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Mann des Monats: Henri B. Meier

Henri B. Meier

Bekannt wurde Henri B. Meier als Kassenwart von Hoffmann-La Roche. Kaum bekannt ist: Das Verständnis der Finanzmärkte holte er sich einst als Buchhalter in Venezuela und bei seiner Tätigkeit als «Entwicklungshelfer» im Solde der Weltbank.

Von Jörg Becher
19.04.2005

Eigentlich sei es noch ein bis zwei Jahre zu früh, um Rückschau zu halten, sagt Henri B. Meier, pensionierter Kassenwart von Hoffmann-La Roche. Dem 68-jährigen Kapitalmarktexperten eilt der Ruf voraus, die Klaviatur der Märkte wie kein Zweiter zu beherrschen. Manche halten Meier, der dem Basler Pharmakonzern in seiner Amtszeit nicht-operative Finanzgewinne von geschätzten 25 Milliarden Franken bescherte, schlicht für genial. Mit Sicherheit aber war dieser von den Medien zur Ikone emporstilisierte Mann, der im Mai des kommenden Jahres seinen siebzigsten Geburtstag feiern wird, schweizweit der Finanzchef mit der höchsten Reputation.

In die Karten blicken liess sich HBM, wie Meiers Trademark lautet, im Verlauf seiner beeindruckenden Karriere von niemandem. Nicht einmal seine engsten Ressortmitarbeiter, geschweige denn Meiers Kollegen in der Konzernleitung waren jederzeit über seine Grosstransaktionen und deren ordnungsgemässe Verbuchung im Bild. Offenbar mit gutem Grund:

«Ich habe im Verlauf meiner Karriere Dutzende, wenn nicht sogar über hundert Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnet», gibt der Dealmaker der Nation mit generösem Lächeln zu verstehen. Bis Mitte der neunziger Jahre sass der Roche-Finanzchef bei so manch diffizilem Geschäft mit am Spieltisch und wurde so zu einem Geheimnisträger par excellence.

Längst widmet sich die alte Garde von Roche dem Sammeln von Kunst oder vergnügt sich mit ihresgleichen auf dem Golfplatz. Nur einer konnte bisher nicht loslassen. Wie vor ihm Roche-Präsident Fritz Gerber zieht sich nun allerdings auch dessen brillanter Counterpart schrittweise von der grossen Bühne zurück. Bis im Juli 2005 will sich HBM seiner externen Verwaltungsrats-Pflichten bei Givaudan, «Victoria-Jungfrau», Eufra Holding und Züblin Immobilien entledigt haben. Mit Ausnahme von ein paar exklusiven Beratungsmandaten beabsichtigt der Ex-CFO, wie er versichert, sich in Zukunft ausschliesslich um seine diversen Eigeninvestments und Risikokapitalgesellschaften, vor allem natürlich um das Beteiligungsvehikel HBM BioVentures, zu kümmern.

Wer Henri B. Meier aufs Bild eines Anlageprofis reduziert, der sich bei seiner Tätigkeit allein um eine möglichst hohe Rendite schert, tut ihm unrecht. Auch wenn Meier von der Öffentlichkeit vorab als kühles Zahlengenie wahrgenommen wurde, interessierte sich HBM neben dem Pegelstand in seinem Geldspeicher auch immer für die realen Wertschöpfungsprozesse, die der Vermehrung des Kapitals zu Grunde liegen. Sprich: für Unternehmen, die in einer Turnaround-Situation stecken und deshalb unterbewertet sind, oder für schlummernde Firmenperlen, die sich mit Geduld und einigem Geschick zur Marktführerschaft entwickeln lassen.

Eine solche Substanzperle, deren sich Henri B. Meier mit Geschick und beachtlichem Weitblick annahm, ist der Genfer Riechstoff- und Aromenkonzern Givaudan. Von Roche zu einer Zeit akquiriert, als die Valium-Gewinne noch üppig sprudelten, wurde die Firma nie richtig integriert, sondern als Subholding während Jahrzehnten links liegen gelassen. Erst in den neunziger Jahren kümmerte man sich wieder um die vernachlässigte Riechstofftochter und rückte sie mit einer Reihe von Akquisitionen – etwa der 1997 erfolgten Übernahme der amerikanischen Konkurrentin Tastemaker – in eine neue, strategisch aussichtsreiche Dimension.

