Abo

Dfinity: Das versprochene IT-Wunder lässt auf sich warten

Dfinity gilt als das ehrgeizigste IT-Projekt des Landes. Doch das Start-up kommt kaum voran. Die Enttäuschung in der Community ist gross.

Marc Kowalsky

Dominic Williams
«Wenn die Leute das System in Betrieb sehen, werden sie sprachlos sein»: Dominic Williams. monica semergiu
Das Leben kehrt langsam zurück in die 1000 Quadratmeter grossen Offices an der Zürcher Stockerstrasse. Wochenlang waren die drei Stockwerke mit den Teppichplatten im Parkettlook verwaist, die 34 Mitarbeiter arbeiteten von zu Hause aus. Zwar hatte die Pandemie keine grossen Auswirkungen auf das Start-up Dfinity, dennoch hängt das gegenwärtig wohl ehrgeizigste IT-Projekt des Landes weit hinter dem Zeitplan. «Wir wollen das Internet neu erfinden», sagt Dominic Williams (49), und er meint es ganz unbescheiden ernst.
Dfinity entwickelt einen gigantischen virtuellen Computer (Williams nennt ihn «Internetcomputer»), bestehend aus einem dezentralisierten Netz von Rechnern, die durch das Blockchain-Protokoll verbunden sind. Er soll eine neue Art von Cloud Computing ermöglichen – massiv günstiger, verlässlicher und sicherer als die bestehenden Lösungen der grossen Techkonzerne. Ein Schritt, den Williams in einer Reihe sieht mit den Technologiesprüngen vom Mainframe zum PC zum Internet zum Cloud Computing. Dfinity baut dabei nicht selber Hardware, sondern nur die Softwarearchitektur. Dafür konnte Williams, wie er es nennt, «eines der besten und am stärksten konzentrierten Technologieteams in der Welt» zusammenstellen, unter anderem mit Kryptografieexperten der ETH, von Google und IBM. Einmal gestartet, soll das Protokoll autonom auf Rechenzentren Dritter ablaufen, die dafür mit Kryptogeldern entschädigt werden.
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

Werbung