Man erkennt sie am rosa Schnurrbart: Die Autos des populären Ridesharing-Dienstes Lyft fallen sofort ins Auge. Anfang April gab die Firma aus San Francisco bekannt, in einer neuen Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt zu haben – reichlich Kapital, um in den USA zu wachsen und auch international das Geschäft auszubauen.

Tempo, Tempo!

Obwohl Lyft mit Klagen und Vorschriften kämpft, ließen die Kalifornier sich geschäftlich nicht bremsen. In nur 20 Monaten expandierte die Firma in 30 US-Städte und schaffte 240 Arbeitsplätze. Von Investoren bekam Lyft bisher insgesamt 333 Millionen Dollar, der geschätzte Wert des Unternehmens liegt bei 700 Millionen Dollar.

  Quelle: Lyft

Wettrennen um die Zukunft von Mitfahrgelegenheiten

Lyft hat geholfen, eine Revolution in im Massenverkehr auszulösen, indem die Firma die Grundideen der «Sharing Economy» konsequent weitergeführt hat. Die Kalifornier beließen es nicht dabei, Preisstrukturen und Bezahlungsmechanismen grundlegend zu ändern, sondern bieten Menschen auch eine ganz neue Art, von A nach B zu kommen. Das Prinzip des Privattaxis, bei dem Nicht-Profis sich gegenseitig Mitfahrgelegenheiten anbieten, lebt vom Gedanken des gesellschaftlichen Beisammenseins: Man sitzt in der Regel vorn beim Fahrer und plaudert übers Leben, statt auf der Rückbank für sich zu bleiben.

Die Einstiegshürden in diesen neuen Markt sind vergleichsweise niedrig, zumindest in den USA, denn Vorschriften gibt es entweder gar nicht, oder sie stützen die Ridesharing-Angebote eher, als es ihnen schwer zu machen. Der grösste Lyft-Konkurrent, Uber, kämpft derweil mit einer etwas anderen Strategie um Marktanteile: Uber konzentriert sich vorwiegend darauf, «Menschen ans Ziel zu bringen» – sei es in schwarzen Limousinen, Hybrid-Autos oder Taxis. Der Community-Aspekt spielt eher eine Nebenrolle. Die Firma sammelte im vorigen Sommer 250 Millionen Dollar, um ihre Strategie umzusetzen, und auch international zu expandieren.

Quelle: CBInsights.com

Stürmische Zeiten bringen neue Chancen

Doch Umbrüche wie dieser gehen selten sanft und ruhig vonstatten. Lassen Sie sich also nicht von fröhlichen rosa Schnurrbärten und schicken Limousinen täuschen: Die Zeichen in der Transportindustrie stehen auf Sturm, und alle sind davon betroffen – Taxi-Unternehmen ebenso wie der öffentliche Nahverkehr, Politiker – und selbst Autohersteller – müssen sich, ob sie wollen oder nicht, auf radikalen Wandel einstellen.

 

  Quelle: Rude Baguette

Am Ende führt wohl kein Weg daran vorbei, dass der Kunde König ist. Sich dem Ridesharing-Trend anzuschließen mag für viele der beste Weg sein, neue Geschäftsfelder zu erschließen oder überhaupt im Geschäft zu bleiben.

Ein Beispiel dafür ist Breeze: Die Jungfirma aus San Francisco verleiht Hybrid-Wagen an Menschen, die gern als Fahrer für Ridesharing-Dienste arbeiten möchten, aber selbst kein Auto besitzen. Das Startup, frisch ins Rennen gegangen, hat bisher nichts über seine nächsten Schritte verraten, doch auch Breeze scheint bereit, weitere Städte zu erobern.

* Christian Simm ist Gründer und CEO von swissnex San Francisco. Mitarbeit: Melanie Picard & Karsten Lemm.

 

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