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Die 300 Reichsten: Top Ten

Ernesto Bertarelli mit seiner Frau Kirsty.

141,0 Milliarden! «Noch reicher – das geht nicht», titelten wir vor einem Jahr. Geht doch! Allein die Top 4 legten um 20 Milliarden zu. Und der Rest blieb stabil.

Veröffentlicht am 23.11.2012

 

Ingvar Kamprad VD, Möbel, Immobilien, Finanzdienstleistungen
38–39 Milliarden

Gleichgültig, ob sich der konservative ­Senior Ingvar Kamprad (86) oder seine spendierfreudigen Söhne Peter (48), Jonas (46) und Mathias (43) mit ihren Zukunftsmodellen für den Familienkonzern durchsetzen: Das finanzielle Fundament von Ikea, dem grössten Möbelhaus der Welt mit mehr als 330 Verkaufshäusern, ist äusserst solid. Nach internationalen Standards bewertet, dürfte das schweizerisch-schwedische Konglomerat mit ­seinen fintenreich verdeckten Steuer­sparbüchsen in Holland, Liechtenstein und Luxemburg glatt doppelt so viel ­abwerfen wie von den hauseigenen ­Versteckspielern kommuniziert. Imposant wirken dabei nur schon die verschämt eingeräumten Profite: Knapp zwölf Prozent sägten die Zahlenakro­baten offiziell von den weltweiten ­Verkaufserlösen in Höhe von 25 Milliarden Euro ab, also 3 Milliarden.

Was die Einrichter allerdings hinter der blickdichten Gardine vor Druck‑legung des Geschäftsberichts alles weggezaubert haben, ist unbekannt. Wie Kamprads eigene Möbelschreinereien unter dem Namen Swedwood mit weltweit rund 16 500 Mitarbeitenden kalkulieren und garantiert gewinnreich abschneiden, bleibt ebenso unter dem Deckel wie die Berechnung der Pachten für die eigenen Verkaufshäuser. Als oberste Maxime in Kamprads Reich gilt: Steuern optimieren. «Je mehr Steuern wir einsparen, desto mehr Geld verbleibt innerhalb des Unternehmens und desto mehr können wir ­investieren», diktierte der alte Schwede BILANZ jüngst in einem seiner seltenen Interviews.

Dass Liquidität bei Ikea im Überfluss verfügbar ist, zeigen milliardenteure ­Investitionen. Eine Grossbaustelle in ­London, wo ein Kamprad-Ableger mit Namen Landprop Holdings auf gut 100 000 Quadratmetern Bauland einen ­ganzen Stadtteil aus dem Boden stampft, symbolisiert die Solvenz der Multimilliardäre. Mehrheitlich geschäften die Kamprads längst schon als Schweizer. Während der Patriarch aus Steuergründen seinen schwedischen Pass hütet, haben die drei Nachkommen das hiesige Bürgerrecht erworben.

 

Familie Brenninkmeijer ZG/ZH/BL, Textilhandel, Immobilien, erneuerbare Energien
12–13 Milliarden

Ganze Generationen von Grossmeistern der Schneiderkunst aus der zahlreichen Nachkommenschaft der Gebrüder ­Clemens und August Brenninkmeijer, Gründer des Textilhandelsunternehmens C&A, haben ihre Fotophobie ausgelebt. Wenn aber einer der Ihren mit Prinzessin Carolina von Bourbon-Parma eine Nichte der niederländischen Königin ­Beatrix zum Traualtar führt, muss zwangsläufig der Schleier fallen. So gab es für Albert Brenninkmeijer (38), seit ­August Chef der C&A-Filialen in der Schweiz, kein Entrinnen. Dutzende Fotografen gingen vor der Basilica di San ­Miniato al Monte in Florenz in Stellung und lichteten nach der katholischen Trauung das Traumpaar ab.

Weiterhin unerkannt kann hingegen die wachsende Schweiz-Fraktion am ­internationalen Holdingsitz der Familie in Zug promenieren. In der Grafenau­strasse stricken etliche Mitglieder aus der verzweigten Familie bei der Cofra ­Holding an Zukunftsmodellen für den breit diversifizierten Konzern. Neben dem angestammten Textilhandel mit 6,8 Milliarden Euro Umsatz in europaweit rund 1500 Filialen glänzt das Immobi­lienportfolio. Etwa 650 eigene Geschäftshäuser werden mit 7,1 Milliarden Euro Verkehrswert taxiert.

