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Milliardenverlust

Die Credit Suisse im tiefroten Minus

Die Credit Suisse findet nicht aus den roten Zahlen heraus. Im vierten Quartal hat die Grossbank einen Verlust von 2,4 Milliarden Franken geschrieben. Es sind aber Lichtblicke zu erkennen.

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CEO Tidjane Thiam: Altlasten brocken der CS erneut einen Milliardenverlust ein.Keystone RMS

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Die Credit Suisse findet nicht aus den roten Zahlen heraus. Vor allem wegen hoher Rechtskosten verbuchte die zweitgrΓΆsste Schweizer Bank 2016 einen Verlust von 2,4 Milliarden Franken, wie Credit Suisse am Dienstag mitteilte. Nachdem Altlasten dem Institut im Verlauf von zwei Jahren damit nun Verluste von insgesamt ΓΌber fΓΌnf Milliarden Franken einbrockt haben, hoffen die Anleger, dass Konzernchef Tidjane Thiam im laufenden Jahr die Wende gelingt.
Β«Wir sind gut aufgestellt, um unser Restrukturierungsprogramm in den Jahren 2017 und 2018 erfolgreich fortzufΓΌhrenΒ», erklΓ€rte der Ivorer. Nach dem Abbau von rund 7250 Stellen in 2016 will Credit Suisse im laufenden Jahr weitere gut 5500 Jobs streichen.

Vor allem der Vergleich im US-Hypothekenstreit drückte im vergangenen Jahr auf das Ergebnis. Immerhin fiel der Abschluss etwas besser aus als im Vorjahr. 2015 hatten Abschreibungen auf eine Übernahme in den USA für einen Verlust von 2,94 Milliarden Franken gesorgt. Für 2016 hatten Analysten durchschnittlich einen Fehlbetrag von 2,1 Milliarden Franken prognostiziert.

Fortschritte im TagesgeschΓ€ft

Im TagesgeschΓ€ft machte die Bank Fortschritte. Im KerngeschΓ€ft kletterte der Vorsteuergewinn auf 3,5 Milliarden Franken. Zwei Milliarden steuerte das Schweizer GeschΓ€ft bei, das in der zweiten HΓ€lfte 2017 separat an die BΓΆrse kommen soll. Im Wertpapier-GeschΓ€ft resultierte dagegen nur ein kleiner Gewinn. Das hat vor allem damit zu tun, dass Thiam den Anleihenhandel eindampfte. Denn einerseits kam der Ausstieg aus riskanten Positionen die Bank teuer zu stehen. Andererseits ging der Boom in dem AnleihengeschΓ€ft, der die Ergebnisse von US-Investmentbanken wie JP Morgan oder Goldman Sachs zuletzt befeuert hatte, an den Schweizern vorbei.

Thiam, der seit gut eineinhalb Jahren auf der BrΓΌcke steht, will das Traditionsinstitut mit einem Ausbau des stabilen VermΓΆgensverwaltungsgeschΓ€fts auf Kosten des riskanteren Investmentbankings in ruhigere GewΓ€sser steuern.

Bei der BilanzqualitΓ€t machte die Credit Suisse kaum Fortschritte. Die Kernkapitalquote, die die Widerstandskraft gegen FinanzmarktstΓΌrme widerspiegelt, notierte bei 11,6 (Vorjahr 11,4) Prozent. Damit gehΓΆren die ZΓΌrcher zu den Schlusslichtern unter Europas Grossbanken. Sogar die mit einer Dauerkrise kΓ€mpfende Deutsche Bank steht mit 11,9 Prozent mittlerweile besser da. Abhilfe schaffen soll hier der letzte grosse Sanierungsschritt Thiams. Mit dem Teil-BΓΆrsengang der Credit Suisse Schweiz will der Konzern zwei bis vier Milliarden Franken erlΓΆsen. Die Vorbereitungen fΓΌr die grΓΆsste Schweizer Aktienemission seit mindestens zehn Jahren seien auf Zielkurs, hiess es.



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(reuters/ccr)
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Sergio ErmottiCEO UBSVon der Grosskrise vieler europΓ€ischer BankhΓ€user blieb die UBS zwar verschont, doch aus Anlegersicht war der Jahrgang 2016 fΓΌr den Chef der grΓΆssten Schweizer Bank dennoch der schlechteste seiner fΓΌnfjΓ€hrigen Amtszeit: Der Aktienkurs brach zeitweise um mehr als 25 Prozent ein. Ermotti nutzte den selbst deklarierten Β«Beginn des RΓΌckspielsΒ» seiner Amtszeit fΓΌr den bisher grΓΆssten Umbau der Konzernleitung.
Patrik GiselCEO RaiffeisenSeit ΓΌber einem Jahr ist er nun CEO der Raiffeisen Gruppe. Und hat ΓΌberraschend deutlich eigene Zeichen gesetzt. Lange im Schatten von Pierin Vincenz, unter dem er bei Raiffeisen zwΓΆlf Jahre als Vize wirkte, hat Patrik Gisel gewichtige Weichenstellungen seines VorgΓ€ngers rΓΌckgΓ€ngig gemacht.
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Mario GrecoCEO Zurich Insurance Group Greco trat im MΓ€rz an und es gelang ihm erstaunlich schnell, den grΓΆssten Schweizer Versicherungskonzern von den Schrecken des Jahres 2015 zu befreien. Mit wenig Worten und viel Taten brachte er den gebeutelten Riesen wieder in die Spur. Als Endpunkt der Startphase schwor er sein Team auf die nΓ€chsten harten Jahre ein: Kostensenkungen von 1,5 Milliarden bis 2019, Entschlackung des Konzerns, niedrige AnlageertrΓ€ge.
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