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Pia Schmid: Die Anarchistin

In der Schweiz gilt sie längst als erfolgreichste Gastroarchitektin des Landes. Nun bringt Pia Schmid auch Ägypten zum Staunen – mit einer Yacht mit 60 De-Luxe-Kabinen. Porträt einer besessenen Kreativen.

Von Regina Decoppet
11.04.2006

Zu Füssen ein alter Terrazzo-Boden. Farbige, ausgetretene Mosaiksteine mit charmanter Patina. An Wänden und Decken üppige Stuckatur, originale Art-déco-Pracht, optisch aufgebrochen durch die bunten Polster der Stühle und metallisch kühl schimmernde Leuchten. Der Blick durch das Fenster gibt einen atemberaubenden Blick frei auf den Vierwaldstättersee. Von der Bar her verbreiten sich jazzige Töne eines Saxofons: Easy Living im Luzerner Art-déco-Hotel Montana. «Diese Stimmung, diese Ambiance!», entfährt es einem Gast aus Ägypten. «Eine perfekte Symbiose zwischen Alt und Neu.»

Hisham Tamman ist Geschäftsmann im Land der Pharaonen. Mit seiner Frau Nora Ali und dem Deutschen Rembert Euling ist er zu Gast im «Montana». Begeistert vom Interieur des Hotels sind sie alle, und als sie erfahren, dass eine gewisse Pia Schmid hier Hand angelegt hat, wird ihnen klar, dass sie diese Frau kennen lernen müssen. Ihr Traum: Sie wollen ein Schiff bauen für Touristen auf dem Nil, so schön, wie es die Welt noch nie gesehen hat, und dieses braucht eine künstlerische Handschrift.

Tage später klingelt bei Pia Maria Schmid das Telefon. Das Angebot klingt, als entspränge es direkt «Tausendundeiner Nacht»: «Würden Sie ein Schiff bauen, ein Schiff für den Nil?» Pia Schmid kann nicht widerstehen. Ein Designerboot soll es werden, eine schnittige Motoryacht mit 60 De-Luxe-Kabinen, ausgestattet mit Bädern, Panoramafenstern und allem, was dazugehört. Es soll dereinst seinem Namen alle Ehre machen: «Alyssa», nach einer phönizischen Gottheit.

Im November 2004 sind sich das Investorentrio und die Architektin handelseinig. Pia Schmid vertieft sich in die magische Welt des längsten Flusses der Welt – in Bilder wie aus Agatha Christies «Tod auf dem Nil», in die Berichte des schottischen Arztes und Missionars David Livingstone und ins Studium afrikanischer Ornamentik.

Ihr Domizil in einem Kölner Hotel mit Blick auf den Dom tauscht die Architektin gegen eine Bleibe in Kairo im noblen Meda House, gleich gegenüber den Pyramiden. Das Abenteuer am Nil kann beginnen.

Und sogleich bekommt es die Frau, die in der Schweiz neben dem «Montana» unter anderem das Zürcher Szenelokal Terrasse und das Hotel Waldhaus in Flims gestaltet hat, am Fluss im Wüstenstaat mit allerlei baulichen Untiefen der besonderen Art zu tun: Der Pool muss beim Bug platziert werden, andernfalls würde die Statik schlappmachen. Das Oberdeck muss umklappbar gebaut werden, andernfalls würde der schöne Kahn die Brücken und Schleusen auf dem Nil nicht passieren können. Auf der Werft herrschen Drittweltbedingungen. «Die Beamten der Suva wären tot umgekippt», sagt Dekorationsmaler Lukas Bonderer, neben Pia Schmid der einzige Schweizer vor Ort, «wenn sie gesehen hätten, wie hier gearbeitet wird.» Dazu Bauarbeiter und Handwerker, die keine Pläne lesen können und überdies nur arabisch sprechen. Nichts, was eine wie Pia Schmid erschüttern könnte.