Als Givaudan Mitte 2000 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, sorgte Meier persönlich dafür, dass die Gesellschaft kapitalmässig nicht zu kurz kam. Alles andere hätte seinen eigenen Zielen widersprochen, war zu jenem Zeitpunkt doch bereits absehbar, dass er nach seinem Rücktritt als Finanzchef das Präsidium des Duftstoffherstellers übernehmen würde. Proportional zur Muttergesellschaft erhielt Givaudan damals Eigenmittel und Liquiditätsreserven aus den Beständen der Roche zugeteilt; selbst der Mix zwischen festverzinslichen Anlagen und Aktien entsprach exakt demjenigen im Stammhaus. Im Moment des Spin-off war das Kapitalkleid der Riechstofftochter also ein genaues Spiegelbild der Roche-Bilanz.

Wenn Meier heute mit Stolz erklärt, aus Givaudan die weltweite Nummer eins im Riechstoffbereich geformt zu haben, so ist seine Leistung vor diesem Hintergrund zu sehen. Übersehen lässt sich allerdings nicht, dass das Unternehmen mit Hauptsitz in Vernier bei Genf seit dem Spin-off die beste Performance sämtlicher im Swiss Market Index (SMI) enthaltenen Titel gezeigt hat. Während der SMI zwischen Juni 2000 und Dezember 2004 um 22 Prozent zurückkrebste, legten die Givaudan-Aktien um stolze 54 Prozent zu. Zum Erfolg an der Börse beigetragen haben nicht zuletzt diverse von HBM initiierte Aktienrückkaufsprogramme, mit denen sich die komfortable Eigenmittelausstattung der früheren Roche-Tochter schon einmal um einen zweistelligen Prozentsatz reduzieren liess.

Nicht die umfangreichen Aktienrückkaufsprogramme, sondern das Erlangen der Marktführerschaft durch die Übernahme der Nestlé-Tochter Food Ingredients Specialities (FIS) vor drei Jahren sei für den Durchbruch von Givaudan entscheidend gewesen, hält HBM dagegen. Es sei doch heute so, dass bei den grossen, wirklich interessanten Deals nur die führenden drei bis fünf Anbieter überhaupt zur Offertstellung eingeladen würden. «Nur wer bei diesen Deals dabei ist, erreicht die Spitzenprofitablilität», weiss der Industrieveteran, dessen Erfahrungen ein halbes Jahrhundert zurückreichen.

Vor allem zu Beginn seiner Laufbahn scheint HBM weniger von den Finanzen als von den realen, dahinter liegenden Produktionsbedingungen fasziniert gewesen zu sein. Sein Engagement bei der Weltbank, für die er von 1965 bis 1973 tätig war, hat ihn in dieser Beziehung nachhaltig geprägt. «Das war eine hochinteressante und nützliche Erfahrung», so der weltläufige Ökonom im Rückblick: «Wenn ich in irgendeinem Land aus dem Flugzeug steige, kann ich noch heute relativ schnell beurteilen, wie es um die Wirtschaftsstruktur und die Leistungsfähigkeit des betreffenden Ortes steht.»

Henri B. Meier war 13 Jahre alt, als er zusammen mit seinen Eltern und fünf Geschwistern von Beckenried NW nach Venezuela auswanderte. Die Ölraffinerien dort sollten modernisiert werden, und der Vater, ein gelernter Elektroingenieur, hatte einen interessanten Job in Aussicht. Weil die Schulen vor Ort jedoch wenig taugten, schickten ihn seine Eltern nach ein paar Monaten wieder in die Schweiz zurück. Nach Erlangen der Matura begab sich HBM erneut in das tropische Land, um dort mit Blick auf ein Ökonomiestudium an der HSG in St. Gallen ein Praktikum zu absolvieren. Rasch fand er auch eine passende Stelle, und zwar als Buchhalter in der Niederlassung des amerikanischen Pipelinekonzerns Williams Brothers in Caracas. Das war 1956.

Der Erdölboom hatte gerade eingesetzt, und Spezialisten jeglicher Fachrichtung waren in Venezuela Mangelware. «Als Einäugiger unter Blinden hatte ich dort einen Vorteil», witzelt der Rechnungslegungsexperte, der sich die Geheimnisse der doppelten Buchhaltung damals «on the job» aneignen musste. Seinem Arbeitgeber war dies egal, solange der Nachwuchsbuchhalter nur bei der Stange blieb. Nach Ablauf der Praktikumszeit bekniete man Henri B. Meier, doch nochmals sechs Monate anzuhängen. Als er sich nach Ablauf eines Jahres verabschieden wollte, verdoppelte Williams Brothers sein Salär – ein Vorgang, der sich fortan alle paar Monate wiederholen sollte. «Erst nach dreieinhalb Jahren, als alle bereits sagten, der geht nie mehr in die Schulbank zurück, habe ich mich losgerissen», erinnert er sich.

