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HBS- und HSG-Alumni: Die Lizenz zum Karrieremachen

Der Verein der HSG-Alumni ist die professionellste universitäre Ehemaligen-Organisation der Schweiz. Das Netzwerk reicht bis in die Top-Etagen zahlreicher Firmen des Landes. Das grosse Vorbild der St.-Galler: die Alumni-Vereinigung von Harvard.

Veröffentlicht 27.10.2004

Wenn der Verein der HSG-Alumni ruft, kommen die ehemaligen Studenten der Universität St. Gallen aus allen Himmelsrichtungen herbeigeeilt, um am prominentesten Ehemaligentreff einer Schweizer Alma Mater dabei zu sein. Als sich Mitte September die Ehemaligen nahe Kitzbühel beim legendären «Stanglwirt» am Fusse des Wilden Kaisers ein dreitägiges Stelldichein gaben, folgten 320 Ex-HSGler aus 17 Nationen der Abschlussjahrgänge 1932 bis 2004 dem Ruf, an der «Zweiten HSG Alumni Konferenz» teilzunehmen. Motto der Veranstaltung: «The Management of Transformation: Lessons for the next Decade.»

Neben Golfturnier und tief schürfenden Diskussionen rund ums Tagungsmotto frönten die Ex-HSGler auch ausgiebig dem persönlichen Networking. «Grundtenor nach drei Tagen bei zunehmend sonnigem Wetter war, dass ein weiterer Schritt in Richtung Aufbau einer Marke und Tradition der HSG Alumni Konferenz gemacht wurde», bilanzierte zufrieden der Chronist des Alumni-Magazins «Alma», «und dass ein solches Forum dem Interesse und Bedürfnis der ehemaligen St.-Galler entspricht.»

In der Tat: Die Ehemaligen der ältesten Wirtschaftsuniversität des Kontinents und der wohl auch internationalsten Ausbildungsstätte dieser Art in Europa wollen hoch hinaus. Als der HSG-Absolventen-Verein im Herbst 2002 zum ersten Mal zu einer internationalen Konferenz ins «Victoria-Jungfrau» nach Interlaken lud, traten als Speaker internationale Topmanager wie Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, oder Bob Lutz, Chairman von General Motors, auf.

Der Club der Ehemaligen agiert heute global vernetzt und in Augenhöhe mit den Topshots der Wirtschaft. 1934 wurde er als Förderverein unter dem Namen «St. Galler Hochschulverein» gegründet. 1997 dann, anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Universität, fiel der Entscheid, die Absolventenorganisation zu professionalisieren. Zwei Vollzeitstellen wurden eingerichtet, die Geschäftsstelle befindet sich in einem Gebäude der Universität. «Man hatte erkannt, wie wichtig Kontakte und ein globales Netzwerk der Ehemaligen sind», sagt Franziska Rohner, Geschäftsführerin des HSG Alumni Club, «wir kümmern uns um Friend-, Fund- und Brainraising.» Jeder Absolvent wird nach Ende des Studiums eingeladen, Clubmitglied zu werden, und erhält für einen Mitgliederbeitrag von 50 Franken im Jahr eine E-Mail-Adresse auf Lebenszeit.

Aktiv, via Internet und Alumni-Zeitung, fahndet die Geschäftsstelle nach Ehemaligen, wo auf der Welt sie sich auch immer befinden. So wächst ein globales Netzwerk von HSG-Absolventen, das zumindest in Europa seinesgleichen sucht. Von 1995 bis 2003 hat sich die Anzahl der Clubmitglieder von 4850 auf 13 975 erhöht, mittlerweile dürften es «schätzungsweise 14 500 sein», meint Geschäftsführerin Rohner.

Neben den HSG-Alumni in St. Gallen, welche die Dachorganisation bilden, existieren weltweit inzwischen 37 regionale, fachspezifische oder jahrgangsbezogene HSG-Vereinigungen. So beispielsweise die HSG in Asia mit regionalen Clubs in Hongkong, Bangkok, Singapur. Oder der HSG Alumni Club New York für die Absolventen aus den Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut, die sich monatlich im Restaurant Luxia im Herzen New Yorks zum Gedankenaustausch treffen. Oder der HSG Alumni Club Surselva, ein regionaler Verein mit vierzehn Mitgliedern.

