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Beziehungen

«Die Schweiz sollte froh sein, dass Macron gewonnen hat»

Finanzprofessor Mathias Hoffmann erklärt, was die Wahl Emmanuel Macrons für die Schweiz bedeutet und welche Unternehmen profitieren dürften.

Caroline Freigang

Wofür steht Emmanuel Macron? Wichtige Programmpunkte aus seinem Wahlkampf im Überblick:
Wirtschaft-, Sozial und Finanzpolitik: Der Ex-Wirtschaftsminister will das Land wettbewerbsfähiger machen, das Arbeitsrecht lockern, 120'000 Stellen im öffentlichen Dienst abbauen und in fünf Jahren 60 Milliarden Euro einsparen.
Europa: Macron strebt an, die Eurozone in einer engen Partnerschaft mit Deutschland zu reformieren. Die Eurozone mit 19 Ländern soll einen eigenen Haushalt, ein Parlament und einen Finanzminister bekommen. Diese Pläne sind zwar alles andere als neu, wurden aber bisher nicht in die Tat umgesetzt.
Einwanderung: Er will lokale Integrationsprogramme schaffen. Am aktuellen Flüchtlingskurs will er festhalten. Asylanträge sollen in höchstens sechs Monaten bearbeitet werden.
Sicherheit: Macron will 10 000 neue Polizisten einstellen und 15 000 Gefängnisplätze schaffen. Er plant, die Arbeit der Geheimdienste im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bündeln.
Atomkraft: Macron steht zum Ziel, den Atomanteil am Strommix bis 2025 von 75 auf 50 Prozent zu senken, und zur Schliessung von Fessenheim.
Verteidigung: Der Mitte-Links-Politiker steht zur Nato. Er will die Verteidigungsausgaben auf 2 Prozent der Wirtschaftskraft steigern.
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Wofür steht Emmanuel Macron? Wichtige Programmpunkte aus seinem Wahlkampf im Überblick: Wirtschaft-, Sozial und Finanzpolitik: Der Ex-Wirtschaftsminister will das Land wettbewerbsfähiger machen, das Arbeitsrecht lockern, 120'000 Stellen im öffentlichen Dienst abbauen und in fünf Jahren 60 Milliarden Euro einsparen. RMS

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Herr Hoffmann, was bedeutet die Wahl Emmanuel Macrons für die Handelsbeziehungen der Schweiz?

Mathias Hoffmann*: Für die Schweiz wird das Verhältnis zu Europa nicht einfacher. Macron wird ein anspruchsvoller Partner. Er stärkt das liberale Europa und die EU-Position in den Brexit-Verhandlungen. Die Schweiz sollte sich wenig Hoffnung auf Zugeständnisse der EU bei der Personenfreizügigkeit oder bei den Neuverhandlungen der bilateralen Verträge machen. Grundsätzlich sollte die Schweiz aber froh sein, dass Macron gewonnen hat. Einem kleinen Land wie der Schweiz ist mit seiner Agenda der Offenheit besser gedient als mit einer Agenda der Abschottung. Macron sorgt für Stabilität. Die Schweizer Europa- und Wirtschaftspolitik dürfte besser planbar werden.

Welche Schweizer Unternehmen dürften von seiner Wahl profitieren?
Allen voran die Exportwirtschaft. Der Franken ist Europas Fluchtwährung und durch die Wahl eines für Stabilität stehenden pro-europäischen Kandidaten nimmt der Aufwertungsdruck auf den Franken vorerst ab. Das stabilisiert die Wettbewerbssituation für Schweizer Unternehmen. Mittelfristig wird der Aufwertungsdruck auf den Franken allerdings erst nachlassen, wenn die Europäische Zentralbank aus ihrer ultralockeren Geldpolitik aussteigt und damit die Grundlage für eine nachhaltige Aufwertung des Euros schafft.

Dürfte das mit der «Rettung Europas», wie einige die Wahl Macrons bezeichnen, anstehen?
Es wird zumindest erwartet, dass die EZB nun über einen Ausstieg aus dem Quantitative Easing nachdenkt. Die Eurozone boomt und viele Analysten verbinden mit dem pro-europäischen Ausgang der Frankreich-Wahl die Erwartung, dass auch die lockere Geldpolitik der EZB nicht mehr nötig sein wird, weil das makroökonomische Grossrisiko eines Auseinanderfallens der Währungsunion wegfällt. Ich denke aber nicht, dass EZB-Präsident Mario Draghi überhastete Schritte machen wird.

