Die Unternehmenssteuerreform III ist unter dem Druck des Auslands entstanden. Insbesondere die EU drohte mit schwarzen Listen. SP-PrΓ€sident Christian Levrat glaubt nicht, dass die Schweiz bei einem Nein am 12. Februar damit rechnen mΓΌsste.
Vor zwei Jahren konnte die Schweiz Gegenmassnahmen der EU nur abwenden, indem sie versprach, nicht mehr akzeptierte Steuerregimes abzuschaffen. Im Wesentlichen geht es darum, dass im Ausland erzielte Gewinne nicht mehr tiefer besteuert werden als im Inland erwirtschaftete.
Trotz der Drohkulisse, die BrΓΌssel damals aufzog, rechnet Levrat nicht mit einer unmittelbaren Reaktion. Β«Ich erwarte nicht, dass uns die EU Probleme macht, wenn es ein Referendum gabΒ», sagte er der sda am Rande einer Medienkonferenz. Vielleicht werde er noch einmal nach BrΓΌssel reisen mΓΌssen, um den Entscheid zu erklΓ€ren.
Schwarze Liste
Dort hat man die Steuerparadiese jΓΌngst wieder schΓ€rfer ins Visier genommen. Eine Liste mit LΓ€ndern, auf welche Druck ausgeΓΌbt werden soll, ist derzeit in Vorbereitung. Die Schweiz wird zwar als wichtiger Finanzplatz erwΓ€hnt, steht aufgrund der Vereinbarung vom Herbst 2014 aber nicht auf der Liste.
Diese Vereinbarung enthΓ€lt keine Frist fΓΌr die Abschaffung der kritisierten Steuerregimes. Die Schweiz geriete bei einer Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III also nicht unmittelbar in die Schusslinie. In Stein gemeisselt ist das nicht: In einer politischen Logik kΓΆnnte sie letztlich doch auf einer schwarzen Liste landen, heisst es in BrΓΌssel.
Umso dringlicher mΓΌsste bei einem Nein eine neue Vorlage angepackt werden. Am Dienstag haben die Gegner der Unternehmenssteuerreform III ihre PlΓ€ne fΓΌr einen neuen Anlauf konkretisiert. Organisationen und Parteien der Allianz, die das Referendum ergriffen hat, betonten dabei erneut, dass sie nicht grundsΓ€tzlich gegen eine Reform und schon gar nicht gegen die Abschaffung von Steuerprivilegien fΓΌr Unternehmen sind.
Grundlagen vorhanden
Die Grundlagen fΓΌr eine neue Reform seien vorhanden, erklΓ€rte GrΓΌnen-PrΓ€sidentin Regula Rytz. Sie verwies auf die ursprΓΌnglichen PlΓ€ne des Bundesrats, der unter anderem eine Kapitalgewinnsteuer und eine hΓΆhere Dividendenbesteuerung vorgeschlagen hatte. Diese Instrumente sowie eine hΓΆhere Untergrenze fΓΌr steuerliche Entlastungen sollen fΓΌr eine Β«faire und tragbare GegenfinanzierungΒ» sorgen.
Ausserdem kΓΆnne man SteuerschlupflΓΆcher nicht stopfen, indem man neue schaffe, sagte Rytz. Solche kΓΆnnten mit der zinsbereinigten Gewinnsteuer oder je nach Ausgestaltung auch mit der Patentbox entstehen. Die Gegner fordern auch, dass die StΓ€dte und Gemeinden bei der Ausarbeitung einer neuen Vorlage stΓ€rker einbezogen werden. Diese bekΓ€men die Folgen der SteuerausfΓ€lle unmittelbar zu spΓΌren.
StΓ€dte mΓΌssten sparen
Die Winterthurer Finanzvorsteherin Yvonne Beutler hat bereits Erfahrung mit Sparprogrammen. Sie wisse, was es bedeute, vor die BevΓΆlkerung zu stehen und zu erklΓ€ren, dass das kulturelle Angebot zusammengestrichen werde und weniger Geld fΓΌr die SchneerΓ€umung, fΓΌr BedΓΌrftige oder fΓΌr die Sicherheit zur VerfΓΌgung stehe, sagte sie.
VPOD-PrΓ€sidentin Katharina Prelicz-Huber erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass die Steuerbelastung lΓ€ngst nicht der wichtigste Standortfaktor fΓΌr Unternehmen sei. Viel wichtiger seien eine qualitativ gute Bildung, Forschung, Verkehr, Kinderkrippen oder Kulturangebote. Gerade diese Leistungen mΓΌssten zurΓΌckgefahren werden, wenn die Unternehmenssteuerreform III angenommen werde.
Der Bundesrat geht davon aus, dass eine neue Reform erst mit fΓΌnf Jahren VerspΓ€tung umgesetzt werden kΓΆnnte. Die Gegner glauben, dass aufgrund der Vorarbeiten ein rascheres Vorgehen mΓΆglich wΓ€re. Ausserdem habe das Parlament bewiesen, dass es Vorlagen bei Bedarf sehr zΓΌgig bearbeiten kΓΆnne, heisst es bei der SP.