Guten Tag,
Die Firma krankte an ihrer viel beschworenen Kultur. Jetzt wagen zwei frische Männer den Neustart. Die gebeutelten Aktionäre dürfen hoffen.
Beschleunigter Aufstieg: Nestlé-CEO Philipp Navratil (l.) und der zukünftige VR-Präsident Pablo Isla.
William Gammuto, Getty ImagesEs herrscht bekanntlich Ruhe im Auge des Hurrikans. Bei Nestlé scheint sogar die Sonne.
Die Zentrale in Vevey direkt am majestätischen Genfersee, die Spätsommersonne glitzert, der Blick schweift pulssenkend ins Wallis und nach Frankreich. Es ist der Tag nach dem Rücktritt des langjährigen Steuermanns Paul Bulcke. Der Y-förmige Glasbau, von dem Lausanner Architekten Jean Tschumi Ende der 1950er-Jahre konzipiert, wirkt mit seinem lichtdurchfluteten Entrée noch immer überraschend modern. Ein grosser Bildschirm neben dem Empfangsdesk nennt das Tagesprogramm: «Brand Showcase» um 14 Uhr, «Global All Hands» um 15 Uhr, und dann, pünktlich um 16.30 Uhr, der «After Work Apero WellNes». So viel Entspannung muss sein, auch nach dem Abgang des intern beliebten Bulcke. Nestlé kreiste schon immer im eigenen Orbit.
Heute ist ein besonderer Tag: Einmal im Jahr stellen Markenvertreter die Innovationen in diesem «Brand Showcase» vor: Nescafé in Flüssigform, Kitkat-Riegel als Rennwagen für das anstehende Formel-1-Sponsoring, neue Maggi-Zutaten für den Air Fryer, frische Vitaminpillen. Ein Ort mit Symbolkraft: Der oberste Stock, eine Etage über den Chefs, beherbergt die Ausstellung zu den Weltmarken des Konzerns. Botschaft: Die Stars sind die Marken, die Chefs nur ihre Bewahrer und Entwickler. 159 Jahre Konzerngeschichte thronen über der Belegschaft.
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