Wieso?
Alle europäischen Länder wachsen, der Aufschwung im Euroraum ist zwar breit abgestützt, aber noch eher langsam. Es wäre verfrüht, sofort Schritte einzuleiten und die Geldpolitik zu straffen. Zudem braucht Macron für seinen Doppelkurs von Haushaltskonsolidierung und sozialer Absicherung budgetären Spielraum. Dieser würde mit höheren Zinsen enger. Das weiss auch die EZB. Sie wird Europas aktuellem Hoffnungsträger die Arbeit nicht unnötig erschweren wollen.

Was bedeutet Macron - als ehemaliger Banker - für den Schweizer Finanzplatz?
Macron ist ein Linksliberaler und verdankt seinen Erfolg eben auch vielen Wählern der Linken. Er wird also in internationalen Steuerfragen wahrscheinlich sehr entschlossen auftreten. Das betrifft die Schweiz direkt. Mit dem Brexit wittern die Franzosen zudem die Möglichkeit,  einen Grossteil des Finanzgeschäfts aus London auf den Kontinent zu holen. Ob diese Rechnung so aufgeht ist zwar fraglich. Aber sie bestimmt die Position Frankreichs und der EU in den Brexit-Verhandlungen. Und das betrifft die Schweiz indirekt, denn die Brexit-Verhandlungen sind derzeit die Schlüsselfrage, der die EU die Fortentwicklung ihres Verhältnisses zu anderen Ländern, wie etwa der Schweiz, letztlich unterordnen wird.

Die Märkte haben eher unbeeindruckt auf die Wahl reagiert. Wie erklären Sie sich das?
Die grossen Bewegungen am Markt kamen nach der ersten Wahlrunde, der Ausgang der zweiten Runde war erwartet und vermutlich eingepreist. Die unmittelbare Angst vor Experimenten von Marine Le Pen ist weg. Das schafft Entlastung. Gleichzeitig lasten, wie seinerzeit bei Obama, hohe Erwartungen auf Macron. Diese überzogenen Erwartungen sind die grösste Gefahr für seine Amtszeit.

Besteht die Gefahr, dass Macron – wie sein Vorgänger François Hollande – nach der Anfangseuphorie enttäuscht?
Macron hat mit 66 Prozent der Stimmen ein starkes Mandat. Und er steht für einen Generationenwechsel. Es ist zwar besorgniserregend, dass immer noch ein Drittel der Wähler Marine Le Pen gewählt haben. Aber es ist ebenso bemerkenswert, dass eine entschlossene, pro-europäische, liberale, politische Bewegung, die aus dem Nichts kommt, sich erfolgreich dem europafeindlichen Rechtsradikalismus und Linkspopulismus entgegenstellen kann. Und Macron hat im Gegensatz zu anderen Kandidaten Zeit, um seine Pläne umzusetzen. Er ist jung. Wenn es ihm gelingt, in der Mitte eine neue liberale politische Kraft zu schaffen, kann er Frankreich und Europa auf Jahrzehnte prägen. Mit seinen Ideen zu einer vertieften Integration der Eurozone setzt  er bereits jetzt die Deutschen unter Druck, die mit ihrem einseitigen Fokus auf Austerität derzeit keine positive Vision einer Weiterentwicklung der Eurozone haben.

Macron war Wirtschaftsminister unter Hollande, der besonders für seine Wirtschaftspolitik kritisiert wurde. Wieso sollte er jetzt mit seiner Politik Erfolg haben?
Macron hat sich während der Zeit unter Hollande die Zähne ausgebissen - und weiss, was er verändern will. Im Gegensatz zu Hollande, der damals einen Wahlkampf weit links der Mitte geführt und dann mitten in seiner Amtszeit die Richtung gewechselt und damit seine Basis verloren hat, kündigt Macron von Anfang an Reformen an. Und er schafft sich gerade eine neue politische Plattform, die auf seine linksliberale Agenda zugeschnitten ist. Das war ja bei Hollande und seiner Parti Socialiste anders. Er hatte zwar formell eine parlamentarische Mehrheit, aber letztlich seine Partei nicht hinter sich.

