Die Regulatoren von Nationalbank und Finma, weil sie das härteste Regelwerk der Welt erlassen haben und sich damit bei ihren Kollegen rund um den Globus als Musterknaben profilieren können. Die Politiker, weil ihnen der Bericht der Too-big-to-fail-Experten­kommission genügend Stoff gibt für das Wahljahr 2011, in dem das Bankengesetz geändert werden soll. Und selbst die Banken, denn die Vorschriften sind weniger hart als befürchtet: Der Swiss Finish liegt für das Kernkapital nur 40 Prozent über den internationalen Standards statt der befürchteten 70 Prozent, und die absurd lange Übergangsfrist von acht Jahren lässt für den zusätzlichen Kapitalaufbau viel, viel Zeit.

Wer allerdings eine Lösung des Too-big-to-fail-Problems erwartet hat, muss enttäuscht sein. Schon der Anspruch war vermessen. Die Frage, wie Banken aus der Staatshaftung genommen werden können, beschäftigt die Wirtschaftswelt seit Jahrhunderten und flammt bei jeder Krise neu auf. Gelöst wurde sie nie. Mehr als 2000 Seiten umfasst der Dodd-Frank Act, das jüngst verabschiedete US-Regelwerk zur Finanzregulierung, doch das Grössenproblem klammert er explizit aus. Kein Wunder: In den USA sind Bank­riesen entstanden, die in einem neuerlichen Krisenfall natürlich vom Staat gerettet ­würden. Auch das neue Basel-III-Regelwerk gibt keine Antwort auf das Problem.

Die Schweizer Lösung klingt in der Theorie gut: Im Krisenfall sollen spezielle Anleihen, sogenannte Contingent Convertibles, in Eigenkapital gewandelt und die systemrelevanten Teile ausgelagert werden. Dass dieser Mechanismus jedoch in Panikzeiten funktioniert, darf bezweifelt werden. Tatsache ist: Sollte eine Bank wieder abrupt in ­eine existenzielle Schieflage geraten, wäre der Staat gefordert. Gleiches gälte aber auch für die globalen Versicherer Swiss Re und Zurich, und es ist kaum vorstellbar, dass der Bund Novartis oder ABB im Fall der Fälle wirklich in den Konkurs schicken würde. Die ­Amerikaner haben General Motors gerettet, obwohl der Autobauer nicht systemrelevant war, die Deutschen haben eine Staatsgarantie für Opel ausgesprochen, und die Franzosen würden jedes Grossunternehmen sofort retten. Die reine Lehre der Musterknaben in Ehren, aber letztlich betreiben die Staaten in Krisenzeiten Industriepolitik und entscheiden pragmatisch. Daran ändert auch das neue Regelwerk nichts.

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