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Gleichstellung 
Die Geduld der Frauen ist am Ende

Diversität am Arbeitsplatz
Reden über gemischte Teams war gestern, heute sollten sie endlich Realität werden. Quelle: Getty Images

Frauen wollen endlich gleiche Löhne und Karrierechancen – wenn es sein muss: auch mit Hilfe von Quoten.

Florence Vuichard
Von Florence Vuichard
02.08.2018

Gemischte Teams arbeiten besser, sind erfolgreicher. Eine banale Erkenntnis, die heute auf keiner PowerPoint-Präsentation und in keinem Management-Ratgeber fehlen darf. Doch bekanntlich ist Papier geduldig, und so sieht denn die Realität ganz anders aus: Noch immer werden hierzulande die Teppichetagen von Männern dominiert.

Oder wie es Justizministerin Simonetta Sommaruga jüngst in einer Nationalratsdebatte ausdrückte: «Männer wählen Männer. Das ist eine Tatsache, das ist menschlich – oder männlich.» Auch wenn eben gerade diese Männer seit Jahren respektive Jahrzehnten versprechen, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt hätten und mehr für Frauenkarrieren tun würden.

Das Resultat ist ernüchternd: Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der grössten Schweizer ­Firmen liegt noch immer bei unter 20 Prozent, wie die Zahlen des neusten Schillingreports zeigen. Und in den Geschäftsleitungen ist der Anteil gar wieder gefallen – von mickrigen acht auf noch mick­rigere sieben Prozent.

Freiwilligkeit wirkt nicht

Fazit: Die freiwilligen Rezepte ­haben nicht gewirkt – weder beim Zugang zur Chefetage noch bei der Lohngleichheit. «Ich denke, 37 Jahre Zeit für Selbstverantwortung – das wäre doch eigentlich genug, oder?», sagte SP-Ständerätin Anita Fetz in Bezug auf die Differenz zwischen Männer- und Frauenlöhnen.

Ein Befund, der neu auch von bürgerlichen Männern geteilt wird – nicht zuletzt auf Druck von bürgerlichen Frauen. So räumte etwa Ständerat ­Werner ­Lu­ginbühl (BDP) ein, dass er zu Beginn der Diskussion nicht wirklich sicher gewesen sei, ob Handlungsbedarf bestehe. Nach vielen Gesprächen sei er «heute dezidiert der Meinung, dass die Politik handeln muss».

Frauenquoten light

Und sein Ratskollege Konrad Graber (CVP), der noch im Frühjahr das Geschäft mittels Rückweisungsantrag verzögert hatte, gab «selbstkritisch» zu, dass dies keine «politische Sternstunde» war. Und so sprachen sich der Ständerat in dieser Sommersession für Lohnkontrollen und der Nationalrat für eine Art «Frauenquoten light» aus, also Vorgaben für rund 200 börsenkotierte Firmen, die aber bei Nichterfüllen keine Sanktionen nach sich ziehen.

Zwei Erfolge für Sommaruga, vor allem aber zwei Signale, dass die Geduld der Frauen am Ende ist. Die Probleme lassen sich nicht länger mit wortreichen Versprechungen auf später verschieben – umso weniger, als die Männer den Frauen bei der AHV-Revision ja eine Rentenaltererhöhung schmackhaft machen möchten.

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