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Nach Zinsentscheid: Bernanke stellt sich erstmals den Medien

Wann erhöht er den Leitzins? Ben Bernanke auf der ersten Fed-Pressekonferenz. (Bild: Keystone)

Die Fed bleibt bei ihrer lockeren Geldpolitik: Sie hat den Leitzins nicht verändert. Chef Ben Bernanke senkte die Wachstumsprognose für 2011 - auf der ersten Pressekonferenz nach einem Zinsentscheid in der Geschichte der Notenbank.

Veröffentlicht 28.04.2011

Der Zielsatz für Tagesgeld liegt in den USA weiterhin zwischen 0 und 0,25 Prozent, wie die US-Notenbank Fed in Washington mitteilte.

Die Fed korrigierte ihre Wirtschaftswachstum-Prognose für das laufende Jahr nach unten. Wie Notenbankchef Ben Bernanke mitteilte, geht die Fed nunmehr für 2011 von einem Zuwachs zwischen 3,1 und 3,3 Prozent aus. Im Januar war ein Wachstum von 3,4 bis 3,9 Prozent vorausgesagt worden.

Bernanke sagte, er erwarte auch für das erste Quartal dieses Jahres ein schwächeres Wachstum als zuvor erwartet - etwas weniger als 2 Prozent, sagte er. Die Quartalszahl wird an diesem Donnerstag veröffentlicht. Es war die erste Pressekonferenz in der 97-jährigen Geschichte der Fed unmittelbar nach einer Zinsentscheidung.

Auf der positiven Seite sieht der Fed-Chef eine bessere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als noch im Januar geschätzt. Demnach rechnet die Notenbank jetzt damit, dass die Arbeitslosenrate 2011 zwischen 8,4 und 8,7 Prozent liegen wird. 2013 könnte sie erstmals unter die 7-Prozent-Marke sinken. Zuvor war für dieses Jahr von einer Spanne zwischen 8,8 bis 9,0 Prozent ausgegangen worden. Die Quote liegt derzeit bei 8,8 Prozent.

600-Milliarden-Programm soll im Juni enden

Ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar will die Fed wie geplant im Juni beenden. Zur Begründung erklärte die Notenbank zum Ende eines zweitägigen Treffens, die wirtschaftliche Erholung setze sich zwar in moderatem Tempo fort. Dennoch sei die Arbeitslosenquote immer noch hoch.

Zugleich unterstrichen die Notenbanker, die Inflation habe wegen der höheren Energie- und Rohstoffpreise angezogen, wenn auch dieser Effekt vorübergehend und die Kerninflation weiter niedrig sei. Dies ermögliche "wahrscheinlich aussergewöhnlich niedrige Zinssätze für eine ausgedehnte Zeitperiode", hiess es weiter. Man werde aber die Inflation "genau beobachten".

Der im vergangenen November verkündete Ankauf von Staatsanleihen diente der Konjunkturankurbelung. Damit sollten die Zinsen auf Hypotheken und andere Schulden weiter gedrückt und Konsumanreize geschaffen werden, was wiederum zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen sollte. Kritiker hatten dagegen auf Inflationsgefahren verwiesen.

Wamm kommt die Zinswende?

Ökonomen vermuteten, dass die US-Notenbank die Zinsen noch in diesem oder Anfang kommenden Jahres anheben wird. Sie hatten einhellig damit gerechnet, dass der Leitzins vorerst unverändert bleibt.

Die Fed hatte den Schlüsselsatz wegen der Finanzkrise von 5,25 Prozent im Sommer 2007 bis Dezember 2008 auf gegen null gestutzt.

Kritiker werfen der Fed vor, mit ihrem grosszügigen Geldsegen und den niedrigen Zinsen die Preise für Rohstoffe weltweit in die Höhe zu treiben. Zudem bestehe die Gefahr, dass Vermögenspreisblasen entstünden.

(tno/sda/awp)

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