Da es in Venezuela niemanden gab, der etwas von Buchhaltung verstand, habe er mit gerade einmal 23 Jahren seinerzeit «wie ein Generaldirektor in der Schweiz verdient», sagt HBM, also «unvergleichlich gut». Dass er die lukrative Anstellung gleichwohl quittiert habe, zeige, «dass es nicht das Geld war, das mich getrieben hat in meinem Leben». Zurück in der Schweiz, nahm Meier an der Hochschule in St. Gallen das Ökonomiestudium auf und begab sich nach Abschluss zwecks Promotion erneut nach Südamerika. In seiner Doktorarbeit, einem 250-seitigen Wälzer mit dem Titel «Der Kapitalmarkt in der Wirtschaftsentwicklung Venezuelas», geht HBM der Frage nach, wie sich volkswirtschaftliche Ersparnisse in produktive Investitionen verwandeln lassen: «In Venezuela war die Problematik offensichtlich», rekapituliert er seine damaligen Eindrücke. «Enorme Einnahmen aus dem Erdöl wurden in den Süden der USA verschoben und dort investiert, während das Land selber verödete. In der Schweiz passiert heute etwas ganz Ähnliches.»

Auch wenn ihm dies erst im Rückblick so richtig bewusst wird, scheint HBM zeit seines Lebens ein Generalthema verfolgt zu haben, zu dem er von verschiedenen Seiten her immer wieder zurückgekehrt ist: die Kanalisierung von Spargeldern in den Investitionsprozess. Wie ein roter Faden zieht sich diese Thema durch die Vita des unternehmerisch interessierten Financiers. Auch bei HBM BioVentures, einer Gesellschaft, die Anlagegelder poolt, um sie entwicklungsfähigen Jungfirmen zur Verfügung zu stellen, geht es genau darum.

Insgesamt verbrachte Henri B. Meier fünf Jahre in Venezuela, einem Pulverfass von Land, das gerade dabei war, sich von einer Diktatur in Richtung Demokratie zu entwickeln. Die politischen Wirren, die mit diesem Wandel einhergingen, hat er hautnah miterlebt, mehrere Schussprojektile schlugen in sein Auto ein. «Ich wurde oft bedroht in meinem Leben», sagt HBM, «das bringt mein Beruf eben mit sich.» Solche Grenzerfahrungen hätten wohl bewirkt, dass er «eine besonders intensive Beziehung zu Entwicklungsprozessen» entfaltet habe.

Es dauerte deshalb auch nicht lange, bis der frischgebackene Dr. oec. abermals in Lateinamerika in heikler Mission unterwegs war: «Nach Abschluss der Hochschule ging ich als naiver Idealist in die Welt hinaus und glaubte, ich könne die Entwicklungsländer reich machen. Nie im Traum wäre mir damals eingefallen, mich von einem Konzern anstellen zu lassen.» Um ein Postgraduate-Studium in International Finance zu absolvieren, hatte sich Henri B. Meier an der New Yorker Columbia University eingeschrieben, als eine Weltbank-Delegation vorbeischaute, um Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Und da sich HBM unter den wenigen Auserwählten befand, zog es ihn mit 28 Jahren an den Hauptsitz der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, kurz: Weltbank, nach Washington D.C.

Eine von Henri B. Meiers ersten Aufgaben bestand in der Förderung von staatsunabhängigen Entwickungsbanken in Kolumbien. Tatsächlich musste er sich zu diesem Zweck mit ganz ähnlichen Problemen herumgeschlagen, wie sie ihn auch heute wieder beschäftigen: dem Bereitstellen von Risikokapital, kombiniert mit Darlehen, um die Wirtschaft Kolumbiens in Gang zu bringen.

