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Wohlfühlchef

Gesundheitsdossier ist bei der Migros nun Chefsache

Fabrice Zumbrunnen 
will sein Gesundheitsdossier nicht mehr aus der Hand geben. Der ­designierte Migros-CEO bleibt für die Mega-Expansion verantwortlich.

Philipp Albrecht

Seit 20 Jahren steht Fabrice Zumbrunnen im Sold der Migros. In der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg arbeitete er sich vom Verkaufschef über das Marketing und die Logistik zum Geschäftsleiter hinauf. Nun beerbt er Herbert Bolliger als Migros-Chef. Das ist sein Machnetz:
Die Mitstreiter:Seit fünf Jahren sitzt Zumbrunnen in der operativen Migros-Führung in Zürich, wo er seit letztem Sommer unter anderem mit Handelschef Beat Zahnd zusammenarbeitet. Die beiden könnten es besonders gut miteinander, heisst es.
Als oberster Verantwortlicher für das Personal, die Kultur und die Gesundheit kommt er regelmässig mit Profis aus den ungleichen Branchen in Kontakt. Zum Beispiel mit Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbands. Mit ihm trifft sich Zumbrunnen – als Personalchef des grössten Arbeitgebers – regelmässig.
Als Präsident der Stiftung «Im Grüene», die über dem Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) steht, kommt Zumbrunnen oft mit Stiftungsmitglied Rolando Benedick zusammen. Der Baselbieter führte die letzten neun Jahre den VR des Detailhandelsunternehmens Valora und war 16 Jahre lang Manor-Chef. Zumbrunnen habe eine klare Meinung und könne gleichzeitig gut mit den Menschen umgehen, lobt Benedick.
Regen Austausch pflegt Zumbrunnen mit Kulturprozent-Chefin Hedy Graber …
…der Klubschule-Verantwortlichen Andrea Ming und …
… GDI-Geschäftsführer David Bosshart.
Die Gegenspieler:Migros und Coop kontrollieren gemeinsam mit 82 Prozent Marktanteil den Schweizer Lebensmitteldetailhandel. Dass sich die beiden absprechen, ist nicht bewiesen. Bekannt ist aber, dass die Chefs gerne gegeneinander sticheln. Beobachter sind gespannt darauf, wie Coop-CEO Joos Sutter auf Zumbrunnen reagieren wird.
Keine Interaktion, aber knallharte Konkurrenz werden die Schweiz-Chefs der Discounter Aldi und Lidl zu spüren bekommen. Die Migros schnappt den Deutschen regelmässig potenzielle Standorte in den Städten vor der Nase weg. Lidl-Mann Georg Kröll macht gute Miene zum bösen Spiel und will mit kreativer Zuversicht neue Lokale aufspüren.
Aldi-Vertreter Timo Schuster bläst derweil mit neuen Werbeoffensiven zum Angriff.Bilder: Keystone/zvg
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Seit 20 Jahren steht Fabrice Zumbrunnen im Sold der Migros. In der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg arbeitete er sich vom Verkaufschef über das Marketing und die Logistik zum Geschäftsleiter hinauf. Nun beerbt er Herbert Bolliger als Migros-Chef. Das ist sein Machnetz: RMS

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Noch-Migros-Chef Herbert Bolliger wurde an seiner letzten Pressekonferenz Ende März deutlich: «Wir werden dieses Netzwerk verdichten.» Gemeint ist die grosse Gesundheitsexpansion der Migros. 36 Gesundheitspraxen (Medbase und Santémed) und über 100 Fitnesscenter hat der Grossverteiler bereits geschluckt oder aufgebaut. Anfang Jahr ging die digitale Gesundheitsplattform iMpuls online, und an bis zu 50 Migros-Standorten soll Platz für Filialen der Online-Apotheke Zur Rose freigeräumt werden.
Bolliger-Nachfolger Fabrice Zumbrunnen zeichnete seit 2014 als Chef des Departements «HR, Kulturelles & Soziales, Freizeit» für den Gesundheitsausbau verantwortlich. Sein Dossierfleiss soll mitgeholfen haben, dass er sich bei der Wahl zum neuen Migros-Chef gegen Jörg Blunschi knapp durchsetzen konnte. Nun wird klar, dass der neue CEO die strategisch wichtige Akte nicht wieder abgeben will.

Koordiniertes Vorgehen

Am Rande einer Feier auf dem Tessiner Gipfel Monte Generoso Ende März bestätigt er gegenüber «Bilanz», die Gesundheitsverantwortung nicht an seinen Departementsnachfolger weiterzureichen. Das Thema werde weiterhin von verschiedenen Stellen bearbeitet, sagt Zumbrunnen. «Wichtig dabei ist ein koordiniertes Vorgehen, was ich als meine Aufgabe ansehe.»

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Die Branche freuts. Der orange Riese ist im Gesundheitssektor höchst willkommen, Zumbrunnen ein gern gesehener Mann. Regelmässig landen Übernahmeanfragen von Arztpraxen auf seinem Schreibtisch. Sein ursprüngliches Ziel, bis in fünf Jahren 270 Millionen Franken Umsatz zu machen, wird der designierte Chef wohl bald nach oben anpassen müssen.
Diese Marken gehören zum Migros-Reich:
Migros ist weit mehr als ein Detailhändler. Welche Marken zum orangen Riesen gehören:
Anders als in den Filialen der Migros gibt es bei Denner sogar Alkohol zu kaufen.
Für Bio-Liebhaber sind die Alnatura-Geschäfte da.
Wer nicht selbst einkaufen gehen möchte, der kann sich seine Lebensmittel von LeShop liefern lassen.
Auswärts essen geht bei der Migros auch: Von Migros Restaurants über Chickeria bis Molino.
Süsses zu Ostern, Weihnachten oder zwischendurch wird bei Chocolat Frey produziert.
Die Bäckereien von Jowa liefern fertige Brötchen und Teige.
Fleisch kommt von Micarna.
Bücher und DVDs gibt es bei Ex Libris.
Auch bei Globus und Schild hat die Migros die Finger im Spiel.
Reisen können bei Hotelplan gebucht werden.
Neue Sofas, Gartenstühle oder Dekoartikel stehen bei Interio, Depot oder Micasa im Angebot.
Um die Mobilität sind etwa M-way und Sharoo besorgt.
Migrol verkauft Benzin.
Zu den neueren Migros-Firmen gehört der Onlinehändler Digitec-Galaxus.
Und schliesslich gehört zum Migros-Reich auch eine Bank. Bilder: Keystone
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Migros ist weit mehr als ein Detailhändler. Welche Marken zum orangen Riesen gehören: RMS

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