Guten Tag,
Es gibt auch eine gute Nachricht: Jeder einzelne Mensch kann etwas tun, um das Risiko zu reduzieren. Was?
Markus Schneider
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Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an Krebs sterben werden, ist ziemlich gross. Sie betrΓ€gt bei MΓ€nnern 28 Prozent, bei Frauen 22 Prozent. Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Krankheiten die zweithΓ€ufigste Todesursache ΓΌberhaupt. BΓΆsartig ist der Krebs, weil besonders viele Opfer besonders jung sind. Keine andere Krankheit raubt so viele Lebensjahre.
Wer lΓ€nger leben will, sollte das Krebsrisiko tunlichst meiden. Wie das geht, wissen wir eigentlich alle: Du sollst nicht rauchen, so lautet das erste Gebot. Damit reduziert man das Krebsrisiko gleich um ein Drittel. Nach dem Tabak kommt Β«wahrscheinlichΒ» β so steht es in der neuen Studie zum nationalen Krebsprogramm β die Ursache Β«ungesunde ErnΓ€hrungΒ». Du sollst nicht zu viel Fett und nicht zu viel rotes Fleisch essen, nicht zu viel Alkohol trinken. Angesagt sind frisches Obst, GemΓΌse und etwas Bewegung. Jeden Tag wΓ€hrend dreissig Minuten etwas ausser Atem kommen, das genΓΌgt schon. Β«Die sitzende Fastfood-GesellschaftΒ» (O-Ton Krebsstudie) ist Krebs erregend.
Wer gesund lebt, minimiert nicht nur das Krebsrisiko, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. So einfach ist das mit dem LΓ€ngerleben. Nur noch eine einzige Massnahme drΓ€ngt sich zusΓ€tzlich auf: Du sollst dich vor UV-Strahlung schΓΌtzen β mit Hut, Brille, SonnencrΓ¨mes. Und fertig ist die PrΓ€vention.
Aber PrΓ€vention allein genΓΌgt nicht. Ebenso entscheidend ist die FrΓΌherkennung. Beim invasiven Muttermundkrebs etwa ist das Risiko in den Ostschweizer Kantonen GraubΓΌnden, St. Gallen, Appenzell rund doppelt so hoch als in Genf, der Waadt und den beiden Basel. Warum wohl? Die Ursache liegt auch kaum darin, dass es in der Westschweiz und in Basel mehr GynΓ€kologen gibt, sondern dass diese regelmΓ€ssig einen Abstrich machen. Dasselbe bei der Mammografie: Sie ist wichtig bei der FrΓΌherkennung von Brustkrebs, wird grossflΓ€chig aber erst in der Westschweiz angewendet. In der Ostschweiz hingegen zeigen sich noch soziale Unterschiede: Die Γ€rmeren Schichten verzichten auf diese Untersuchungen β und haben prompt ein erhΓΆhtes Sterberisiko. Β«Aus Sicht einer rationalen GesundheitsversorgungΒ» mΓΌssten Abstriche und Mammografien Β«von der Franchise befreit werdenΒ», fordert das nationale Krebsprogramm.
Auch beim Darmkrebs kann die Sterblichkeit reduziert werden, wenn Polypen oder ein Krebs frΓΌhzeitig entdeckt und entfernt werden. HeimtΓΌckisch jedoch der Prostatakrebs: Hier ist die Wirksamkeit von FrΓΌherkennungsmassnahmen wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen.
Ein Restrisiko bleibt immer, trotz aller PrΓ€vention und Diagnostik. In fΓΌnf Prozent aller FΓ€lle ist das Erbmaterial schuld. Und in den andern 95 Prozent der FΓ€lle fΓ€llt es eben nicht so leicht, sich richtig zu verhalten. Das ahnen selbst diejenigen, die es eigentlich besser wissen mΓΌssten: die Γrzte. Sie haben wie die Bauern ein um 160 Prozent erhΓΆhtes Risiko, einen SchilddrΓΌsenkrebs einzufangen, was laut Studie Β«erstaunlichΒ» ist. Um 70 Prozent ist das Risiko bei Γrzten erhΓΆht, ein Melanom einzufangen. Falls Ihnen also bei der nΓ€chsten Visite wieder einmal auffallen sollte, dass ausgerechnet so viele Mediziner so braun gebrannt sind β warnen Sie Ihren Arzt.
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Markus Schneider, Journalist und Γkonom, Autor von Β«IdΓ©e suisseΒ» und Β«Weissbuch 2004Β», beide im Weltwoche Verlag erschienen.
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