Später übertrug man ihm die Überwachung sämtlicher Weltbank-Projekte in
Mexiko. Mindestens hundertmal sei er in jener Phase zwischen Washington und Mexico City hin und her geflogen, erinnert sich Meier an den aufreibenden Job: «Ich habe in Mexiko mit vier Präsidenten gestritten, um Tariferhöhungen durchzubringen.» Damals, sagt Henri B. Meier, habe er zu realisieren begonnen, dass er in den Entwicklungsländern relativ einsam auf weiter Flur war. «Ich kämpfte für die Interessen des Landes, während viele Regierungsmitglieder bloss ihre persönlichen Pläne verfolgten.»

Unter Robert McNamara, dem vormaligen amerikanischen Verteidigungsminister, der die Leitung der Weltbank im Jahr 1968 übernahm, stieg HBM zum Divisionschef auf, zuständig für Zentralamerika und den gesamten karibischen Raum. Von McNamara, der als Topmanager bei Ford tätig gewesen war, bevor er in die Politik wechselte und als Pentagon-Vorsteher die Bombardierung Vietnams befahl, hält Meier viel. Lange bevor diese Praxis in Europa Einzug hielt, stützte Robert McNamara seine Entscheidungen auf numerische Mess- und Regelsysteme ab, was den jungen HBM stark beeindruckt haben muss. «Er war der beste Manager, dem ich in meinem Leben begegnet bin», rühmt er den Vorgesetzten bei der Weltbank. «Aber er war kein Staatsmann. Der Zugang zum Verständnis für andere Kulturen und das Sensorium für andere Wertvorstellungen und Denkmodelle war ihm nicht in die Wiege gelegt», relativiert Meier das eigene Vorbild. «In Afrika redete er mit den Einheimischen, als seien sie Ford-Arbeiter in Detroit.» Katastrophal ausgewirkt habe sich McNamaras Zahlengläubigkeit für die Bevölkerung Vietmans. «Er glaubte, je mehr Bomben er abwerfen liess, desto grösser seien die Gewinnchancen der USA.»

Als 1972 in Mittelamerika die Erde bebte und die nicaraguanische Hauptstadt in ein Trümmerfeld verwandelte, fiel die Bewältigung der Katastrophe in Meiers Ressort. Als oberster Weltbank-Repräsentant dieser Region war er für das weltweite Fundraising und den Wiederaufbau vor Ort zuständig. Damals meldete sich am Telefon ein gewisser Anastasio Somoza, seines Zeichens Diktator von Nicaragua, und unterbreitete ihm die generöse Offerte, die verfügbaren Hilfsgelder lieber fifty-fifty untereinander aufzuteilen. Als Henri B. Meier dankend ablehnte, meinte der Dikator, es könne sich ja auch einmal eine Kugel verirren, und erwähnte Meiers Familie. «Dieser Mann war hochintelligent, aber ohne jeden Skrupel», meint er rückblickend. «Somoza bedrohte mich eine Woche lang. Dann gab er es auf.»

Ein anderes Mal geriet der jugendliche Weltbank-Abgesandte auf der Karibikinsel Haiti in die Klemme. Das Land war in den sechziger Jahren auf Druck der Vereinigten Staaten aus sämtlichen internationalen Organisationen ausgeschlossen worden. Als HBM, der für eine Wiederaufnahme der Hilfsleistungen plädierte, zu seinem Antrittsbesuch in der Hauptstadt Port-au-Prince eintraf, wurde er am Flughafen vom haitianischen Sicherheitschef erwartet, der die berüchtigte Todesschwadron Tontons Macoutes unter sich hatte. «Es tut mir Leid, Monsieur, aber ich muss Sie ins Gefängnis stecken.» Mit diesen Worten soll ihn der Geheimdienstchef empfangen haben.

Nachdem ihn dieser eine Stunde lang als Söldner McNamaras beschimpft hatte, witterte Meier eine Chance: «Gegen Mittag ergriff ich die Initiative und erklärte dem Mann, was ich als Weltbank-Officer für sein Land alles tun könne: Elektrizitätswerke errichten, Strassen bauen, sauberes Trinkwasser und so weiter. Da lief ihm allmählich das Wasser im Mund zusammen, und er steckte mich nicht ins Gefängnis, sondern brachte mich ins Hotel.» Vermutlich habe der Innenminister zwischenzeitlich mit «Papa Doc», dem Präsidenten von Haiti, telefoniert und diesem erklärt, dass dieser Funktionär eventuell doch zu etwas zu gebrauchen sei. «Am Ende der Woche hatten wir fünf Projekte identifiziert», sagt Meier. «Am Freitag begleitete mich der Sicherheitschef auf den Flughafen und küsste mich zum Abschied.»

