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Besetzung

Neuer Favorit im Rennen um de Swaans Nachfolge

Zurich-Präsident Tom de Swaan sucht dringend einen Erben für seinen Posten beim Versicherer. Mit Ex-Finanzchef Dieter Wemmer kam es zu keiner Einigung. Jetzt liegt ein Amerikaner vorn.

Dirk SchützHolger Alich

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Tom de Swaan: Noch knapp ein Jahr bleibt bis zu seinem Abtritt.  Keystone RMS

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Es ist die wohl dringendste Präsidentensuche der Schweiz: Der 72-jährige Zurich-Präsident Tom de Swaan tritt im nächsten Frühjahr ab. Mit ihm geht auch sein Vize Fred Kindle, der die Amtszeitlimite von zwölf Jahren erreicht hat.
Als valabler Kandidat für das Präsidentenamt galt Allianz-Konzernleitungsmitglied Dieter Wemmer. Auf dem Papier eine perfekte Besetzung: Sein Amt in München muss der 60-Jährige altershalber aufgeben, die Zurich kennt er bestens – er war dort 26 Jahre tätig, zuletzt bis 2011 als Finanzchef. Wemmer hat zudem trotz Arbeitsort München in den letzten Jahren seinen Wohnsitz in der Schweiz behalten und ist weiterhin in Langnau am Albis gemeldet. Seine VR-Karriere in der Schweiz lancierte er bereits im letzten Jahr – als UBS-Verwaltungsrat. Das Zurich-Präsidium wäre die Krönung gewesen.

Kein Platz für starken Mann

Das Problem war jedoch offenbar: Konzernchef Mario Greco gilt nicht als Freund eines Über-CEO auf dem Präsidentensessel. Als 2009 die Nachfolge des langjährigen CEO Jim Schiro anstand, wollte Wemmer unbedingt Chef werden. Auch Greco war Kandidat, doch er rechnete sich nur wenig Chancen aus und blieb in der Folge in engem Kontakt mit dem dann gekürten Martin Senn. Der karrierebewusste Wemmer dagegen wechselte wenig erbaut nach München.

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Eine Rückkehr als Präsident hätte unweigerlich zu einem Konflikt mit dem machtbewussten Neapolitaner Greco geführt, der den Konzern mit eiserner Hand führt und durch die Zerschlagung des Matrixsystems seine Dominanz intern massiv ausgebaut hat. Diesen Machtkampf wollte sich der Verwaltungsrat offenbar ersparen. Aus Wemmers Umfeld ist zu hören, dass er abgesagt habe, und die Zurich lässt nur verlauten, man kommentiere Spekulationen nicht.

Duo in den Startlöchern

Damit steigen die Chancen des im Jahr 2016 berufenen Amerikaners Jeffrey Hayman. Beobachtern ist aufgefallen, dass der 57-jährige Ex-AIG-Mann bereits im März ins Machtzentrum des Verwaltungsrats aufgerückt ist, in den Governance-, Nominierungs- und Corporate-Responsibility-Ausschuss. Diesem gehört auch Roche-Präsident Christoph Franz an. Hayman als Präsident, Franz als Vize – das erscheint derzeit als wahrscheinlichste Lösung.
Das «Who is who» der Schweizer Finanzwelt:
«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Bereich Finanzen:Mark Branson:Direktor FinmaSeit 2014 ist der gebürtige Brite der oberste Aufseher aller Schweizer Finanzinstitute. Im Gegensatz zu seinem eher verbissen wirkenden Vorgänger Patrick Raaflaub eckt Branson weniger an, obwohl er zuletzt demonstrativ Härte markiert hat.
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Sergio ErmottiCEO UBSVon der Grosskrise vieler europäischer Bankhäuser blieb die UBS zwar verschont, doch aus Anlegersicht war der Jahrgang 2016 für den Chef der grössten Schweizer Bank dennoch der schlechteste seiner fünfjährigen Amtszeit: Der Aktienkurs brach zeitweise um mehr als 25 Prozent ein. Ermotti nutzte den selbst deklarierten «Beginn des Rückspiels» seiner Amtszeit für den bisher grössten Umbau der Konzernleitung.
Patrik GiselCEO RaiffeisenSeit über einem Jahr ist er nun CEO der Raiffeisen Gruppe. Und hat überraschend deutlich eigene Zeichen gesetzt. Lange im Schatten von Pierin Vincenz, unter dem er bei Raiffeisen zwölf Jahre als Vize wirkte, hat Patrik Gisel gewichtige Weichenstellungen seines Vorgängers rückgängig gemacht.
Thomas GottsteinCEO Schweizer Universalbank Credit SuisseMit Thomas Gottstein steht und fällt die Credit Suisse, wurde ihm doch das Herzstück der Grossbank, die Schweizer Einheit, anvertraut. 2017 soll die Swiss Universal Bank teilweise an die Börse gebracht werden, wodurch Milliarden an neuem Kapital einfliessen sollen. An ihm ist es nun, den Markt davon zu überzeugen, welch grosser innerer Wert in der Bank schlummert.
Mario GrecoCEO Zurich Insurance Group Greco trat im März an und es gelang ihm erstaunlich schnell, den grössten Schweizer Versicherungskonzern von den Schrecken des Jahres 2015 zu befreien. Mit wenig Worten und viel Taten brachte er den gebeutelten Riesen wieder in die Spur. Als Endpunkt der Startphase schwor er sein Team auf die nächsten harten Jahre ein: Kostensenkungen von 1,5 Milliarden bis 2019, Entschlackung des Konzerns, niedrige Anlageerträge.
Thomas JordanPräsident Schweizerische Nationalbank (SNB)Er ist einer der meistkritisierten Männer des Landes: Die Exportindustrie wirft ihm die Aufhebung des Mindestkurses vor, die Bankenbranche die Einführung von Negativzinsen. Doch Kritik lässt der Ökonom abprallen und verweist auf die absolute Unabhängigkeit der Nationalbank. Auch intern ist Jordan so mächtig wie kaum ein anderer Nationalbankchef vor ihm, ist er doch der einzige wahre Fachspezialist im Direktorium.
Patrick OdierSenior Partner Lombard OdierAm 15. September trat Patrick Odier nach sieben Jahren als Präsident der Bankiervereinigung zurück. Nun hat er mehr Zeit für seine eigentliche Aufgabe, jene des Senior Partners bei Lombard Odier. Die Bank ist stark gewachsen: Arbeiteten 2005 noch 1700 Personen für die Bank, sind es heute bereits 2200. Die Assets sind in den letzten fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen.
Herbert ScheidtPräsident Vontobel und Präsident BankiervereinigungMit der Übernahme des Präsidiums bei der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) dreht der Banker nochmals richtig auf. Angesichts der schwierigen Aufgaben, die für ihn dort anstehen, ist es gut, dass wenigstens bei seinem eigentlichen Job als Präsident der Privatbank Vontobel Ruhe herrscht. Die Bank läuft gut, die Gewinne sprudeln, CEO Zeno Staub treibt das Geschäft vorsichtig, aber gezielt weiter voran.
Nicolas PictetSenior Partner PictetBei der altehrwürdigen Genfer Privatbank übernahm im Juni Nicolas Pictet die Rolle des Senior Partners. Er ersetzte Jacques de Saussure, der altershalber zurücktrat. Mit Nicolas Pictet ist die Familie, die der Bank den Namen gab, nun ganz oben präsent. Der Jurist ist schon seit 1984 bei der Bank, 1991 wurde er Partner. Keystone/zvg
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