Daneben gibt es auch einen Club der Grauen Panther, ein Verein mit rund fünfzig Mitgliedern der Abschlussjahrgänge um 1995, von dem es in der Selbstdefinition heisst: «Alle Mitglieder sind männlich.»

Oder den Club Early Seventies, ein Verein mit 15 Mitgliedern, die in den frühen Siebzigerjahren ihren Abschluss gemacht haben, sich nun alle zwei Jahre treffen und sich überaus exklusiv geben: «Eine Neumitgliedschaft ist nur bei Vakanz möglich. Über die Aufnahme entscheiden der Numerus clausus sowie eine persönliche Empfehlung eines Mitglieds.» Und schliesslich der Club Dalenades, ein Kreis von rund 300 Mitgliedern. Der Name der Clubs steht für «Das Leben nach dem Studium», und getreu diesem Motto veranstaltet die Dreihundertschaft ein jährliches Sommerfest und alle zwei Jahre eine rauschende Ballnacht.

Die Ex-HSG-Studenten haben jedoch mehr im Sinn, als Feste zu feiern. Sie stellen inzwischen das bedeutendste Personal- und Nachwuchsresevoir für die heimische Wirtschaft dar. Mehr als die Hälfte der fünfhundert führenden Schweizer Unternehmen würden von einem dieser Ehemaligen geführt, so der Zürcher Headhunter Bjørn Johansson, selber ein HSG-Alumni, Anfang Jahr gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Das mag übertrieben sein. Doch dass sie unübersehbar die Teppichetagen der Unternehmen bevölkern, ist unbestritten. Das Buch der HSG-Alumni, ein Wälzer von knapp 1200 Seiten, liest sich wie das «Who’s who?» der Schweizer Wirtschaft.

Unter den Mitgliedern finden sich Topshots von Josef Ackermann bis Peter A. Wuffli, Chef der UBS – er wurde am letzten Dies academicus gar zum Ehrensenator der Universität St. Gallen ernannt. HSG-Absolventen finden sich in den grössten Unternehmen des Landes, so etwa bei der UBS (rund 450), der Credit Suisse (370), der Swiss Re (über 100) oder Novartis (47). Sie finden sich in der Eidgenössischen Bundesverwaltung (um 150), in den kantonalen Verwaltungen von St. Gallen (rund 120) und Zürich (rund 50) oder diversen kaufmännischen Berufsschulen (etwa 80). Sie finden sich in einer Vielzahl von Beratungsunternehmen wie Ernst & Young (rund 120), McKinsey (101) oder The Boston Consulting Group (54). Ungefähr 250 der HSG-Absolventen sind der Alma Mater treu geblieben und an der Universität St. Gallen angestellt (siehe Artikel zum Thema «Das Schweizer Manager-Reservoir»).

«Das Militär hat als Netzwerk für die Schweizer Wirtschaft an Bedeutung verloren», urteilt Urs Landolf, Präsident des HSG Alumni Club, «heute braucht es andere Netzwerke.» Zum Beispiel solche wie dasjenige, das Landolf präsidiert.

Doch auch ausserhalb des Landes sind HSG-Absolventen in den Unternehmen gefragt. In Deutschland etwa (über 2500), in den Vereinigten Staaten (rund 225), in Grossbritannien (über 200) und selbst in Südafrika (15), Thailand (13) oder der Russischen Föderation (11). Mitunter sind es Sprösslinge prominenter (Unternehmens-)Dynastien, die sich in St. Gallen ihr berufliches Rüstzeug geholt haben. Mitglieder der deutschen Keksdynastie Bahlsen etwa, der im Textilhandel tätigen Brenninkmeijers, der Bochs, deren Firma Keramik herstellt. Oder auch der Blaublütler Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein. Andere HSG-Abgänger mögen weniger prominent sein, dafür die Firmen, in deren Sold sie stehen: Citigroup, DaimlerChrysler, IBM, Siemens, Unilever – und Harvard University.

Mit der amerikanischen Eliteuniversität, insbesondere der Harvard Business School (HBS), der Wirtschaftsfakultät von Harvard, hat die St.-Galler Universität mehr gemein als nur ein paar Absolventen. In ihrem Anspruch an Lehre sowie Abgänger ist die Messlatte ähnlich hoch gesteckt.