Was die Effizienz internationaler Aufbauprogramme angeht, macht sich HBM heute keine Illusionen mehr. Dem Gedanken, dass sich Nationen durch geeignete Finanzinjektionen entwickeln lassen, wenn sich nicht gleichzeitig auch die Mentalität der Leute verändert, diesem Credo hat er längst abgeschworen: «Ich wurde fast vierzig, bis ich von diesem Idealismus wegkam und mir sagte, da hast du keine Chance, die Armut zu beheben. Da wirst du zum Sisyphus.»

Es brauchte denn auch wenig Überzeugungskraft, als der befreundete Weltbank-Kollege Ernst Schaad Meier 1973 dafür gewinnen konnte, gemeinsam mit ihm in die Schweiz zurückzukehren und bei Motor-Columbus anzuheuern. Fünf Jahre später wechselte Schaad in die Zürcher Niederlassung der britischen Handelsbank National Westminster. Und Henri B. Meier zog abermals mit. Mitte der achtziger Jahre wurde Fritz Gerber auf den international erprobten Kapitalmarktspezialisten aufmerksam und lotste ihn als Finanzchef nach Basel.

Vier Jahre nach seinem Rücktritt hält sich der von den Chronisten zum Ausnahmetalent erklärte Finanzchef mit Kommentaren zu diesem Karriereabschnitt noch immer zurück. Über seine vergleichsweise glücklosen Nachfolger im Finanzressort des Basler Pillenmultis will sich Henri B. Meier aus verständlichen Gründen nicht äussern. Es gehöre sich nicht, rückblickend Zensuren zu erteilen, sagt er. Seine Enttäuschung über das, was seit seiner Demission in Basel alles schief gelaufen ist, kann der Ex-CFO gleichwohl nicht ganz verbergen.

Als im Herbst 2000 absehbar wurde, dass sich HBM von seinen operativen Aufgaben bei Hoffmann-LaRoche zurückziehen würde, sollen innert Wochen 45 Jobangebote auf seinem Schreibtisch gelandet sein. Kein einziges davon habe er angenommen, versichert HBM, mit Ausnahme von ein paar ausgewählten Mandaten, zu denen er sich bereits vorher verpflichtet hatte.

Seither gönnt sich der «Fels von Roche» (BILANZ 8/2000) etwas mehr Freizeit als auch schon. «Die Renovation von historischen Gebäuden» nennt er denn auch als Hobby. In Oberwil, einem Vorort von Basel, hat er unlängst eine geräumige Liegenschaft aus dem Jahr 1740 total renovieren und umbauen lassen. Ein anderes, nicht überall unumstrittenes Liebhaberprojekt von HBM betraf die Erneuerung von zwei geschichtsträchtigen Immobilien auf dem Basler Münsterplatz. In einem der klassizistischen Prachtsbauten verfügt der schwerreiche Bauherr jetzt selbst über ein standesgemässes Appartement. «Für die Erneuerung der feingliedrigen Fenster, des 150-jährigen Parketts, der Tapeten und der Decken waren Künstler am Werk», freut sich Meier. Die Luxusrenovation habe im Verhältnis zu einem Neubau die doppelten Kosten verschlungen.

Die Frage nach seinem Lebensmittelpunkt beantwortet der viel gereiste Finanzunternehmer ausweichend: «Dort, wo ich meine Familie vor allem an Wochenenden und Feiertagen treffe», sagt Meier. «Also in Buonas im Kanton Zug.» Über mangelnden Komfort oder zu hohe Fiskalsätze kann er sich an den Ufern des Zugersees nicht beklagen. Zusammen mit seiner Gattin logiert der Vorruheständler dort in einer grosszügigen Parkanlage, die dem Roche-Konzern gehört und von diesem auch in Schuss gehalten wird. Das Beste an Henri B. Meiers Weekend-Haus ist allerdings die Tatsache, dass er für die Nutzung der fürstlichen Adresse keinen Rappen Mietzins bezahlt. Anlässlich seines Rücktritts als Chief Financial Officer soll Henri B. Meier freiwillig auf eine Abgangsentschädigung verzichtet haben. Dafür liess er sich von seinem Arbeitgeber ein lebenslanges Wohnrecht in Buonas einräumen. Gelernt ist gelernt.

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