Ob Macron diese Reformen durchsetzen kann, hängt auch von der Parlamentswahl im Juni ab. Hat er Chancen auf eine Mehrheit?
Ich möchte das nicht ganz ausschliessen. Man sollte das Momentum hinter seiner Bewegung derzeit nicht unterschätzen. Es ist in Frankreich nicht unüblich, dass Politiker ihre Partei wechseln. Parteilose könnten ausserdem zu Macrons Bewegung überlaufen. Zumal die traditionellen Parteien ja in einer existenziellen Krise stecken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es aber eine Form von «Cohabitation» im Parlament geben, sprich, dass der Premierminister von einer anderen Partei gestellt wird. Selbst wenn er keine Mehrheit holt, könnte Macrons «En Marche» immer noch die grösste Gruppierung im Parlament stellen. Damit hätte er immer noch ein respektables Mandat für sein sozial abgefedertes Reformprojekt und Verhandlungsspielraum nach rechts und links.
























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*Mathias Hoffmann ist Professor für Internationalen Handel und Finanzen an der Universität Zürich.
Die heissesten Favoriten für Macrons Regierung sehen Sie in der Bildergalerie unten:
Das sind die Favoriten für Emmanuel Macrons Regierung:
Die High Potentials:
Alexis Kohler gilt als heisser Kandidat für den Posten des Stabschefs. Der 44-Jährige hatte diese Funktion bereits übernohmen, als Emmanuel Macron Wirtschaftsminister war. Aktuell regelt er beim Kreuzfahrtriesen MSC die Finanzen.
Julien Denormandie (li.) hat ebenfalls bereits für Macron gearbeitet, als dieser Teil der Regierung war. Der 36-Jährige beriet Macron in Handelsfragen und könnte auch jetzt wieder einen Posten als Experte für dieses Feld übernehmen.
Die Erfahrenen:
Richard Ferrand zählt zu den ersten Unterstützern Macrons und half ihm, seine Bewegung «En marche!» im April 2016 zu gründen. Der 54-Jährige verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte an Erfahrungen in der Politik und sitzt seit 2012 im Parlament. Er könnte einen wichtigen Kabinettsposten besetzen.
Gerard Collomb ist ein sozialistischer Senator und Bürgermeister von Lyon. Er zählt ebenfalls zu den ersten Unterstützern Macrons und hat dafür gesorgt, dass dieser in Frankreichs drittgrösster Stadt in der ersten Runde bereits 30 Prozent bekam. Der 69-Jährige ist der Älteste in Macrons innerem Zirkel und einer der möglichen Kandidaten für das Amt des Premiers.
Jean Pisani-Ferri bringt ebenfalls viel Erfahrung mit: Der 65-Jährige hat für die Europäische Komission und den IWF gearbeitet und war von 2005 bis 2013 Präsident des belgischen Thinktanks Bruegel. Ausserdem war er unter Präsident François Hollande für das Komitee für Langeitzeitpolitik verantwortlich.
Mögliche Priemierminister:
Sylvie Goulard (re.) unterstütze Macron früh. Die 52-Jährige sitzt im Komitee für Wirtschaft und Finanzfragen im Europaparlament. Sie spricht Deutsch und Englisch.
Xavier Betrand ist ein Republikaner aus Nordfrankreich, der Marine Le Pen 2015 bei den Regionalwahlen ausgestochen hat - und das im Herzen des Stammwählerlandes der Front National. Er steht im Ruf, oft über Parteigrenzen hinaus zu kooperieren.
Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sprach sich noch vor dem ersten Wahlgang für Macron aus und zog diesen damit dem Kandidaten der eigenen Partei vor. Er findet bei weiten Teilen der Wählerschaft Anklang und ist über das Meinungspektrum verteilt als einer der fähigsten Politiker anerkannt.
Valerie Pecresse ist die Vorsitenzende der Republikaner in der Region Paris. Unter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy war sie Ministerin. Aktuell konzentriert sie sich darauf, vom Brexit zu profitieren, indem sie Unternehmen zum Umzug nach Paris überzeugt. Bilder: Keystone/Twitter/CC
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Das sind die Favoriten für Emmanuel Macrons Regierung: Die High Potentials: Alexis Kohler gilt als heisser Kandidat für den Posten des Stabschefs. Der 44-Jährige hatte diese Funktion bereits übernohmen, als Emmanuel Macron Wirtschaftsminister war. Aktuell regelt er beim Kreuzfahrtriesen MSC die Finanzen. RMS

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