1. Home
  2. Unternehmen
  3. Raiffeisen: «Wir setzen ein Zeichen»

Banken 
Raiffeisen: «Wir setzen ein Zeichen»

Dicke Luft: Raiffeisen-CEO Patrik Gisel, Ex-Präsident Pierin Vincenz
Gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz (rechts) wird ermittelt; Patrick Gisel geniesst nach wie vor vollstes Vertrauen.Quelle: Keystone / Montage HZ

Während VR-Präsident Johannes Rüegg-Stürm sein Amt per sofort niedergelegt hat, erhält Raiffeisen-Chef Patrik Gisel weiterhin Rückhalt.

Veröffentlicht 09.03.2018

Raiffeisen Schweiz will raus aus den negativen Schlagzeilen: Interims-Präsident Pascal Gantenbein hat am Freitag eine saubere und lückenlose, aber auch schnelle Aufklärung angekündigt. Am bisherigen Raiffeisen-Chef hält er fest: Es gebe keine Indizien, die Patrik Gisel belasten würden.

In der Affäre rund um den ehemals gefeierten Raiffeisen-Boss Pierin Vincenz war auch Gisel in die Kritik geraten. Es gebe heute jedoch keine Anhaltspunkte, die diesen wegen irgendwelcher Transaktionen belasten würden, sagte Gantenbein am Freitag vor den Medien.

Keine weiteren Details

Gantenbein verwies auf einen von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) in Auftrag gegebenen Bericht, der bislang erst in Teilen publik wurde. «Die Konklusion dieses Berichts ist klar, es ist ganz klar eine positive Beurteilung.» Gisel und seine Crew würden deshalb das volle Vertrauen der Verwaltungsrates geniessen, sagte Gantenbein, der die Bank seit Donnerstagabend als Vizepräsident interimistisch führt.

Zu weiteren Detailfragen, wer wann was gewusst habe, wollte sich Gantenbein am Freitag nicht weiter äussern: Jetzt sei nicht die Zeit für Spekulationen. «Wir müssen alles sauber aufarbeiten.» Der Verwaltungsrat habe diesbezüglich am Donnerstag die Eckpfeiler eingeschlagen - er will eine externe, unabhängige Stelle mit einer Untersuchung beauftragen.

Gisel selber sagte vor den Medien, dass er zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf ein allfälliges illegales Verhalten gehabt habe. Und er erklärte, dass heute solche Vorkommnisse, wie sie nun ans Licht gekommen seien, dank verbesserter Corporate Governance nicht mehr möglich seien.

Abrupter Abgang im Interesse der Bank

Der bisherige Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm war am Donnerstagabend überraschend per sofort zurückgetreten. Noch am Sonntag hatte er in einem Zeitungsinterview erklärt, dass er noch zwei Jahre Präsident bleiben wolle.

Viele Genossenschafter und Kunden seien irritiert, enttäuscht und frustriert über das, was zu Tage getreten sei, sagte Rüegg-Stürm in einem kurzen Statement. Um die aktuelle Krise beizulegen, habe er sich nun zum Rücktritt entschlossen. So könne die Vergangenheit unbelastet abgeklärt werden.

Von einem «Zeichen» und einem «persönlichen Entscheid im Interesse der Institution» sprach denn auch Interims-Präsident Gantenbein, der erst im vergangenen Jahr und damit nach dem Ende der Ära Vincenz in den Verwaltungsrat gewählt wurde.

Zwei neue VR-Mitglieder vorgeschlagen

Wie bereits in der Medienmitteilung vom Donnerstagabend betonte Gantenbein am Freitag erneut, dass mit dem Rücktritt auch der bereits eingeleitete «Erneuerungs- und Verjüngungsprozess im Verwaltungsrat» fortgeführt werde.

Für die VR-Wahlen von Mitte Juni werden deshalb, wie ebenfalls am Donnerstag bekannt wurde, mit dem Bankenexperten Rolf Walker und dem Unternehmer Thomas Rauber zwei neue Mitglieder vorgeschlagen. Zudem sucht die drittgrösste Bank der Landes nun eine "unbelastete Persönlichkeit" für das Präsidium.

Fragen bei Beteiligungen

Vincenz sitzt seit letzter Woche in Untersuchungshaft. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Vincenz soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben.

Aduno reichte im letzten Dezember Anzeige ein. Raiffeisen doppelte letzte Woche nach und reichte ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef ein. Zuvor hatte Ende Oktober die Finma ein Verfahren zu Corporate-Governance-Themen gegen Raiffeisen eingeleitet. Vincenz bestreitet die Vorwürfe.

(sda/ccr)

Anzeige