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Sika-Deal 
Justizieller Heimatschutz

Ein Werk des Bauchemie-Herstellers Sika.
Sika: Das Management stellt die Gründerfamilie mit Milliarden zufrieden. Man spricht von einer «win-win-win»-Situation. Quelle: Keystone

Beim Sika-Deal ist der Wirtschaftsstandort Schweiz der grosse Verlierer. Denn der Deal sendet ein verheerendes Signal: Der Putsch lohnt sich. Besonders stossend ist der Support der Justiz.

Dirk Schütz
Kommentar  
Von Dirk Schütz
11.05.2018

Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Dreieinhalb Jahre verbissen sich die Kontrahenten in einen Wirtschaftskrieg der schmutzigsten Sorte. Doch ein Tag nach Auffahrt verkünden die ermatteten Sika-Krieger den grossen Frieden von Baar – und präsentieren sich alle als Sieger. Es lohnt sich ja: Die Familie Burkard streicht mit 3,3 Milliarden Franken fast eine halbe Milliarde mehr ein als bislang geplant, Saint Gobain wird mit mehr als zehn Prozent grösster Einzelaktionär, und das Management und der putschende Verwaltungsrat bleiben über die Einführung der Einheitsaktie Herr im Haus. Die grosse Minne nach der letzten Schlacht.

Ein verheerendes Signal 

Doch der grosse Verlierer ist der Wirtschaftsstandort Schweiz. Nicht nur sanktioniert die Familie Burkard gegen ein sattes Entgelt diesen gravierenden Bruch der Eigentumsrechte, den sie dem Verwaltungsrat zu Recht immer vorgeworfen hat. Die Botschaft für vergleichbare Fälle lautet: Der Putsch lohnt sich. Für Familienfirmen, die ihre Mehrheit verkaufen wollen, ein verheerendes Signal.

Besonders stossend: Der Support der Justiz. Denn erst die Verschleppung des zweitinstanzlichen Urteils des Obergerichts machte die Kehrtwende für die Burkards zwingend. Schon für Ende 2017 war die Verkündung des Urteils signalisiert worden, doch bis heute liegt es nicht vor. Die Vereinbarung der Burkards mit Saint Gobain lief Ende 2018 ab, das drittinstanzliche Urteil vor dem Bundesgericht in Lausanne geriet durch die Zuger Verschleppung ausser Reichweite. Den Burkards blieb nur die üppig dotierte Kapitulation. Justizieller Heimatschutz der besonderen Art: Die Zuger Richter vermeiden so eine Schlappe vor der höchsten Instanz.

«Destroying trust»

 Und die putschende Konzernleitung? Darf sich als Sieger fühlen – aber nur einer Etappe. Denn der Schutz der Familie ist weg. Mit der Einheitsaktie lässt sich Sika jetzt einfach übernehmen. Wie sagte VR-Präsident Paul Hälg doch an der Pressekonzerenz erstaunlich offen auf die Frage, ob Sika jetzt ein Übernahmeziel sei? «Das kann sein». Was wäre dann gewonnen? «Building trust» lautet das Motto von Sika. Für den Wirtschaftsstandort bedeutet das ganze Sika-Drama: «Destroying trust».

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