So redet die Schweizerin eben mit Händen und Füssen, und wenn gar nichts mehr geht, zeichnet sie ihre Vorstellungen auf den Boden und hält ihre Arbeiter auf Trab: Sie lässt Fische und Krokodile in die Teppiche weben, Betten, Tische, Liegen aus Holz schreinern und sucht in Kairos Manufakturen nach passenden Leuchten und Textilien. Nur die grünen Krawatten fürs Personal lässt sie aus Zürich einfliegen – gewissermassen ein buntes Schlussbouquet, passend zu den Uniformen auf der «Alyssa». «Sie war», sagt Nora Ali, «ein Soldat auf einer Mission.»

14 Monate später in Luxor am Schiffssteg: die Jungfernfahrt. Anwesend ist eine zusammengewürfelte Gruppe von alten Freundinnen, neuen Bekannten, Auftraggebern und Geschäftspartnern. Keine handverlesene Gesellschaft, sondern eine spontan nach Lust und Laune eingeladene Schar. Auf dem Nil zählen nicht Rang und Namen und VIP-Attitüden – hier zählt die persönliche Verbundenheit mit der Schöpferin der «Alyssa».

Als dann doch noch ein roter Teppich ausgerollt wird, ist es Pia Schmid fast peinlich. Als Erste schreitet sie mit ihren schwarzen, fransig geschnittenen Haaren, den schrägen Katzenaugen und feuerrot geschminkten Lippen über den schmalen Steg zum Schiff und taucht ein in die Welt, die sie selber geschaffen hat. Szenen aus dem nubischen Alltag im Eingangsbereich, kreiert von Lukas Bonderer, eine italienische Kaffeebar mit bunten Stühlen, eine marokkanische Lounge mit orangen Sofas, und im Spa gibt es eine Sauna mit Panoramafenster auf den Nil. Und dann, kaum hat das Schiff abgelegt, beginnt ein exotisches Märchen. Der Mensch taucht ein ins Erlebnis Nil, entdeckt die Langsamkeit auf 210 Kilometern von Luxor nach Assuan.

Wenn Schmid von ihrem Kahn spricht, nun, da er auf dem Nil schwimmt, fällt der Tatendrang von ihr ab, mit dem sie ihn gebaut hat. Nichts ist mehr da von der Besessenheit in ihrem Streben nach Perfektion. Die Frau, die ihr Herz nicht immer auf der Zunge trägt, spricht von «Verlust der Bodenhaftung», von «Zeit, die sich auflöst». Sagt es und zupft verlegen Haarsträhnen ins Gesicht. Anderen, die mit ihr sind auf der «Alyssa», ergeht es ähnlich. Eingefleischte Individualreisende wie Peter Aronsky, der Intendant des St. Moritzer Snow and Symphony Event, der Direktor des Museums Jean Tinguely, Guido Magnaguagno, die Hotelbesitzer Nuot und Erika Saratz aus Pontresina, Fritz und Margrit Erni vom «Montana» in Luzern sowie Hans Leu und Farida Wolf Leu, die legendären Hoteliers aus dem Tessin, fühlen plötzlich kollektiv die Magie des Schiffs auf dem Fluss.

Und wo immer es Hände braucht, helfen 75 Angestellte, abgeworben von den besten Adressen der Hotellerie, so beim «Sheraton» oder bei Mövenpick. Das Werk der drei Investoren – und die wissen, was persönlicher Service bedeutet. Nora Ali ist seit drei Jahrzehnten im Reisebusiness tätig, ihr Mann Hisham Tamman war Konsul in Italien und der Türkei, der Deutsche Rembert Euling war lange Jahre Kadermann bei TUI Reisen. Ein Profi steht auch auf der Kommandobrücke: Gesteuert wird die Motoryacht vom Ersten Kapitän Abdul Ahman. Er sitzt im Schneidersitz in traditionellem nubischem Gewand in einer schattigen Luke am Bug des Schiffs. Nur mit den Augen findet er den Weg über das Wasser, die Lichtreflexionen signalisieren ihm, wo Sandbänke und Felsen lauern.

