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KMU-Serie: Uhren für vier Welten

Während andere Uhrenhersteller auf High Tech setzen, baut Oris auf «High Mech». Und hat damit grossen Erfolg.

Von Harald Fritschi
25.05.2007

Wir haben schon immer Uhren eigener Prägung produziert», sagt Ulrich W. Herzog. Der Präsident von Oris in Hölstein BL redet nicht einfach so daher. Schliesslich blickt die Firma auf eine über 100-jährige Tradition in der Uhrenherstellung zurück. Oris, im Waldenburgertal zwischen sanften Hügeln gelegen, war in der Uhrenbranche eher eine Ausnahmeerscheinung. Immerhin brachte sie es in den sechziger Jahren auf vier Produktionsbetriebe und 800 Angestellte. Doch leicht hatte es die Uhrenmanufaktur ennet dem Röstigraben selten. Zu dominant waren die Uhrenpatrons der Romandie mit ihren edlen Labels wie Patek Philippe, Breguet oder Jaeger-LeCoultre. Zu den ganz grossen Marken konnte Oris jedenfalls nie aufschliessen.

In den letzten Jahren konnte die Firma das Image der Marke markant verbessern. Die Querdenker aus Hölstein, die zu einer Zeit auf die mechanische Uhr setzten, als andere Manufakturen das Handtuch warfen, sind auf Erfolgskurs. Der geniale Werbespot «It’s High Mech» hat die Firma international bekannt gemacht. In den letzten vier Jahren ist der Umsatz um 20 Prozent gewachsen – pro Jahr wohlverstanden. Die Investitionen für die Werbung sind auf zehn Millionen Franken hochgeschnellt: ein beträchtlicher Betrag für ein KMU mit weltweit rund 80 Mitarbeitern. Auch renommierte Uhrenhändler kommen an Oris nicht mehr vorbei. Die Firma selbst betreibt mittlerweile sieben eigene Oris-Shops in Paris, Kuala Lumpur, Hongkong oder Tokio. Oris ist derzeit in 45 Ländern rund um den Globus präsent. Wie viel die Firma umsetzt, will Oris-Chef Herzog nicht verraten. Auch die Zahl abgesetzter Uhren bleibt sein Geheimnis. Insider schätzen den Umsatz auf 35 bis 45 Millionen Franken.

Oris verkauft Uhren in der Preisklasse zwischen 900 und 3000 Franken. Herzog betont indessen, dass auch weit teurere Stücke zu haben sind. Spezialeditionen etwa oder Uhren mit Edelmetallgehäusen. Das Zielpublikum ist klar definiert. Der präferierte Kunde von Oris ist männlich, zwischen 25 und 40 Jahre alt, verfügt über ein mittleres Einkommen und ist im Beruf erfolgreich. Er mag gutes Design, schätzt Qualität und ist sportlich interessiert. Die Formel-1-Uhren von Oris – mit dem Kautschukarmband im Pneu-Look – sprechen diese Käuferschicht ganz speziell an. Sie laufen jedenfalls wie geschmiert. Rund 26 Prozent aller Uhren werden im F1-Segment verkauft. Oris sponsert den Williams-Stall mit drei Millionen Franken pro Jahr. Ein Hype sind auch die Big Crowns, die Fliegeruhren, die ebenfalls rund ein Viertel des gesamten Absatzes ausmachen.

«Wir verkaufen nicht bloss Uhren, wir verkaufen Emotionen», sagt Herzog. Alle Oris-Uhren lassen sich thematisch verorten. Neben dem Motorsport und der Fliegerei ist ein weiteres Thema der Kultur, insbesondere dem Jazz, gewidmet. Die Oris Dizzy Gillespie ehrt den 1917 geborenen legendären Jazz-Trompeter und Mitbegründer des Bebop. Die Spezialedition in limitierter Auflage von 1917 Stück ist an der diesjährigen Baselworld vorgestellt worden. Neu an der Uhrenmesse präsentiert hat Oris auch den Divers Chronograph Carlos Coste. Der bekannte Free-Diver ist Partner in der Oris-Tauchwelt. «Für jede der von uns ausgewählten vier Welten», sagt Herzog, «haben wir eine Kollektion, die wir behutsam weiterpflegen.»

Und die Kollektionen können sich sehen lassen. Allein die klassische Artelier wird in rund einem Dutzend Designs und dazu mit verschiedenen Komplikationen angeboten. Neu im Sortiment ist die Artelier Pointer Day, deren Sekunde dezentral bei neun Uhr läuft und die den Wochentag am äussersten Ring anzeigt. Dennoch ist Oris keine Uhrenmanufaktur im klassischen Sinn. Sie produziert ihre Uhren nicht selber, lässt alle Komponenten von Subunternehmern herstellen. Einschliesslich der Endmontage. «In der von uns angebotenen Preisklasse war die Eigenproduktion nicht mehr rentabel», sagt Herzog, der Oris im Jahr 1982 mit Partnern bei einem Management Buyout von der Swatch Group ausgekauft hat.

Dennoch sind die Uhren originär Oris: Die Firma entwickelt bis hin ins kleinste Detail alle Uhren selber. Sämtliche Teile wie Gehäuse, Zifferblätter oder Zeiger werden nach den Vorgaben aus Hölstein gefertigt. Das Design, die Innovationen – alles ist original Oris. Eigenentwicklungen sind zum Beispiel das verschraubte Stahlgehäuse der Artelier, die beweglichen Gelenkhörner beim Oris WilliamsF1 Team Chronograph oder das Gasventil, mit dem ein allfälliger Überdruck bei der Taucheruhr abgelassen werden kann. Im Haus selber verblieben ist auch die Qualitätskontrolle.

«Unsere Zukunft ist und bleibt die mechanische Uhr», umschreibt Herzog die strategische Zielsetzung der Baselbieter Uhrenfirma. Künftig will er die Marke höher positionieren, aber das gute Preis-Leistungs-Verhältnis beibehalten: «Wir werden uns nach oben bewegen.» Geplant ist auch, Teile der Fertigung wieder selbst zu übernehmen. Ein ganz grosses Projekt ist indessen die Herstellung eines eigenen Werks mit Zusatzfunktionen. Hinter dieser Idee steckt nicht nur uhrmacherischer Tüftlergeist. Sie hat handfeste Gründe. Die Lieferfristen für Uhrwerke sind zum Teil länger als die Zeit für die Entwicklung einer neuen Uhr. Diese Rechnung geht für Oris-Chef Herzog nicht mehr auf.

Oris

Firmenname: Oris
Hauptsitz: Hölstein BL
Umsatz: 40 Millionen Franken (Schätzung)
Mitarbeiter: 80, davon 50 in der Schweiz
Produktion: Schweiz
Umsatzanteile: Asien 47%, Europa 39%, USA 12%, Sonstige 2%
Produkte: Uhren und Uhrenbestandteile

Zum BILANZ-Dossier "KMU"

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