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Rohstoffpreise 
Fallende Kupferpreise bedeuten nichts Gutes für die Weltwirtschaft

Der Handelsstreit sorgt für einen Preisverfall bei Kupfer. Für die Konjunktur ist das ein böses Omen, denn das Metall ist ein wichtiger Indikator.

Von Holger Zschäpitz («Die Welt»)
18.07.2018

Der amerikanische Präsident hat’s gegeben, der amerikanische Präsident hat’s wieder genommen. An diesen abgewandelten Bibelspruch erinnert die Entwicklung an den Rohstoffmärkten in diesen Tagen. Die Wahl von Donald Trump löste zunächst eine Preisrallye bei den Industriemetallen aus. Seine Wachstumsagenda und die versprochenen Infrastrukturinvestitionen würden die Nachfrage nach Kupfer oder Aluminium antreiben, so das Kalkül der Investoren. Allein der Kupferpreis verteuerte sich im November 2016 um mehr als ein Drittel. Die grossen Infrastrukturprojekte sind bislang ausgeblieben, allein Trumps Steuerreform hat das Wachstum stimuliert, zumindest kurzfristig.

Doch nun hat der US-Präsident mit seinem Handelskrieg einen heftigen Ausverkauf bei den Industriemetallen losgetreten. Seit Anfang Juni befinden sich die Preise im freien Fall. Kupfer hat bislang 16 Prozent verloren und ist zur Wochenmitte auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gefallen.

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Kursverfall der Industriemetalle nicht ohne Brisanz

Nun fürchten die Märkte, dass Trumps Handelskrieg gegen China die globale Konjunktur gefährden könnte. Gerade erst hat er nachgelegt und gedroht, demnächst chinesische Waren mit einem Handelsvolumen von 200 Milliarden Dollar mit Zöllen zu belegen. Es wäre eine weitere Verschärfung des Wirtschaftskriegs.

Der Kursverfall der Industriemetalle ist nicht ohne Brisanz. Diese Rohstoffe sind ein verlässlicher Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Vor allem die Kurse von Kupfer reagieren intensiv auf konjunkturelle Umschwünge. Das rot glänzende Metall gilt an den Märkten als der Rohstoff mit dem Doktortitel. In der angelsächsischen Welt ist von «Dr. Copper» die Rede, der der globalen Ökonomie eine Diagnose ausstellt, die verblüffend oft sogar zutrifft. Steigende Notierungen stehen für eine gesunde Weltwirtschaft, fallende Preise sind hingegen ein Zeichen für eine gewisse Hinfälligkeit.

Keine guten Aussichten für die Konjunktur

Kupfer wird für Bau- und Infrastrukturinvestitionen benötigt und in einer Vielzahl von Produkten in der Auto- und Elektroindustrie oder dem Maschinenbau eingesetzt. Werden wichtige Aufträge storniert oder fahren die Unternehmen ihre Produktion zurück, schlägt sich das umgehend in fallenden Notierungen beim roten Metall nieder.

Vor zehn Jahren etwa brach der Kupferpreis bereits im Sommer ein, Monate bevor die Finanzkrise die Konjunktur ruinierte. Und 2009 signalisierten steigende Notierungen eine wirtschaftliche Gesundung der Welt, als viele Auguren noch mit einer jahrelangen Depression rechneten.

Gemessen daran ist der aktuelle Zustand von Dr. Copper ein böses Omen für die Konjunktur. Kupfer gehört zu den schwächsten Rohstoffen in diesem Jahr. Nur das Industriemetall Zink hat seit Januar noch schlechter abgeschnitten. Das Minus von 24 Prozent beim Zucker ist ein Sonderfall. Hier führt das gesundheitsbewusstere Verbraucherverhalten und die damit verbundene geringere Nachfrage der Industrie dazu, dass es inzwischen eine wahre Zuckerschwemme gibt.

Kupferhütte in Russland
Eine Kupferhütte in Russland.
Quelle: Stanislav Krasilnikov / Getty Images

Zinskurve könnte Rezessionswarnung sein

Doch nicht nur die Industriemetalle künden von steigenden Risiken für die globale Konjunktur. Auch ein weiterer Indikator sendet verstörende Signale aus. Es geht um die amerikanische Zinskurve, die auf den tiefsten Stand seit 2007 gefallen ist. Sie zeigt die Zinsdifferenz zwischen US-Staatsanleihen mit zehn und zwei Jahren Laufzeit. Der Renditevorsprung von lang- gegenüber kurzfristigen Anleihen ist von 1,4 Prozentpunkten im vergangenen Jahr auf lächerliche 0,27 Prozentpunkte abgestürzt.

In der Vergangenheit war ein solcher Absturz eine klare Rezessionswarnung. Normalerweise werfen länger laufende Zinspapiere deutlich mehr ab als kürzer laufende.
Der Grund ist einfach. In einer «normal» funktionierenden Finanzwelt bekommt man mehr Rendite, wenn man sein Geld für längere Zeit verleiht, als wenn man es nur kurz hergibt. Entsprechend ist die Zinsdifferenz zwischen zehnjährigen und zweijährigen Papieren in der Regel positiv. Es lässt sich sogar noch mehr aus dem Chart herauslesen. Je grösser der Unterschied zwischen den beiden Laufzeiten, desto optimistischer fällt der Blick in die Zukunft aus.

Ist die Differenz hingegen klein, spricht das dafür, dass die Zukunft weniger rosig aussieht. Fällt die Rendite der zehnjährigen US-Papiere sogar unter die der zweijährigen, stürzt die Kurve also ins Negative ab, Experten sprechen von inverser Zinskurve, würde dies auf eine schrumpfende Weltwirtschaft hinweisen. «Historisch gesehen kündigte eine inverse Zinskurve eine Rezession sehr treffsicher an», sagt Bernd Weidensteiner, Ökonom der Commerzbank. Vor jeder der letzten fünf Rezessionen war die Kurve ins Minus gerutscht.

Marktdaten könnten verzerrt sein

Ein Vorteil von Dr. Copper und der Zinskurve liegt darin, dass sie ohne zeitliche Verzögerung den Blick der Märkte auf die Zukunft abbilden, während harte wirtschaftliche Daten erst mit langer Verzögerung veröffentlicht werden.

Doch die Marktdaten könnten verzerrt sein. Nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg enthält die neue Zollliste von Trump mehr als 120 Produkte, für die grosse Mengen Kupfer benötigt werden. Entsprechend könnte der Handelsstreit dazu führen, dass der Preis für das Industriemetall übermässig stark verliert. Die Investmentbank Goldman Sachs sieht die gegenwärtige Schwäche bei den Metallen als Kaufgelegenheit.

Und der andere Indikator, die Zinskurve, könnte von den Interventionen der Notenbanken verzerrt sein. Die Europäische Zentralbank oder die Bank von Japan kaufen weiterhin Monat für Monat lang laufende Staatsanleihen, was die Renditen künstlich drückt. «Es spricht somit einiges dafür, dass die US-Zinskurve gegenwärtig kein sauberes Signal gibt», sagt Weidensteiner.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel «Kupfer im freien Fall – ein böses Omen für die Weltwirtschaft».