«All around the world, in virtually every industry, Harvard Business School alumni are daring mighty things», definiert die HBS ihren eigenen Mythos, «from starting companies, to helping developing nations industrialise, to making a difference in the non-profit center, to managing money on Wall Street, HBS graduates are shaping the world’s economy.»

Harvard Business School
Die Uni der US-Präsidenten


Die Harvard Business School (HBS) in Boston ist so etwas wie der Inbegriff der Business-School schlechthin. Ihre Absolventen besetzen seit Jahrzehnten Top-Positionen in den USA, die hier entwickelte Fallstudien-Methode (Case-Studies) hat die Managementausbildung weltweit geprägt. Ihren Ruf als beste Business-School der USA muss sich die HBS heute allerdings mit Wharton und Stanford teilen.


Gegründet 1908 als neue Fakultät der Harvard University, galt die HBS zunächst als «schwieriges Experiment» auf dem neuen Feld des professionellen Managementtrainings. Heute hat sie 207 Hochschullehrer, 1400 Studenten aus 65 Nationen verlassen sie jedes Jahr mit einem MBA, mehr als 7088 Führungskräfte nehmen an Managementkursen teil. Unter den 65 000 Ehemaligen, von denen 27 Prozent ausserhalb der USA leben und die in 110 Alumni-Clubs weltweit organisiert sind, befinden sich etwa Pulitzer-Preis-Träger Alfred Chandler oder US-Präsident George W. Bush. Der Schweizer Harvard Business Club teilt sich in eine Zürcher Abteilung mit rund 500 Mitgliedern und eine Genfer Sektion mit etwa 300 Mitgliedern auf.

Ähnlich selbstbewusst sagt HBS-Dekan Kim B. Clark: «We educate leaders.» Unter den rund 65 000 HBS-Alumni (davon 38 214 mit MBA), die in weltweit 110 Alumni-Clubs organisiert sind, befinden sich Topshots wie Ebay-Chefin Meg Whitman, Microsoft-CEO Steve Ballmer, aber auch Nobelpreisträger Robert C. Merton, Pulitzer-Preis-Träger Alfred Chandler, Weltbank-Präsident James D. Wolfensohn oder US-Präsident George W. Bush. Aus den Reihen der HBS-Alumni stammt ein Fünftel aller Spitzenkräfte der top 500 der US-Unternehmen. Die Universität, vor allem aber die Alumni, der Zusammenhalt der Ehemaligen, machen die HBS zum Vorbild der St.-Galler.

Und in der Tat ist die HBS auch punkto Netzwerk der Alumni so etwas wie der grosse Bruder der HSG-Ehemaligen – nur noch etwas hochkarätiger besetzt. Sogar in der Schweiz. Etliche von ihnen sind Persönlichkeiten, die hier zu Lande den Takt der Wirtschaft angegeben haben oder es noch immer tun: Als erster Präsident des Harvard Club of Switzerland fungierte Egon P.S. Zehnder, der als Spiritus Rector der gleichnamigen Executive-Search-Firma Generationen von Topmanagern in den Teppichetagen der Schweizer Wirtschaft platziert hat. Unter seinen Nachfolgern finden sich Jacques A. Rossier, Managing Partner bei der Genfer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch, Quincy J. Hunsicker, Gründer der Schweizer Niederlassung der McKinsey Company, Mario Corti, ehemaliger Nestlé-Finanzchef und letzter Konzernleiter der untergegangenen Swissair. Sie alle amten ebenso als Board-Members des Schweizer Harvard-Clubs wie auch Novartis-Chef Daniel Vasella und – als aktueller Chairman – Lukas Mühlemann, ehemaliger Präsident der Credit Suisse Group.

Und wenn sich die Zürcher Mitglieder des Harvard Club Switzerland einmal im Monat im Haus zum Rüden oder die Genfer im Hotel Métropole zum Lunch treffen, erhalten etliche Topshots aus den Teppichetagen der Schweizer Wirtschaft eine Einladung: Marc C. Cappis, VR-Präsident von Huber + Suhner, etwa; oder Rolf Dörig, CEO Swiss Life; Peter B. Forstmoser, Präsident Swiss Re; Calvin Grieder, CEO Bühler; Martin Kall, Chef Tamedia; Anton Menth, Chairman der Post; Andreas P. Reinhart, Präsident Volkart Holding; WEF-Präsident Klaus Schwab oder Ernst Tanner, Präsident Lindt & Sprüngli. Sie alle haben Jahre in Harvard für einen MBA gepaukt oder dort zumindest wochenlange Managementkurse absolviert.