Bekennende Weltverbesserer des Clans wie der in Arlesheim wohnhafte Marcel Brenninkmeijer spannen mehr oder weniger erfolgreich ein Netz von Schaltstellen im Business der erneuer­baren Energie. Beim einst gepriesenen Vorzeigemodell Q-Cells gingen die Lichter aus; die Firmentochter Good Energies musste kräftige Abschreiber vornehmen. Der amtierende Chefstratege Maurice ­Brenninkmeijer dürfte bei der Holding in Zug gleichwohl ansehnlich gestopfte Sparstrümpfe pflegen, seit einigen ­Wochen übrigens assistiert von Philippe Brenninkmeijer, Bruder des frisch ­vermählten C&A-Schweiz-Chefs.

 

Jorge Lemann ZH/Brasilien/USA, Bier, Fast Food, Beteiligungen
17–18 Milliarden

Er ist unter den 300 Reichsten der grösste Aufsteiger. Jorge Paulo Lemann vermochte innert Jahresfrist sein Vermögen um nicht weniger als zehn Milliarden Franken zu steigern. Den gewaltigen Zuwachs verdankt der Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten Emmentaler Käsehändlers seiner Beteiligung von ­geschätzten 13 bis 15 Prozent an Anheuser-Busch InBev; diese hält er über ein kaum zu ­entwirrendes Geflecht von ­Beteiligungsfirmen.

Die Aktien des weltgrössten Braukonzerns, der vor allem dank den von Lemann inszenierten Zukäufen zu heutiger Grösse aufgeschäumt ist, haussierten innert Jahresfrist um zeitweise gegen 80 Prozent. Lemanns bierseliges Paket repräsentiert einen ­Börsenwert von wohl gegen 17 Milliarden. Auch sonst gehört der 73-Jährige zu den grossen Firmendealern. Über die mit seinen Partnern Marcel Telles und Carlos Sicupira aufgebaute Beteiligungsfirma 3G Capital hat der Brasilien-Schweizer 2010 den Whopper-Brater Burger King für vier Milliarden Dollar geschluckt.

In diesem Jahr wurden 29 Prozent der Aktien für 1,4 Milliarden versilbert und vom Käufer an die Börse gebracht. Die von 3G Capital gehaltene Beteiligung ist 3,4 Milliarden wert. Dank Bier und Burgern rückt Jorge Lemann, der den grössten Teil des Jahres am Zürichsee lebt, auf Rang zwei der 300 Reichsten vor.

 

Familien Hoffmann und Oeri BS, Pharma
16–17 Milliarden

Bei Roche ging 2012 eine Ära zu Ende: Der traditionsreiche Standort Nutley an der amerikanischen Ostküste wurde ­geschlossen. Der Campus im Bundesstaat New Jersey diente dem von den Familien Hoffmann und Oeri beherrschten Schweizer Pharmakonzern während 80 Jahren als US-Hauptquartier. Als neue Schaltstelle in den USA wurde in den letzten drei Jahren das kalifornische Biotechunternehmen Genentech aufgebaut. Die Verlagerung der ­Organisation von der Ost- an die Westküste war das Werk von Pharmachef Pascal Soriot, der Roche im Herbst verlassen hat. Neu an der Spitze der Pharmadivision steht nun der Amerikaner Daniel O’Day, der seine Karriere 1987 bei Roche USA startete.

 

Viktor Vekselberg ZG, Beteiligungen
14–15 Milliarden

Der Verkauf seines Anteils von 12,5 Prozent am russisch-britischen Erdölförderer TNK spült Viktor Vekselberg 6,5 Milliarden Franken in die Kasse, deutlich mehr, als Marktbeobachter erwarteten. Das Geld solle, so sagt der 55-jährige russische Oligarch, «in Aktivitäten in den Bereichen Spitzentechnologie, Biomedizin, Alternativenergie sowie in ­In­frastrukturprojekte in Russland investiert werden». In der Nähe Moskaus treibt er den Aufbau des Forschungszentrums Skolkovo voran, seinen Wohnsitz hat er in Zug.

