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Datenmissbrauch 
Die Firma, die millionenfach Facebook-Profile anzapfte

Cambridge Analytica
Cambridge Analytica: Die jüngste Datenaffäre rund um die britische Analysefirma setzt Facebook unter Druck.Quelle: Keystone

Cambridge Analytica soll private Daten von Millionen Facebook-Nutzern rechtswidrig genutzt haben. Doch was macht die britische Datenanalysefirma genau? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Veröffentlicht 20.03.2018

Die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica steht im Zentrum der neuen Facebook-Datenaffäre. Die Firma soll die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern genutzt haben, um 2016 den US-Wahlkampf von Donald Trump zu unterstützen. Deshalb sollen nun die Büroräume von Cambridge Analytica in London durchsucht werden. Auch Facebook kündigte eine Überprüfung an. Im Folgenden einige Informationen zu dem Unternehmen:

Welchen Ursprung hat die Firma?
Cambridge Analytica ist ein Ableger der SCL Group, die sowohl Aufträge von der Regierung als auch dem Militär annimmt und von sich selbst sagt, von der Forschung zur Lebensmittelsicherheit bis zu politischen Kampagnen alles anzubieten. Cambridge Analytica wurde der «New York Times» zufolge vor etwa fünf Jahren gegründet und konzentrierte sich zunächst auf US-Wahlen. Der republikanische Milliardär Robert Mercer stellte demnach 15 Millionen Dollar bereit, der Name sei durch den späteren Trump-Berater Steve Bannon gewählt worden. Bevor die Firma Trump im Wahlkampf unterstützte, soll sie der Zeitung zufolge dem republikanischen Senator Ted Cruz geholfen haben.


Was macht die Firma?
Cambridge Analytica wirbt damit, für Kunden aus Politik und Wirtschaft Verbraucherstudien zu erstellen sowie personalisierte Werbung und andere datenbezogene Dienstleistungen anzubieten. Auf der Internetseite werden als Beispiele für Auftraggeber eine Tageszeitung genannt, die mehr über ihre Abonnenten wissen möchte, sowie ein US-Autoversicherer, der sich selbst besser vermarkten will. Als Standorte sind Büros in New York, Washington, London, Brasilien und Malaysia aufgeführt.


Was wird der Firma vorgeworfen?
Die «New York Times» und der britische «Observer» berichteten am Wochenende, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern angezapft haben soll. Dabei seien sowohl die Nutzer als auch Facebook betrogen worden. Den Zeitungen zufolge wurden die Informationen durch eine von dem britischen Wissenschaftler Aleksandr Kogan entwickelte Anwendung abgegriffen. Etwa 270'000 Menschen haben die Anwendung laut Facebook runtergeladen, die dann sowohl auf ihre Daten als auch die ihrer Freunde Zugriff hatte. Kogan gab die Informationen dann an Cambridge Analytica weiter, wie sowohl die Firma als auch Facebook mitteilten. Kogan konnte nicht zu einer Stellungnahme erreicht werden.

Cambridge Analytica hatte nach eigenen Angaben zunächst nichts von einem Verstoss gegen Facebooks Bestimmungen gewusst. Als die Firma dies 2015 entdeckt habe, seien die Daten gelöscht worden. Dagegen berichteten die beiden Zeitungen, die Informationen seien nicht entfernt worden. Facebook überprüft nun die Beschuldigungen.


Was passiert als nächstes?
Facebook hat externe Prüfer damit beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. Zugleich teilte das soziale Netzwerk mit, sowohl Cambridge Analytica, als auch die Muttergesellschaft SCL, Kogan sowie einen weiteren ehemaligen Mitarbeiter von Cambridge Analytica wegen des Verstosses gegen Unternehmensregeln von der Plattform verbannt zu haben. Möglicherweise muss Facebook mit der Untersuchung bis zum Ende der Ermittlungen der Regierungsbehörden warten. Die britische Datenschutzbehörde plant eine Durchsuchung der Büroräume und hat Facebook aufgefordert, solange abzuwarten. Generalstaatsanwälte aus den US-Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut ermitteln mittlerweile, wie mit den Facebook-Daten umgegangen wurde. Auch das Büro des Generalstaatsanwalts in Kalifornien, dem Unternehmenssitz von Facebook, hat Bedenken geäussert.

(reuters/ccr)

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