Unter den Mitgliedern befinden sich auch Persönlichkeiten, die nach Fehltritten von der grossen Bühne abgetreten sind. Eric Honegger etwa, glückloser Swissair-Präsident, oder sein ebenfalls gestrauchelter Ex-Finanzchef Georges P. Schorderet.

Universität St. Gallen
Kaderschmiede der Nation


In den Ranglisten von Wirtschaftsuniversitäten liegt sie fast immer sehr weit vorne. Die Universität St. Gallen, Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften (HSG), wird in der Schweiz gerne als die Kaderschmiede der Nation bezeichnet. Am 3. Mai 1899 wurde die Schule mit 7 Studenten und 85 anderen Hörern eröffnet, unterrichtet wurden sie von einem halben Dutzend Dozenten. 1963 bezog sie ihre heutigen Gebäude auf dem Rosenberg. 1995 gab sich die HSG den Namen Universität St. Gallen, und im gleichen Jahr wurde das Weiterbildungszentrum Holzweid eröffnet.


Heute sind es gegen 5000 Studenten, die in St. Gallen von rund 80 Professoren unterrichtet werden, damit ist die Universität zahlenmässig eine der kleineren Hochschulen Europas.


Imagemässig steht die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät allerdings nicht nur in der Schweiz an der Spitze, sondern hat auch internationales Renommee. Ein gutes Viertel der Studierenden kommt aus dem Ausland.


Der HSG Alumni Club zählt 14 500 Mitglieder, hat Ableger in aller Welt und ist laufend daran, grösser zu werden.

Ob erfolgreich oder nicht: Harvard-Alumni bleiben sie ein Leben lang, das Netzwerk hält in guten wie in schlechten Zeiten. Wer den Campus als Student einmal betreten hat, schwärmt auf ewig. «Ein prägendes Erlebnis», urteilt Mario Corti noch heute. Und selbst diejenigen, die keinen MBA gemacht haben und nur ein paar Wochen als Foreign-Students Harvard-Luft geschnuppert haben, bleiben ein Leben lang vom Spirit infiziert.

Thomas Held, Direktor des Think-Tanks Avenir Suisse, der 1999 das Harvard Advanced Management Program (AMP) absolvierte, meint über den Schweizer Harvard-Club: «Die Redner an den Lunches waren besonders zu Zeiten der Präsidentschaft von Mario Corti top.» Held erinnert sich etwa an einen Vortrag von Roche-Chef Franz Humer über die Zukunft der Pharmaindustrie, an Speaches von Opernhaus-Direktor Alexander Pereira oder dem ehemaligen Staatssekretär Franz Blankart sowie an ein Zwiegespräch zwischen dem damaligen Schweizer McDonald’s-Chef Urs Hammer und dem ehemaligen Harvard-Studenten und heutigen Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits. Bleibende Erinnerungen für den Zuhörer Held und wohl auch für die Vortragenden ein Gewinn. Wer nämlich im Club einmal als Speaker aufgetreten ist, erhält fortan Einladungen zu den künftigen Veranstaltungen, und fast nebenbei strickt sich so ein persönliches Netzwerk weiter.

Auch Leute, welche die Aktivitäten der Harvard-Alumni aus etwas mehr Distanz beurteilen mögen, sind des Lobes voll. Hansjörg Abt, ehemaliger langjähriger NZZ-Wirtschaftsredaktor, der 1992 in Harvard war, meint rückblickend: «Mir ist dort unternehmerisches Denken in einer Art und Weise nahe gebracht worden, wie das über gängige journalistische Kontakte zu den Unternehmen nie möglich gewesen wäre.» Und Markus Gisler, der 1998 in Harvard war und heute Chefredaktor der «Aargauer Zeitung» ist, sagt: «Zu den Treffen des Harvard Business Club gehe ich, wann immer ich kann.»

