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Manuel Ebner: «Von meinem Onkel kann ich viel lernen»

Manuel Ebner, Neffe von Martin Ebner und seit März CEO der BZ Bank, über seine Pläne, seine Erfahrungen und seinen Führungsstil.

Von Silvia Pfenniger
14.03.2006

BILANZ: Sie sind stets Ihren eigenen Weg gegangen. Nun treten Sie als CEO in die BZ Bank Ihres Onkels ein. Wird Martin Ebner nicht das Zepter führen?

Manuel Ebner: Mein Onkel ist Hauptaktionär der BZ Bank und wird immer noch grosses Interesse daran haben, dass es der Bank gut geht. Ich kann viel von ihm lernen. Er ist aber nicht Mitglied des Verwaltungsrats. Wir halten uns an die Regeln der guten Corporate Governance. Unser Verwaltungsrat ist unabhängig. Präsidentin ist Eveline Saupper. Sie ist Juristin, Politikerin und Richterin. Weitere Mitglieder sind Heinz Haeberli, ehemaliger CEO der SIS Swiss Financial Services Group, und Kurt Schiltknecht.

Warum erfolgt der Stabswechsel?

Mein Onkel hat die Bank vor zwanzig Jahren gegründet und suchte jetzt eine geregelte Nachfolge.

Wie gross ist Martin Ebners Aktienanteil, wie gross ist der Ihre?

Mein Onkel besitzt heute 60 Prozent der Bank. Ich werde mich einkaufen. Mein Anteil wird Ende Jahr publiziert.

Wie sehen Sie die Zukunft der Bank? Soll sie wieder so gross werden wie einst?

Wir sind im Jahr 2005 stark gewachsen, auf 3,5 Milliarden Franken Kundengelder. Ich kann mir vorstellen, dass wir dies in den nächsten Jahren verdoppeln. Wir werden auch unseren Mitarbeiterstab von 20 Personen um ein paar Spezialisten vergrössern.

Wo sehen Sie die Stärken der BZ Bank?

Die Chancen als spezialisierte Boutique-Bank sind intakt. Wir können gegenüber den Grossen einen Mehrwert bieten. Indem wir schneller, unkomplizierter und schlagfertiger sind und dabei höchste Qualität bieten. Wir müssen fortwährend besser sein, aber auch Nein sagen können.

Wo zum Beispiel?

Wir sind auf Aktienanlagen spezialisiert. Bei Kreditgeschäften oder im festverzinslichen Bereich werden wir Sachen ablehnen. Zudem spezialisieren wir uns auf Aktien aus der Schweiz und Europa.

Sie haben in den USA studiert. Reizt Sie dieser Markt nicht?

Nein, das überlassen wir US-Finanzinstituten und Grossbanken, die dort entsprechend stark vertreten sind.

Könnte sich die BZ Bank zur Volksbank entwickeln?

Nein, wir haben keine Distributionskanäle.

Wie schätzen Sie den Markt ein? Ist die Euphorie berechtigt?

Im Aktienbereich ist immer mit Rückschlägen zu rechnen. Das wurde in der Vergangenheit unterschätzt. Nun gilt es, daraus eine Lehre zu ziehen und vorsichtiger zu sein. Vor allem bei Modeströmungen – da gibt es die extremsten Ausschläge. Vor zwei Jahren setzten alle auf Hedge Funds.

Inzwischen gab es eine Ernüchterung. Man merkte, dass auch dort mit Wasser gekocht wird. Über Ihre Vergangenheit ist wenig bekannt.

Ich bin in Peru geboren. Als ich vier Jahre alt war, zogen wir in die USA, wo mein Vater im Getreidehandel für Cargill tätig war. Ein Jahr lebten wir in Minneapolis, ein Jahr in New Orleans und dann in Mexico City, wo ich zwölf Jahre lang die Schweizer Schule besuchte.

Welches ist Ihre Muttersprache?

Mit meiner Mutter spreche ich deutsch, mit meinem Vater spanisch und über Business und Golf am liebsten englisch.

Sie haben an der Stanford-Universität Ingenieurwissenschaften und Volkswirtschaft studiert und später noch einen MBA erworben. Hat Martin Ebner deshalb von seinen vier Neffen gerade Sie zum Chef der BZ Bank ernannt?

Wohl eher wegen meiner beruflichen Erfahrung. Ich habe bei Boston Consulting und McKinsey verschiedene Finanzinstitute beraten und war CEO von einer kleinen und einer mittelgrossen Firma mit 300 Mitarbeitenden.

Wie unterscheidet sich Ihr Anlagestil von dem Ihres Onkels?

Wir glauben beide an den Value-Ansatz und an die fundierte Analyse von Firmen. Ob es Unterschiede gibt, werden wir in den nächsten Monaten und Jahren sehen.

Wie unterscheiden Sie sich im Führungsstil?

Ich denke, ein erfolgreicher CEO muss Vorbild sein und Leute zu Höchstleistungen motivieren können. Zwischen meinem Onkel und mir gibt es vielleicht Unterschiede in der Art, wie wir das machen.

Haben Sie Vorbilder?

Im Finanzbereich ist es mein Onkel, der in vielem ein Pionier war. Ich bin Jurymitglied des Unternehmerpreises Espace Mittelland und habe etliche Unternehmer als Vorbilder schätzen gelernt. Vorbilder, die man in der Region oder der Branche kennt, richtige Schaffer.

Wie steht es mit Christoph Blocher, der ein Weggefährte Ihres Onkels war?

Bundesrat Blocher ist als Unternehmer ein Vorbild. Ich habe aber keine grossen nationalpolitischen Ambitionen. Ich habe zu lange im Ausland gelebt.

Manuel Ebner (43), neuer CEO der BZ Bank, ist Schweizer und US-Bürger. Er war unter anderem Partner von Boston Consulting Group und von McKinsey. An der Stanford-Universität in Kalifornien studierte er Ingenieurwissenschaften und Volkswirtschaft. Er hat drei Töchter.

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