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Nestlé: Auf dass sich Hund an Herrchen erinnert

Nestlé hat ein Mittel gegen Alzheimer bei Hunden entwickelt. Dieses könnte künftig auch für Menschen Anwendung finden.

Von red
20.06.2006

Mitte Juni war es wieder einmal so weit. Peter Brabeck, CEO von Nestlé, lud zum traditionellen Investor Seminar in Vevey. Sein ungewöhnlich kurzer Vortrag hatte diesmal Sprengkraft. So verkündete Brabeck, dass es Nestlé gelungen sei, einen Nahrungsmittelbestandteil zu identifizieren, der die Alzheimer-Krankheit bei Hunden zu verhindern beziehungsweise zu lindern vermöge. «Bei Menschen wie Hunden gibt es Alterserscheinungen, die mit gewissen Lebensmitteln verzögert werden können», referierte Brabeck. «Und wer einmal Hundebesitzer war, der weiss, dass man viel Geld zahlen würde, damit sich der Hund wieder an den Namen, der ihm Herrchen gab, erinnert.»

Nicht nur Hunden soll dieses neue Wundermittel zugute kommen. Gemäss Nestlé-Sprecher François-Xavier Perroud soll das Produkt künftig auch gegen Alzheimer-Erkrankungen bei Menschen eingesetzt werden können. «Die Forschung für den Einsatz am Menschen ist zwar in einem frühen Stadium, doch könnte mit dieser Entwicklung möglicherweise ein ganz gewichtiger wissenschaftlicher Durchbruch erzielt werden.» Wiederholt hat Peter Brabeck darauf hingewiesen, dass Nestlé gezielt versucht, Lebensmittel(zusätze) zu erforschen, die gegen Diabetes, Depression oder Alzheimer eingesetzt werden können. Mit dem Alzheimer-Mittel kann Nestlé nun erste Resultate liefern. Wenn auch vorerst nur für des Menschen liebsten Freund.

Die versammelte Analystenschaft am Investor Seminar jedoch gab sich nur zurückhaltend optimistisch. In ihre Berechnungen findet das neue Produkt noch keinen Eingang. «Es dauert einige Jahre, bis ein Lebensmittel erforscht und getestet ist und die Zulassung von staatlichen Aufsichtsbehörden erhält», so Warren Ackerman, Analyst der Citigroup. «Erst wenn Nestlé alle Stufen einer Zulassungsprozedur wie jener der amerikanischen FDA übersteht, werden wir Hochrechnungen über künftige Umsätze mit diesem Produkt machen.»

Dass es Brabeck ernst meint, seinen Lebensmittelkonzern zum hippen Wellness- und Health-Unternehmen zu trimmen, zeigt das massive Aufstocken der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. So hat Nestlé die Aufwendungen für die Zusammenarbeit mit Universitäten in den letzten Jahren verdreifacht. 3700 Leute stehen mittlerweile auf der Salärliste der Abteilung Forschung. Die Ausgaben in diesem Bereich haben sich innert der letzten sieben Jahre auf 1,2 Milliarden Dollar verdoppelt. Im Vergleich dazu: Der Pharmakonzern Novartis gab im vergangenen Jahr 4,8 Milliarden Dollar für Forschung aus.

Nestlé, der Lebensmittelmulti, also künftig als Konkurrent von etablierten Forschungskonzernen wie Roche und Novartis? «Nestlé wird bestimmt kein Pharmaunternehmen, doch mit gewissen Produkten treten wir sicher in Konkurrenz zu diesen», meint Perroud. Nicht verwunderlich, sucht sich Peter Brabeck diese Nische aus, sind doch mit Life-Science-Produkten wesentlich höhere Margen zu erzielen als mit Schokoriegeln oder Instant-Suppen. Zudem ist die Forschungszeit im Lebensmittelsektor mit vier bis sechs Jahren pro Produkt wesentlich kürzer als in der Pharmaindustrie, wo mit zehn Jahren gerechnet wird. Ob sich Brabecks Vorstösse in die Pharmapfründen längerfristig jedoch mit seinem Verwaltungsratssitz beim «Konkurrenten» Roche verbinden lassen, ist offen. CG

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