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Schafft Zumbrunnen die Migros-Reform?

Schafft Zumbrunnen die Migros-Reform?
Fabrice Zumbrunnen: Der jüngste Migros-Chef der Geschichte.Keystone

Amazon steht auf der Türschwelle. Der orange Riese muss sich gegen den Giganten rüsten und flexibler werden. Doch dem neuen CEO Fabrice Zumbrunnen stellen sich gleich mehrere Probleme in den Weg

Von Philipp Albrecht
2017-09-28

Der Schweizer Detailhandel steckt in seiner grössten Krise. Wegen Onlinehandel und Einkaufstourismus purzeln vor allem im Nonfood-Bereich die Umsätze. Die Einnahmen aus den eigenen Online-Kanälen kompensieren den Rückgang nicht. Und jetzt steht auch noch Amazon vor der Tür. «Es ist inzwischen keine Frage mehr, ob Amazon kommt, sondern wann», sagt ein Migros-Insider zu BILANZ.

Nach zwölf Jahren im Amt wird im Januar Herbert Bolliger an der Spitze der Migros abgelöst. Der neue Chef, Fabrice Zumbrunnen, steht vor einer Herkulesaufgabe. Der bisherige Verantwortliche für Personal-, Kultur- und Gesundheitsfragen muss die starre Organisationsstruktur den neuen Herausforderungen anpassen. Er muss die weitgehend autonomen Genossenschaften ins Boot holen, um schneller auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Deutlich höheres Tempo im Markt

Im Zeitalter der Digitalisierung herrscht ein deutlich höheres Tempo im Markt: «Unter Zumbrunnen wird die Migros kurze Innovationszyklen meistern, agiler werden, mutige Akquisitionen machen, Altes hinterfragen und Neues anreissen müssen», sagt Dominique Locher, bis vor Kurzem Chef von Migros’ Food-Online-Tochter LeShop.

Zumbrunnen wird eine hohe Sozialkompetenz angerechnet: Sein Förderer und Präsident der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg, Damien Piller, attestiert ihm ein «hervorragendes diplomatisches Feingefühl». Doch das grösste Defizit des mit 47 Jahren jüngsten Migros-Chefs der Geschichte ist seine fehlende Erfahrung: «Zumbrunnen musste noch keine grossunternehmerischen Entscheidungen treffen», sagt ein Migros-Kenner.

Baldiger Stellenabbau?

Migros-Präsident Andrea Broggini spielt die Gefahr im Gespräch mit BILANZ herunter. Er ist überzeugt, dass die Struktur flexibel genug sei, um sich weiterzuentwickeln: «Sie hat den Beweis geliefert: Es gibt sie seit 92 Jahren. Und sie ist sehr erfolgreich.»

Gerüchte über einen baldingen Stellenabbau im grösseren Stil werden von der Migros dementiert. Doch in vielen Bereichen der Handelssparte werden derzeit Überkapazitäten abgebaut und die Abläufe effizienter gemacht. Das wird mittelfristig Folgen beim Personal haben: «Es wird etwas kommen», sagt dazu ein Migros-Insider.

 

Fabrice Zumbrunnen, der neue Migros-Chef, das unbekannte Wesen - mehr dazu lesen Sie in der neuen «Bilanz»:  ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

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