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Sergio Marchionne: Fiat-Chef zieht es nach Walchwil

Sergio Marchionne kaufte kurz entschlossen eine Wohnung in Walchwil. Nirgends gibt es prozentual mehr Millionäre als an der Zuger Riviera.

Von red
14.03.2006

Der Briefkasten ist von Hand angeschrieben: Sergio Marchionne. Das Türschild ist noch leer. Und der Fiat-Chef ist offenbar auch noch nicht eingezogen, zuerst muss eine Garage für fünf oder sechs Autos gebaut werden. Schliesslich ist der CEO des Fiat-Konzerns auch oberster Vertreter so verschiedener Marken wie Ferrari, Maserati, Lancia, Alfa Romeo und natürlich Fiat selber.

Im vergangenen November musste es allerdings ganz schnell gehen. Die UBS suchte für ihren Kunden Marchionne unbedingt vor Ende Jahr Wohneigentum in der steuergünstigsten Gegend am Zugersee. Erst beim letzten gezeigten Objekt gefiel Marchionne die Seesicht, und auch das Garagenproblem liess sich lösen. Gut zwei Millionen Franken kostet die 160 Quadratmeter grosse Eigentumswohnung direkt an der Hauptstrasse des Dorfes.

Der tiefe Steuerfuss hat seinen Preis. Im vergangenen Dezember hatte die Gemeindeversammlung von Walchwil eine weitere Steuersenkung beschlossen. Mit 58 Prozent des Zuger Steuerfusses gilt Walchwil als günstigste Gemeinde der Schweiz – und zieht entsprechend Gutbetuchte an: Nirgendwo anders finden sich prozentual so viele Vermögensmillionäre. Jeder achte der Walchwiler Steuerpflichtigen versteuert eine Million oder mehr, dies gegenüber einem schweizweiten Schnitt von drei Prozent. Seit 2002 ist die Zahl der zugewanderten Millionäre nochmals stark gestiegen.

Für die gut 3300 Einwohner hat dies nicht nur positive Effekte, wie auch Gemeindepräsident Peter Wetter einräumt. «Die enorm gestiegenen Immobilienpreise verunmöglichen es vielen jungen Walchwilern, hier zu bleiben.» Nachdem verschiedene kleine Läden ihre Türen für immer schlossen, sorgt sich die lokale FDP um die Attraktivität des Wohnorts. Sie hat eine Interpellation «Lädelisterben» eingereicht.

«Viele verdienen ihr Geld im acht Kilometer entfernten Zug und kaufen auch dort ein», sagt Gemeindepräsident Wetter. Sergio Marchionne gehört nicht zu ihnen. Der frühere SGS-Konzernchef wird an der nächsten GV vom Vizepräsidenten zum Präsidenten des SGS-Verwaltungsrates gewählt, er ist im VR von Serono und präsidiert die Banca Unione di Credito in Lugano. Und vor allem führt er Fiat wieder auf die richtige Kurve. Für allfällige Umwege in der Westschweiz hält sich Marchionne auch noch einen Zweitwohnsitz in Cologny bei Genf. SW

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