Wo befindet sich nun sein Lebensmittelpunkt? Diese Frage warf das Grundbuchamt Zug auf, als sich Vekselberg als Eigentümer seiner neuen Wohnung mit Blick über den Zugersee eintragen lassen wollte. Eine lokale Verankerung ist die Voraussetzung dafür, dass Ausländer in der Schweiz Wohneigentum ­erwerben dürfen. Die Abklärungen des Amts sind noch nicht abgeschlossen.

Mehr Freude bereiten die zwei grössten Beteiligungen in der Schweiz, die Industriekonzerne Sulzer (31 Prozent) und OC Oerlikon (49 Prozent). Diese bescherten dem Russen einen Buchgewinn von rund einer Milliarde. Vekselberg hält überdies knapp sieben Prozent am Aluminiumproduzenten Rusal und ist über seine Renova Group Mehrheitseigner von Integrated Energy Systems, dem grössten privaten Elektrizitäts- und Gasversorger Russlands.

 

Familie Bertarelli BE/GB, Beteiligungen
10–11 Milliarden

Ein glänzendes Comeback im Medizinsektor scheint Ernesto Bertarelli (47) zu gelingen. Sechs Jahre nach dem Verkauf der ererbten Genfer Biopharmazie-Gruppe Serono für rund zehn Milliarden Franken an den deutschen Merck-Konzern darf sich der Segler aus dem Berner Oberland mit ­Ankerplatz auch in Britannien wieder mit einem Superlativ im Gesundheitssektor brüsten. Die über sein Investmentvehikel Ares Life ­Sciences (ALS) zugekaufte ­Firmengruppe Euromedic ­International mit Sitz in ­Amsterdam und Ablegern in fünfzehn europäischen ­Ländern rühmt sich als ­Branchenprimus in der Labor- und Diagnosemedizin.

Mehr als 3800 Fachärzte und medizinisch-technische Assistenten in rund 200 diagnostischen Instituten bieten Untersuchungen an, von Ultraschall über Röntgen bis zu Computertomografie. In der Schweiz bietet eine Euromedic-Tochter ihr weites Spektrum von Untersuchungen in bislang acht Medizinzentren an. Der Markteintritt begann mit dem Erwerb von drei Instituten im Wallis, gefolgt von Zukäufen radiologischer Diagnosezentren in den ­Kantonen Genf und Freiburg. Rund laufen offenbar auch Ausflüge ins Sport- und Hotelbusiness, die Schwester Dona Bertarelli (44) steuert.

 

Hansjörg Wyss GE/USA, Medizinaltechnik
9–10 Milliarden

Zeitlebens scheute Hansjörg Wyss die Öffentlichkeit: ­Auftritte hatten Seltenheitswert, Interviews gab er nur in Ausnahmefällen. Da war es eine grosse ­Überraschung, dass der ­mittlerweile 78-jährige Berner im Juni am Swiss Economic Forum in ­Interlaken auftrat und aus dem Nähkästchen plauderte.

Für Erheiterung sorgte der Unternehmer, als er aus ­seinen Schulzeugnissen im Berner Gymnasium zitierte: «Promotion gefährdet», ­«Promotion unsicher», ­«ungenügender Leistungen wegen verwarnt», hiess es da. Vielleicht hatte die ungewohnte Offenheit damit zu tun, dass wenige Tage später sein ­Lebenswerk Synthes ­end­gültig in neue Hände ­überging: 19,7 Milliarden Franken liess sich ­Johnson & Johnson die Übernahme des Medizinaltechnikunternehmens schliesslich kosten; Gründer Wyss erhielt davon knapp die Hälfte. Damit ­unterstützt er rund hundert grösstenteils gemeinnützige Institutionen, von der Klinik Balgrist über die ­Fondation Beyeler bis zur Harvard ­University. Bei der Genfer Friedensorganisation ­PeaceNexus engagiert er sich seit kurzem sogar im Stiftungsrat. Seit einiger Zeit ist er auch sonst oft in Genf anzutreffen – seine ­Partnerin Anne Gloor wohnt dort.

 

Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein FL, Bank, Beteiligungen, Immobilien, Kunst
7–8 Milliarden

Die Dinge laufen gut für das Fürstenhaus von und zu Liechtenstein – politisch und wirtschaftlich: Im Sommer haben 76,1 Prozent der Stimmberechtigten das ­fürstliche Vetorecht gestützt. Der Monarch hat also weiterhin das letzte Wort im Ländle. Und die Fürstenbank LGT konnte im ersten Halbjahr den Konzerngewinn um 58 Prozent auf 130 Millionen Franken steigern und 5,5 ­Milliarden Netto-Neugeld­zufluss verbuchen. Mitte 2012 verwaltete die LGT 94,7 ­Milliarden Franken an ­Vermögenswerten, mehr als die Hälfte davon an den internationalen Standorten.

