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Neue Konkurrenz, sinkende Einnahmen: Wie Nathalie Wappler das Schweizer Fernsehen retten will

Sparen, bilden, informieren: Die neue SRF-Chefin hat viele Vorgaben und wenig Spielraum. Wie Nathalie Wappler ihren Weg geht.

Florence Vuichard

NATHALIE WAPPLER
Zwischen Sparprogrammen, digitaler Transformation und politischen Vorgaben: Seit rund einem Jahr lenkt Nathalie Wappler die Geschicke des Schweizer Radios und Fernsehens. Raphael HΓΌnerfauth fΓΌr BILANZ
PlΓΆtzlich weiss auch Nathalie Wappler nicht mehr weiter, verliert selbst sie kurz die Übersicht im Gang-Labyrinth von Leutschenbach, wo alles neu gruppiert wird – respektive nΓ€her zusammenrΓΌckt. Doch dann findet die SRF-Chefin die gesuchte TΓΌre zum mehrstΓΆckigen Newsroom fΓΌr TV und Online, dem HerzstΓΌck des Medienhauses, wo auch die neuen Fernsehstudios untergebracht sind, aus denen kΓΌnftig die Β«TagesschauΒ», Β«10vor10Β» und weitere Informationssendungen ausgestrahlt werden sollen. Gleich nebenan entsteht die neue Radiohall, wo die Crew des Radiostudios ZΓΌrich 2021 hinzΓΌgeln muss.

Beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) bleibt kein Stein auf dem anderen. Gezwungenermassen. Der Bundesrat hat die GebΓΌhrengelder fΓΌr die SRG nach dem Β«No BillagΒ»-Abstimmungskampf auf jΓ€hrlich 1,2 Milliarden Franken gedeckelt, die Werbeeinnahmen schmelzen stΓ€rker als prognostiziert. Und so jagt ein Sparprogramm das nΓ€chste: Das erste Massnahmenpaket mit einem angepeilten Sparvolumen von 100 Millionen Franken ist noch nicht ganz abgeschlossen, schon liegt das nΓ€chste vor, diesmal mit einem Sparauftrag von 50 Millionen Franken. Und trotzdem: Die SRG wird das abgelaufene GeschΓ€ftsjahr mit einem Defizit von schΓ€tzungsweise 20 Millionen Franken abschliessen.

Als grΓΆsstes SRG-Kind muss SRF jeweils den grΓΆssten Sparbeitrag der sprachregionalen Unternehmenseinheiten leisten: Beim ersten Sparpaket waren es 20 Millionen, beim zweiten sind es nun 16 Millionen Franken. Kaum im Amt, hat Nathalie Wappler Sendungen gestrichen und den Personalbestand weiter reduziert. Doch den Sollwert hat sie damit noch nicht erreicht, der Abbau geht weiter. Und sie schliesst auch Entlassungen nicht aus.



Von Halle an der Saale nach ZΓΌrich

Wappler spricht langsam, bedacht, unsentimental. Und sehr leise. So leise, dass Techniker die Mikrofone jeweils nachjustieren mΓΌssen, wenn sie vor grossem Publikum etwas sagen will. Ins BΓΌro kommt sie mit dem Tram oder Velo – vom ZΓΌrichberg, wohin sie vor knapp einem Jahr aus Halle an der Saale gezogen ist, einer Grossstadt in Ostdeutschland, die hierzulande hΓΆchstens mit rechten AufmΓ€rschen fΓΌr Schlagzeilen sorgt, aber auch Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) ist, wo Wappler von 2016 bis Ende 2018 Programmdirektorin war. Doch der bescheidene, fast sanfte Auftritt sollte nicht darΓΌber hinwegtΓ€uschen, dass die 52-jΓ€hrige Historikerin und Germanistin durchaus harte Entscheide zu fΓ€llen bereit ist.

So hat sie kurz nach ihrem Amtsantritt die sogenannte Β«Matrix-OrganisationΒ» abgeschafft, mit der die Verantwortlichkeiten bei SRF auf eine vertikal-hierarchische und eine horizontal-fachorientierte FΓΌhrungsriege verteilt wurden. Und bei der man den Verdacht nie richtig loswurde, dass ihre EinfΓΌhrung bei der ZusammenfΓΌhrung von Radio und Fernsehen vor allem dazu diente, allen Chefs ein PΓΆstchen zu sichern. Β«In den ersten drei Monaten habe ich vor allem zugehΓΆrtΒ», sagt Wappler, Β«dabei habe ich am hΓ€ufigsten gehΓΆrt, dass es an der Schnittstelle immer geklemmt habeΒ».

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