Die «Alyssa» ist das jüngste, vielleicht verrückteste Werk von Pia Schmid, aber beileibe nicht das einzige, das die Besucher in den Bann zieht. Die derzeit wohl erfolgreichste Schweizer Gastroarchitektin hat in vielen Hotels oder Restaurants ihre ganz eigene Handschrift hinterlassen. Die kreative Ader könnte von der Mutter geerbt sein, die für Gustav Zumsteg im Seidenhaus Abraham arbeitete. Bei Pia Schmid klingt indessen kaum etwas nach geplanter Karriere: Auf zwei Jahre Rudolf-Steiner-Schule folgen Gymnasium, eine Lehre als Hochbauzeichnerin, ein Studium an der Berliner Filmakademie und schliesslich einige Semester Architektur an der ETH in Zürich. Und als Nächstes baut Schmid das, was Architekten halt so bauen: Einfamilienhäuser zum Beispiel. Das aber ist kein abendfüllendes Programm für eine junge Frau mit Lebenshunger.

Es sind wilde Zeiten in den Siebzigern, und Pia Schmid bewegt sich weniger auf Baustellen als im Sattel ihrer Ducati 900. Verkehrt in Künstlerkreisen, liebt wie noch heute ausschweifende Essgelage, bekocht ihre WG-Mitbewohner, die sie nur «meine Zimmerherren» nennt, wie etwa den heutigen Scalo-Verleger Walter Keller einer war. Und einen Sommer lang führt sie sogar ein Gartenrestaurant und steht am liebsten hinter dem Grill.

Erst im Jahre 1990 tastet sich Schmid an ihre heutige Bestimmung heran. Als sie für den Umbau des Hotels Seegarten an der Zürcher Dufourstrasse als Architektin engagiert wird, übernimmt sie spontan auch die Innenarchitektur. «Ich habe mir einfach gedacht: Das kann ich doch auch», sagt sie heute. Bars und Restaurants folgen – für sie eine Offenbarung. «Eigentlich», meint sie, «bin ich nicht der Typ, der Einfamilienhäuser baut.» Öffentliche Bauten sagen ihr mehr zu, «da ist Leben, da sind Menschen». Und ganz wichtig: «Da gibt es gutes Essen.»

Als sie 1976 auf den heutigen Zürcher Trendgastronomen Fredy Müller trifft, ist dies eine berufliche Verbindung fürs Leben. Müller ist zu dieser Zeit Mitbesitzer der Kleiderboutique Casablanca beim Zürcher Bellevue und engagiert Pia Schmid für den Umbau einer Treppe. Diese Zusammenarbeit «wächst organisch weiter», wie er sagt: 1992 beim Zürcher Trendlokal Kaufleuten, später bei der Lounge Bar, schliesslich dem «Terrasse». «Pia baut für Menschen», sagt Fredy Müller, «sie hat ein tiefes Naturverständnis.» So etwas wie eine Seelenverwandtschaft sei die Liaison Schmid/Müller, eine freilich, die nie ins Symbiotische kippt. Dazu ist Schmid wohl zu sehr sie selbst. «Sie ist kein Befehlsempfänger», weiss Müller, «man muss mit ihr am selben Strick ziehen.»

Auch relativiert er den Erfolg des Einzelnen – inklusive des eigenen. Erfolg ist, wenn «Gleichgesinnte sich beflügeln».

Pia Schmid verleiht Flügel, wo immer sie Hand anlegt, und steckt damit immer neue Auftraggeber an. 1995 wird sie von Nuot Saratz für sein Hotel in Pontresina engagiert. Später holt sie Migros-Managerin Gisèle Girgis für die umfassende Neugestaltung der Räumlichkeiten auf dem Gurten. Das «Montana» in Luzern folgt, das Parkhotel Waldhaus in Flims. Für die Gestaltung des Hotels Mövenpick in Berlin wird sie 2005 zusammen mit dem Architekten Karsten Schmidt mit dem renommierten Berliner Immobilien-Award ausgezeichnet.

Inzwischen beschäftigt Pia Schmid sieben Angestellte und, je nach Projekt, einen ganzen Reigen von Freelancern. Sie verbaut pro Jahr gut 50 Millionen Franken. Und wer in sie investiert, so scheint es, hat auch den kommerziellen Erfolg gepachtet. «Kaufleuten» und «Terrasse» jedenfalls sind zu In-Places in der Limmatstadt avanciert, und in Luzern hat sich der Umsatz des «Montana» verdreifacht bei höchster Zimmerauslastung und entsprechenden Preisen. Pia Schmid hat ihren Anteil daran. Und lockt damit immer wieder neue Auftraggeber an. Den Aargauer Verleger Peter Wanner etwa, als er einen Architekten für sein Restaurant Einstein suchte –heute eine heisse Adresse. «Es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe», sagt ein zufriedener Wanner.