Stark ist der Neugeld­zufluss vor allem im Zukunftsmarkt Asien. Das Geldhaus verwaltet auch das Anlagevermögen des Fürstenhauses im Wert von 2,5 Milliarden. Auf rund 4 Milliarden schätzen Experten den Wert der fürstlichen Kunstsammlungen. Ein kleiner Teil davon ist in einem der stilgerecht renovierten ­Familienpalais in Wien zu besichtigen. In Österreich besitzt das Fürstenhaus weitere Sachwerte mit grossen Ländereien und Forstbetrieben, ferner eine Saatgutproduzentin ­(RiceTec) in den USA. Der Landesfürst Hans-Adam, ein HSG-Absolvent, hat sein Haus wohl bestellt.

 

Gennadi Timtschenko GE, Energiehandel, Beteiligungen
7–8 Milliarden

Innerhalb weniger Jahre stieg Gennadi Timtschenko (60) zu einem wichtigen Akteur im globalen Energiemarkt auf. Der Finne mit russischen ­Wurzeln gründete 1997 zusammen mit dem Schweden Torbjörn Törnqvist die Erdölhandelsfirma Gunvor. Der Konzern, der in über 35 Ländern tätig ist und zu den weltweiten Marktführern zählt, ­gehört den beiden in Genf wohnhaften Milliardären zu je 46 Prozent. In den vergangenen Jahren ­erwarb Tim­tschenko zur Diversifikation seines Vermögens Beteiligungen aus der Minenindustrie, dem Bau-, dem ­Versicherungs- und dem ­Lebensmittelbereich, der ­Petrochemie, der Hotellerie sowie der Luftfahrt. Er hält über die von ihm kontrollierte Luxemburger Firma Volga Resources 23 Prozent an Novatek.

Die Aktien des grössten ­unabhängigen russischen Gasproduzenten Novatek, der Nummer zwei hinter der staatlich kontrollierten Gazprom, ­stehen unter Druck, und haben im Jahresvergleich gegen 30 ­Prozent an Wert ­eingebüsst. Dennoch hat das Aktienpaket immer noch einen Börsenwert von mehr als fünf Milliarden Euro.

 

Klaus-Michael Kühne SZ, Logistik
6–7 Milliarden

Der 75-jährige Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne hat mit der Abgabe des Präsidiums von Kühne + Nagel an Karl Gernandt (52) seine Ablösung in der Firma umgesetzt, bleibt aber weiterhin aktiv. Vor allem in seiner Heimatstadt Hamburg wirkt Kühne gleich an mehreren Fronten. Der Fussballfan und Anhänger des Hamburger SV war massgeblich daran beteiligt, dass der holländische Mittelfeldstar Rafael van der Vaart zum Club zurückkehrte. Zur Ablösesumme von 13,5 Millionen Euro steuerte Kühne ein Dar­lehen von acht Millionen bei. Um die Hamburger Traditionsreederei ­Hapag-Lloyd vor asiatischen Investoren zu retten, investierte er in den letzten Jahren über 400 Millionen Euro. Nun soll Hapag-Lloyd an die Börse, was allerdings kaum vor 2014 der Fall sein wird. Dabei wirbt Kühne weiterhin für den Zusammenschluss mit einem lokalen Branchenplayer, am liebsten mit der zur Oetker-Gruppe gehörenden Reederei Hamburg Süd.

Wichtig sind für den kinderlosen Milliardär mit Wohnsitz in Schindellegi SZ über dem Zürichsee auch seine ­beiden Stiftungen. So finanziert er in Hamburg die Kühne Logistics University, an der im September die ersten 24 ­Absolventen den Masterstu­diengang abgeschlossen haben. Der Opernfan unterstützte zudem die Koproduktion der Oper «Fürst Igor», die im Frühling in Zürich und im Herbst in Hamburg aufgeführt wurde. In der Schweiz setzt er sich für medizinische Projekte ein, etwa für die Allergieforschung am Christine Kühne Center for Allergy Research and Education in Davos.

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