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Alte Jaguars sind heute so günstig wie noch nie. Wer snobistisches Flair hat, der meidet die automobile Neuzeit und steuert eine gut gelagerte «Big Cat».
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Das Preisniveau für Veteranen ist derzeit so niedrig wie nie zuvor. Dies gilt besonders für die «Big Cats» oder «Saloons», wie Kenner die grossen Jaguar-Limousinen der Baureihe Mark X und des Nachfolgemodells 420 G nennen. Der feine Geruch des Leders ist im Preis ebenso inbegriffen wie die schöne hölzerne Instrumententafel und der sanfte Sound des Sechszylindermotors.
Der Mark X, das schwerste Schiff der Jaguar-Familie, wurde am 10. Oktober 1961 im Londoner Salon Earls Court enthüllt. In der Schweiz war er für 31 000 Franken zu haben. Die 265 PS aus dem 4,2-Liter-Triebwerk unter der Haube machen dem Zweitonner ordentlich Beine. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit über 190 Kilometern pro Stunde respektabel, der Wagen beschleunigt in zwölf Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer, der Verbrauch liegt keinesfalls unter 17 Litern pro 100 Kilometer.
In drei Jahren wurden 5680 solcher Jags gebaut, dann wurde der Mark X vom baugleichen Typ 420 abgelöst, im Jahre 1966 folgte, vom Vorgänger durch geringfügige Retuschen abgesetzt, der 420 G. Dieses Modell wurde bis August 1970 mit bemerkenswert stabilen Produktionszahlen gefertigt, 6600 Exemplare wurden verkauft. Alle Stückzahlen zusammen ergeben 23 367 Exemplare, was einen Eindruck vom grossen Erfolg des MK X / 420 G vermittelt, der ja nicht gerade ein preisgünstiges Auto war. «Wenn du dich nicht von seiner Grösse abschrecken lässt, kannst du dich an dem am meisten unterbewerteten Wagen aller Zeiten erfreuen», meint heute Jim Patten, Chefredaktor des monatlich erscheinenden englischen «Jaguar Magazine» in einem schwärmerischen Fahrbericht.
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Der Jaguar Mark X und der 420 G beweisen einerseits, womit Sir William Lyons 1963 geworben hatte: «Value for money» mit dem treffenden Werbeslogan «grace, pace & space» (auf Deutsch etwa: Anmut, Tempo und Raum). Anderseits: Ihr Ruf ist gleichwohl nicht der beste. «Weitgehend unbekannt und dort, wo bekannt, überwiegend wenig geliebt, fristen die wenigen überlebenden grossen Jaguar-Limousinen meist ein Schattendasein», schreibt Dipl.-Ing. Robert Meyer auf seiner Website www.big-jags.de. Und weiter: «Missbraucht als Teileträger für XK-Sportwagen, als Classic Crash-Cars (Classic Bangers) oder sonst wie vergewaltigt oder vergessen, müssen sie leiden, mit wenig Chancen auf Besserung.»
Wer die Big Cats trotzdem liebt, der liebt sie heiss. So sind die Grosskatzen Georg B. Dönnis persönliche Liebe und Leidenschaft. Den ersten Jaguar kaufte er während seiner Lehre, es war ein 420 G. Nachdem er die Ausbildung am Colchester Institute als Automobilrestaurator mit dem Diplom der City and Guilds of London abgeschlossen hatte, gründete er 1988 in Sursee die GB Classic Cars. 1994 zog der Betrieb nach Roggliswil, heute beschäftigt er zehn Mitarbeiter. Dönni kennt den Katzenmarkt.
«Ein Mark X oder der später produzierte 420 G sind ab 15 000 Franken zu haben. Je nach Zustand legt man bis zu 40 000 Franken auf den Tisch», meint der 42-jährige Schweizer Jaguar-Enthusiast und fügt hinzu: «Die Big Cats waren mit über fünf Meter Länge und einem Leergewicht von 1,9 Tonnen imposante Erscheinungen, die grössten Jaguar-Saloons aller Zeiten, angesiedelt oberhalb der kompakten Limousinen, geschaffen für den amerikanischen Markt. Angeblich soll Sir William Lyons, der 1922 in Blackpool den Grundstein zum Jaguar-Imperium gelegt hatte, sie selbst nicht sonderlich gemocht haben. Sie sollten ihm nur Geld bringen.»
Jaguarist Dönni schätzt, dass in der Schweiz rund 40 bis 60 Mark X und 20 bis 30 Exemplare 420 G existieren. Wobei er den Oldies in der Schweiz generell eine gute Qualität attestiert. «Heute findet man immer Limousinen mit 60 000 bis 70 000 echten Kilometern aus erster oder zweiter Hand. In der Regel haben alle einen lückenlosen Unterhaltsnachweis. Die ehemaligen Inhaber sind am Aussterben, und die Erben wollen die grossen Jags schnell zu Geld machen», beurteilt Dönni die heutige Situation in der Schweiz. Dies sei gut für ihn und für Neueinsteiger.
Billig in der Anschaffung, ruinös im Unterhalt: Dieses Klischee trifft nicht selten zu, und dann sind meist vermeidbare Fehler im Spiel. «Die grossen Katzen sind anspruchslos, neben einer humanen Oldtimer-Vollkaskoversicherung drückt nur der Durst aufs Portemonnaie», sagt Dönni. Die meisten Fehler würden beim Kauf gemacht; verführerisch niedrige Preise liessen oft über zweifelhaften Vorbesitz oder ein lückenhaftes Checkheft hinwegsehen.
«Wer billig kauft, kauft immer teuer», so Dönni. «Neben einer regelmässigen Wartung macht sich die Erhaltung des Oldtimers bezahlt. Jede Vernachlässigung eines historischen Fahrzeugs ist ein Albtraum», so der diplomierte Jaguar-Restaurator. Besser sei es, einen Experten eines Markenklubs mitzunehmen und nach dem besten verfügbaren Exemplar Ausschau zu halten. Grosskatzen wollen eben von Kennern gezähmt werden.
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