Was aber ist es, was Pia Schmids Architektur offenbar so unwiderstehlich macht? Eine Spurensuche. Claus Koch, Besitzer einer Branding-Agentur in Düsseldorf, kennt Pia durch die Zusammenarbeit an einem Projekt für die Credit Suisse und meint: «Ihr gelingt es, Begehrlichkeit zu wecken. Sie ist progressiv, will provozieren, inszeniert Brüche und wirft Konventionen über Bord.» Er nennt es auch ein «Bekenntnis zur Intensität». Nuot Saratz bezeichnet sie als «unglaublich mutig» und als einen «Menschen mit Geschmack». «Sie zelebriert nicht sich selbst, sondern das Objekt.» Für Gérard Jenni, Chef des Zürcher Hallenstadions, ist sie «Kreativität pur, Ideenvielfalt pur – eine Künstlerin». Als Projektmanager hat er mit ihr unter anderem im Seehotel Feldbach in Steckborn und im Parkhotel Waldhaus in Flims zusammengearbeitet. Auch Gisèle Girgis outet sich als «absoluter Fan» und bezeichnet Pia Schmid als «fantastische und einmalige Frau». Sie ist «extrem kreativ, hat eine besondere Sensualität und brillante Ideen».

Ihre Auftraggeber sprechen von einem nie beendeten Suchprozess, von einer Art Besessenheit, von Mut und Risikofreude –dies bedeutet freilich auch, dass sie zum Teil in letzter Minute alles Gewesene wieder über den Haufen wirft und neu kreiert. Für die Bauherrschaft nicht immer einfach, aber alle urteilen unisono: Eine wie Schmid lässt sich nicht in Schranken weisen, sie muss sich entfalten können. Dies führt zu einer unglaublichen Intensität in den entscheidenden Bauphasen, sagen diejenigen, die mit ihr zusammenarbeiten. Ein Einsatz ohne Limiten: In solchen Zeiten schläft Pia Schmid kaum fünf Stunden pro Nacht.

Sie selber sieht das ähnlich: «Ich habe eine sichere Hand für den öffentlichen Raum», meint Pia Schmid, «meine Sachen sind nie beliebig, und ich liebe Brüche und Irritationen.» Angst vor Kitsch kennt sie nicht, und Trends kümmern sie kaum. «Ich», sagt sie, «habe mich noch nie um Trends gekümmert.»

Die Kehrseite von Schmids unbändiger Kreativität ist wohl ihre bisweilen brutale Direktheit. «Da muss man als Bauherr schon ab und zu mal leer schlucken», urteilt Fritz Erni. «Als ich einmal einen von ihr skizzierten Tisch etwas flapsig als ‹Taburettli› betitelte, radierte sie wütend alles aus.» Danach, als die Wut verraucht war, meinte sie, er habe Recht gehabt, und begann neu zu zeichnen. «Der perfekte Tisch ist entstanden», so Erni.

Ähnliche Geschichten gibt es zuhauf. Und viele schätzen ihre Ehrlichkeit und ihre Konfliktfähigkeit. Lukas Bonderer, der seit zehn Jahren mit Schmid zusammenarbeitet, würde dies trotz zum Teil heftigen Zusammenstössen nie missen wollen. «Man bekommt dafür von ihr die Chance, wirklich interessante Projekte zu realisieren», meint er. Und er weiss, wovon er spricht, hat er doch schon auf diversen Baustellen gearbeitet. «Oft sprechen die Architekten gar nicht mit den Handwerkern.» Schmid hat aber die Fähigkeit, die Handwerker abzuholen, zu involvieren.

