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Online-Business: Von Prag nach Zug

Volle Konzentration auf die Schweiz: Internetinvestor Martin Saidler.

Internetpionier Martin Saidler hat seine Beteiligungen in Osteuropa abgestossen. Jetzt will er die Schweiz zur Online-Grossmacht formen.

Von Marc Kowalsky
26.07.2011

Er war der wohl umtriebigste Schweizer Internetinvestor in Osteuropa: Martin Saidler (43) hat sich in den letzten zwölf Jahren an rund 20 Online-Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern beteiligt (siehe BILANZ 7/2010). Jetzt hat er den Grossteil seiner Firmen verkauft: «Ich bin in den letzten neun Monaten fast überall ausgestiegen», sagt er. Nur die Online-Portale Autobazar in der Slowakei, der Preisvergleichsdienst Pricemania in Tschechien und das Kochportal Topre­zepty in verschiedenen Ländern bleiben ihm noch.

«Die Preise in Osteuropa sind derzeit sagenhaft hoch, für mich als Verkäufer ideal», begründet er seinen Ausstieg. Mit einer Viertelmilliarde Euro ­bezifferte er letztes Jahr den Wert seiner Investments, heute sagt er zum Verkaufserlös: «Wir haben grösstenteils die Bewertungen erzielt, die wir erwartet haben.» Käufer seiner Assets sind zwei internationale Finanzinvestoren.

Mit seiner in Zug domizilierten Centralway Holding verfolgt er nun eine neue Strategie: volle Konzentration auf die Schweiz. «Wir wollen hierzulande der grösste Internet-Inkubator werden mit 100 bis 120 Mitarbeitern», sagt Saidler. Deshalb hat er eine grosse Beteiligung an der Online-Agentur Netvision erworben. In einem ersten Schritt will er die Mitarbeiterzahl von 25 auf 50 verdoppeln und dazu auch Talente aus der internationalen Start-up-Szene in die Schweiz locken. Wenn das Modell funktioniert, will er wieder internationalisieren: «Ich versuche, aus der Schweiz heraus eine paneuropäische Internetgruppe aufzubauen.»

Die ersten Schritte dazu hat Saidler gemacht: mit Jobzippers.ch beispielsweise, einem Stellenportal für Uniabsolventen, das aus Lausanne heraus operiert und an dem er beteiligt ist. Oder mit der Neugründung Merge.rs, die Dienstleistungen im Bereich Mergers & Acquisitions liefern soll, speziell bei Tradesales – einem gängigen Exitverfahren von Internet-Start-ups.

Noch unterhalb der Meldepflicht liegt seine Beteiligung an der Next Generation Finance Invest, die an der Berner Börse kotiert ist – CEO Marc Bernegger ist in der Schweizer Internetszene ein alter ­Bekannter. Mit ihm sowie mit Philipp Steinberger, Sohn von Komikerlegende Emil Steinberger, ist Saidler beteiligt an der Zürcher Firma C-Crowd, die sich für die Kapitalbeschaffung von Jungunternehmen einsetzt. Ebenfalls aufgestockt hat Saidler seine Beteiligung am Schweizer Online-Netzwerk Sandbox. «Das wächst gewaltig», so Saidler. Weitere Ventures sollen folgen.

In der Schweiz reizen ihn die vergleichsweise günstigen Bewertungen, die stark gestiegene Qualität der Internetfirmen und das vorhandene Finanz-Know-how. Seine langfristige Vision könnte ehrgeiziger nicht sein: «Vielleicht assoziiert man in 20 oder 25 Jahren das Internet im gleichen Ausmass mit der Schweiz, wie man das heute mit Uhren oder Schokolade tut», so Saidler.

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