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In seinem neuen Buch beschwört Erwin W. Heri, Finanzmarktprofessor in Basel und ehemaliger «Winterthur»-Investment-Chef, die ehernen Grundsätze der Geldanlage.
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Moden und Mythen an der Anlagemärkten» heisst das neue Werk von Erwin W. Heri. Es ist ein Plädoyer für Besonnenheit an den Finanzmärkten. Es ist leicht lesbar und auch für Nichtspezialisten einfach zugänglich. Ausgehend von einem historischen Ansatz, zeigt Heri, dass die Grundsätze der Geldanlage auch nach den schlechten Börsenjahren noch gelten. Solche Grundsätze sind etwa ein langer Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren sowie eine Strategie des Kaufens und Haltens (Buy and Hold), die kurzfristigem Aktivismus vorzuziehen ist. Eindringlich warnt er davor, alle Eier in einen einzigen Korb zu legen: «Die drei wichtigsten Prinzipien der Geldanlage lauten: Diversifikation, Diversifikation, Diversifikation.» Diese sei etwa mit Indexprodukten zu erreichen.
Viele dieser Einschätzungen konnte man schon in seinem 1999 veröffentlichten Buch «Acht Gebote der Geldanlage» lesen. So gesehen vermag «Moden und Mythen» denn auch wenig grundsätzlich Neues zu vermitteln.
Die stärksten Teile des Buches sind die beiden letzten Kapitel, in denen Heri zu einem Exkurs über Hedge-Funds und über die Gebührenstruktur im Wertpapierhandel ausholt. Den Hedge-Funds mit ihren vielen «Marketingtalenten» traut er nicht ganz über den Weg: «Die gesamte Branche ist noch viel zu inhomogen und intransparent, um eine eigenständige Anlageklasse zu etablieren.» In «Was kostet der Spass?» zeigt Heri auf, dass die Gebühren angesichts der heute deutlich tieferen Renditen viel zu hoch sind. Hier leistet er einen wichtigen Beitrag zu einer Diskussion, die erst noch richtig beginnen dürfte.
Auffallend sind die vielen Seitenhiebe auf Finanzanalysten, Bankberater und Journalisten. Ärgerlich sind sie deswegen, weil Heri die strengen Massstäbe an sich selber nicht anlegt.
Heri war bis 2002 Chief Investment Officer der Credit Suisse Financial Services und der «Winterthur» und damit zu einer Zeit oberster Investment-Verantwortlicher, als die Versicherung auf ihrem Aktienportfolio riesige Anlageverluste produzierte. Heri weist darauf hin, dass dieses Phänomen damals ein Branchentrend war, und macht dafür allerlei äussere Umstände verantwortlich.
Das mutet teilweise wie eine nachträgliche Selbstentschuldigung an. Er kommt zum Schluss, die Probleme hätten «nichts mit Kompetenz oder Inkompetenz der involvierten Abteilungen zu tun, sondern mit einem inadäquaten Rechnungslegungsstandard». Diese Passagen wirken eher peinlich und werten das insgesamt gut komponierte Buch unnötig ab. EN
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