes und der App Store benutzt werden, um Anwendungen zu verteilen, wird manch sicherheitsbewussten IT-Chef die Stirn runzeln lassen. Zumal es ihm nicht mΓΆglich ist, einzelne Anwendungen zentral zu sperren. Das ferngesteuerte LΓΆschen eines verlorenen GerΓ€tes erlauben aber beide Systeme, und auch mit Virtual Private Network (VPN) kommen beide zurecht. Fazit: Die Blackberry-LΓΆsung ist aufwendiger, aber leistungsfΓ€higer.
WELCHES IST DAS BESSERE UNTERHALTUNGSGERΓT? NatΓΌrlich wΓΌrde dieses Argument kein Businessuser offiziell anfΓΌhren und erst recht kein IT-Verantwortlicher in der Entscheidungsfindung zulassen β offiziell. Aber wichtig fΓΌr die Benutzerzufriedenheit ist es eben schon, mit welchem GerΓ€t man sich auf langen Flugreisen die Zeit besser vertreiben kann. Die Antwort lautet wenig ΓΌberraschend: mit dem iPhone. Nicht wegen der perfekten Anbindung an den Apple-eigenen Musikshop iTunes. Da kann der Blackberry mit dem Mediaplayer noch mithalten: Er spielt die verschiedensten Musikformate ab, auch Songs im Apple-Format, sofern sie nicht kopiergeschΓΌtzt sind. Doch das Schauen von Filmen macht auf dem iPhone dank grΓΆsserem Bildschirm wesentlich mehr Spass.
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WELCHES IST KOSTENGΓNSTIGER? Klarer Punkt fΓΌr Apple: Hier braucht es ausser Microsoft Exchange Server und ActiveSync keine weitere Investition. Bei RIM fallen die Kosten fΓΌr die Serversoftwarelizenz an, zudem empfiehlt sich dedizierte Serverhardware. Wer dies scheut, kann die Blackberry-Software auch hosten lassen (ab 54 Franken pro Monat).
FΓΌr Kleinstunternehmen und Privatpersonen bietet Apple mit MobileMe einen Synchronisationsservice auf Abo-Basis (79 Euro pro Jahr und Benutzer). Er synchronisiert Outlook β wieder ohne Aufgaben β beziehungsweise die entsprechenden Apple-Programme und schlΓ€gt damit in der LeistungsfΓ€higkeit das Privatkundenangebot Blackberry email (10 Franken pro Megabyte), das sich auf E-Mails beschrΓ€nkt.
FAZIT: Keine Frage, beides sind hervorragende GerΓ€te, die in ihrer Klasse MassstΓ€be setzen. Dem Β«ZweiphoneΒ» merkt man an, dass es von der Consumerseite herkommt und sich nun auch vom Corporate-Markt ein gutes StΓΌck holen will.
Zugunsten des Lifestyle muss der Businessuser hier aber bisweilen Kompromisse machen. Der Blackberry hingegen, der Inbegriff des Businessphones, hat seinen Purismus abgelegt, ist sehr viel ansehnlicher geworden und ΓΆffnet sich mit Features wie Mediaplayer und Kamera nun auch der Konsumentenseite. So gut wie dem iPhone gelingt ihm das zwar nicht, aber er macht deutlich mehr Spass als seine VorgΓ€ngermodelle. Wer unterwegs Inhalte hauptsΓ€chlich nur konsumiert, der wird am iPhone mehr Freude haben. Wer E-Mails oder Office-Dokumente unterwegs auch erstellt β und das dΓΌrften realistischerweise die meisten Businessuser sein β, fΓΌr den ist der Blackberry Bold die bessere Wahl.
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