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Guillaume Pousaz: «An der Nasdaq die Glocke zu läuten, wäre ziemlich cool»

Er ist der erfolgreichste Schweizer Start-up-Gründer: Guillaume Pousaz im Interview über seine ­Börsenpläne, den ­Wirecard-Skandal und Start-ups.

Marc Kowalsky

Guillaume Pousaz, Gründer und CEO von Checkout.com, fotografiert am 27. November 2019 im Westhive in Zürich.

Pakistan statt Schweiz: «Ich leite die Firma nicht nach meinem Pass, sondern danach, was strategisch den grössten Wert für die Aktionäre kreiert.»

Photo: Michael Buholzer

Guillaume Pousaz, haben Sie schon Entzugserscheinungen?
Guillaume Pousaz: Wieso, was meinen Sie?

Normalerweise fliegen Sie jeden Sonntagabend von Ihrem Wohnsitz in Dubai zu Ihrem Firmensitz in London und am Donnerstag wieder zurück. Das können Sie nun nicht. Es muss komisch sein für Sie.
Ja, wirklich sehr seltsam. Aber ich vermisse es nicht. So habe ich mehr Zeit mit den Kindern und für die Arbeit als je zuvor im Leben. Zumal wir in Dubai einen sehr strengen Lockdown haben und pro Tag nur eine Stunde nach draussen dürfen.

Ihre Firma Checkout.com verarbeitet Onlinezahlungen. Sie muss einer der grossen Gewinner der Corona-Krise sein.
Die Münze hat zwei Seiten. Manche Verkäufe sind drastisch gestiegen: Als die Leute zu Hause bleiben mussten, haben sie zunächst Essen und Hygieneartikel bestellt. Dann wurde ihnen langweilig, also haben sie Videospiele gekauft. Dann gingen die Zahlen für Bekleidung massiv nach oben, weil die Läden ja zu waren. Die Million-Dollar-Frage ist: Bleibt das so oder nicht? Wir glauben ja. Wir glauben seit Jahren an die Verschiebung von Offline- zu Onlinekäufen, die jetzt noch einmal beschleunigt wurde. Das ist eine Einbahnstrasse. Die Anzahl der Kreditkarten, für die wir zum ersten Mal eine Zahlung abwickelten, ist um 60 Prozent gestiegen. Das hängt klar mit Corona zusammen.

Und die andere Seite der Münze?
Das ganze Reise- und Mobilitätsgeschäft. Wir wickeln viele Zahlungen ab von Taxis, von Elektroscootern, ausserdem Ticketing, Führungen etc. Das ist ein grosser Teil unseres Geschäftes. Er ging von 100 auf 5 Prozent zurück. Aber insgesamt sind die Umsätze stark gestiegen, monatlich um 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch weil wir letzten Herbst Grossfirmen wie Revolut, Klarna und Farfetch gewonnen haben. Die sind jetzt live gegangen.

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