Kein Wunder. «Keine Managementschmiede ist reicher und einflussreicher», urteilt das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», «keine Schule weltweit bekannter.» Und keine nimmt ihre Alumni derart in die Pflicht. Als eigentliche «Money Machine» qualifiziert das britische Wirtschaftsblatt «Financial Times» (FT) die Universität, und die Beziehung der Alma Mater zu ihren ehemaligen Studenten ist denn auch stark monetär geprägt. Die Kunst des Fundraisings besteht darin, zu wissen, wann die Alumni für eine Schenkung offen sind, und auch zu wissen, wie hoch diese ausfallen könnte. Dieses Fingerspitzengefühl hat die Bostoner Universität zur Meisterschaft perfektioniert.

Die Kommandozentrale zur Geldbeschaffung befindet sich im vierten Stock in einem Bürohaus eine halbe Meile vom Harvard Yard entfernt. Zweihundert Personen sind hier fast ausschliesslich damit beschäftigt, mit den Harvard-Alumni in Kontakt zu treten und diesen unablässig in Erinnerung zu rufen, was für eine grossartige Zeit sie doch als Studenten auf dem Campus verbracht hätten, was für grossartige Pläne dort noch zu verwirklichen seien und wie viel Dank sie der Alma Mater doch schuldeten. Auf dass der Geldstrom der Ehemaligen nie versiege!

«Die meisten Alumni geben. Sie geben aus verschiedenen Gründen», sagt die Harvard-Fundraising-Verantwortliche Donella Rapier gegenüber der FT, «sie wollen sicherstellen, dass zukünftige Generationen hier eine ähnliche Qualität der Ausbildung geniessen können wie sie selber. Sie wollen einen Beitrag leisten für Forschungen, die für die globale Gesellschaft wichtig sind. Und auf eine Art ist dies auch ein Investment der Donatoren in sich selbst.» Denn sie alle sind Teil einer grossen, globalen Harvard-Community, einer «Marke auf Lebenszeit», wie Pedro Simko, Präsident der Genfer Sektion des Harvard Club of Switzerland, es nennt (siehe Artikel zum Thema « Pedro Simko über die Harvard-Alumni: Wir haben ein gemeinsames Verständnis»).

Von einer derartigen Professionalität in der Mittelbeschaffung ist die Universität St. Gallen noch weit entfernt – aber immerhin schon auf dem Weg dorthin. «Wir sind stark in der Akquisition von Drittmitteln», sagt Peter Gomez, Rektor der Universität St. Gallen, und zumindest die Masse potenzieller Spender ist im Steigen begriffen (siehe Artikel zum Thema «Der HSG-Rektor über den Alumni-Club: An der HSG herrscht ein ausgesprochenes Wir-Gefühl»). «Fast so dick wie das von Harvard», urteilt die «Süddeutsche Zeitung» zwar nicht übers finanzielle Polster der St.-Galler, aber doch wenigstens über das Adressverzeichnis der HSG-Alumni. Und in der Tat existiert im Vorstand der HSG-Alumni ein Ressort Fundraising, das fünf Personen zählt. Es bezweckt «die Förderung der finanziellen Unterstützung der Universität durch die Ehemaligen, die ihrer Universität so etwas von dem zurückgeben, was diese ihnen für ihre Karriere mitgegeben hat.»

Nicht zufällig umfasst die aktuelle Spenderliste für einen neuen Campus der Universität prominente Ex-HSGler wie den CS-Vize Hans-Ulrich Doerig, den ehemaligen Sulzer-Chef Fritz Fahrni, Bénédict Hentsch, Namensgeber der gleichnamigen Genfer Privatbank, Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein oder Heinz R. Wuffli, den ehemaligen Chef der Kreditanstalt und Vater des UBS-Chefs Peter A. Wuffli.

Auch Firmen mit zahlreichen Ex-HSGlern in ihren Topetagen haben für diesen Zweck ihre Sponsorenschatullen geöffnet, wie ABB (Schweiz), die Bank Julius Bär, Ciba, Danzas oder UBS. Wer 200 000 Franken gibt, avanciert im «Window of Fame» auf dem Campus zum «Platin-Sponsor», wer 100 000 gibt, schafft es zum «Gold-Sponsor», wer 5000 springen lässt, darf sich immerhin «Bronze-Sponsor» nennen, und wer ein Gästezimmer, eine Sauna, einen Fitnessraum, eine Bibliothek oder eine Garage sponsern will, darf selbstverständlich am entsprechenden Ort seinen Namen verewigen.

Das klingt doch alles schon sehr amerikanisch.

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