«Sie respektiert sie, wenn sie einen guten Job machen», erzählt Erni. Als im «Montana» die Badewannen mit Mosaiken verziert wurden, versuchte der italienische Plättlileger seine Ideen einzubringen. Pia Schmid liess ihm dann ziemlich viele Freiheiten. «Auf einmal war das ‹Montana› vom Gesang des Italieners erfüllt.» Auch Bonderer kann das bestätigen: «Sie hat für Handwerker, die einen guten Job machen, eine enorme Wertschätzung.» Es gebe aber auch solche, die bekämen Magenkrämpfe, nur schon bei der Vorstellung, wieder mit Schmid zusammenarbeiten zu müssen. Und wenn man sie übers Ohr hauen wolle, sei nichts mehr gut.

Pia Schmid sagt von sich, dass sie eklig oder zickig sein könne, betont aber fast entschuldigend, dass sie dafür immer Lösungen bringe.

Mehr noch: Ökonomische Prämissen akzeptiert sie, darin sind sich die Auftraggeber einig. Sie hat den Willen, für den Bauherrn das Maximum herauszuholen, und nimmt seine Interessen war. «Die Landung mit Schmid ist immer sicher», meint Gérard Jenni. «Sie ist eine Last Minute Woman», aber nie in Verzug, so Fritz Erni, und auch das Budget werde eingehalten, eher gebe sie auch mal weniger aus als vorgesehen. «Pia ist irrsinnig emotional, aber beim Arbeiten rational, konkret und präzis», erzählt Nuot Saratz. Und Gisèle Girgis ergänzt: «Ihre Schaffenskraft ist bemerkenswert.»

Vielleicht liegt das daran, dass «Pia ein bisschen Kind geblieben ist», versucht die langjährige Freundin und Schriftstellerin Mix Weiss eine Deutung. «Sie hat eine gewisse Bescheidenheit und war nie auf Erfolg getrimmt.» Wichtig sei ihr die Freude am Leben. «Sie war schon immer eine Wilde», erinnert sich Weiss, «und ein eigenwilliger Mensch.» Zum ersten Mal getroffen haben sich die beiden Frauen im Tessin in Tremona, da war Schmid gerade einmal 18 Jahre alt, und sie hat ausgesehen «wie eine Wüstenprinzessin».

Das Wilde und Unstete umgibt Pia Schmid noch heute. Sie lebt im Zürcher Seefeld, am Vierwaldstättersee, reist immer wieder in die Wüste und nach Marokko, denn sie braucht «räumliche Freiheit, aber auch Freiheit im Denken». Schmid weiss nicht nur von ihren gestalterischen Brüchen, sondern weiss auch, wer sie ist: «Der Anarchismus wurde mir in die Wiege gelegt.» Literatur begleitete sie auf Schritt und Tritt, ist ihr Inspiration und Unterhaltung zugleich. Das Spektrum reicht von Antoine de Saint-Exupéry über Paul Bowles bis zu Krimis aus dem hohen Norden. Beeinflusst haben sie die Architektur von Jean Nouvel und Louis I. Kahn, die Filme von Wim Wenders, die Fotografien von Robert Frank.

Vielleicht trägt es gerade zum Erfolg bei, dass ihr dieser nicht so wichtig ist. Dass sie Menschen, Tiere und Landschaften an erste Stelle stellt. Eine Erkenntnis, die sie begleitet, kommt aus Thomas Bernhards Buch «Alte Meister» und dreht sich darum, das Unvollkommene akzeptieren zu können. «Die ganze Kunst ist nichts», sagt sie. Sie ersetze keine Menschen, und ein kleines Lächeln sei immer der Perfektion vorzuziehen.

Und manchmal denkt Pia Schmid auch an das Danach. An das, was nach der Karriere kommt. Da sie viele interessante Menschen kennt, möchte sie diese für spannende Projekte vernetzen, «wie ein Koch, der seine Rezepte kennt». Wichtig ist ihr «gute und schöne Arbeit, das müssen nicht immer Grossprojekte sein». Und irgendwann will sie ihre Erfahrung und ihr Wissen der Dritten Welt zur Verfügung stellen.

Wenn es allerdings nach den befragten Bauherrschaften geht, kann dies noch lange dauern, bis es so weit ist. «Wir», sagt «Alyssa»-Investorin Nora Ali, «werden hier in Ägypten jedenfalls nichts mehr ohne Pia Schmid machen.»

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