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Kaviar: Des Schahs liebste Perlen

Spektakuläre Auslieferung in Gstaad: Ein halbes Kilogramm Schah-Kaviar wechselt die Hand. Dennoch darbt die Kaviarbranche.

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In der Schweiz werden zwischen Weihnachten und Neujahr siebzig Prozent des verkauften Kaviars verspeist. Dabei würde er im Sommer, frisch und neu angeliefert, viel besser munden. Doch die Feiernden an den Festessen in den diversen Nobelhotels in St. Moritz und vor allem in Gstaad fordern ihre Kontingente ein. Kürzlich hat Markus Roos-Martin, Geschäftsführer und Inhaber der Basler Handelsfirma Trebla, eine besondere Fracht nach Gstaad übergeführt. An einen griechischen Millionär hat er via Endverkäufer (Pernet in Gstaad) ein halbes Kilogramm des so genannten Schah-Kaviars verkauft. Das klingt unspektakulär, doch diese Menge entspricht ungefähr einem Zehntel der jährlich weltweit gefischten Menge. Der äusserst seltene goldene Kaviar stammt entweder von einem Albinostör oder einem über sechzig Jahre alten Oscietre-Stör und wird in Iran produziert.

Warum der Schah-Kaviar goldig ist, ist bis heute wissenschaftlich nicht geklärt. Klar ist hingegen, woher der Name stammt – er ist Programm: Bis in die Siebzigerjahre war die gesamte Fördermenge im Iran jeweils dem Schah von Persien, Reza Pahlevi, und seinem Hofstaat vorbehalten.

Trotz den rund 9000 bis 12 000 Franken, die der Schah-Kaviar pro Kilogramm einbringt (bis viermal mehr als eine normale Sorte), ist das Geschäft mit der Delikatesse Kaviar in der Schweiz zuletzt stark geschrumpft. Das bestätigen Branchenleader wie Caviar House in Genf oder die Eaglet Corporation in Glattbrugg. Rund die Hälfte der Nachfrage ist in den letzten fünf Jahren weggebrochen. Die Flaute in der Wirtschaft und damit die schlechte Gemütslage der reichen Konsumenten schlügen direkt auf den Absatz durch, sagt Markus Roos.

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Doch damit nicht genug. Heute finden noch rund zehn Tonnen Kaviar pro Jahr den Weg vom Kaspischen Meer in die Schweiz, 3,5 Tonnen gehen wieder in den Export. Zum Vergleich: 1998 noch kamen 66 Tonnen in die Schweiz, 35 Tonnen gingen gleich wieder raus.

Die Schweiz galt als internationale Drehscheibe für die Fischrogen und hinter Deutschland als zweitgrösster Abnehmer weltweit. Grund für das Schrumpfen sind die international scharfen gesetzlichen Auflagen. Seit 1998 ist der Stör dem Washingtoner Artenschutzabkommen unterstellt. Auf der Nachfrageseite ist die Krise in der Hotelbranche für den Einbruch schuld. Dort wird noch immer am meisten Kaviar in der Schweiz konsumiert.

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