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Datenschutz: Microsoft soll Standortdaten gespeichert haben

Offenbar überwacht auch Microsoft seine Kunden - der Konzern wurde deshalb verklagt. (Bild: Keystone)

Nach Apple und Google steht auch Microsoft unter dem Verdacht, heimlich Bewegungsprofile von Smartphone-Besitzern gespeichert zu haben. In Washington läuft nun ein Zivilprozess gegen den Konzern an.

Veröffentlicht 02.09.2011

Nachdem bekannt wurde, dass Geräte von Apple und die Android Software von Google heimlich Standortdaten der Benutzer speichern, wurden nun die gleichen Mechanismen beim Betriebssystem Windows 7 von Microsoft entdeckt.

Eine Frau aus dem Bundesstaat Michigan wirft dem Konzern laut Anklageschrift vor, dass unter dem Betriebssystem Windows 7 laufende Smartphones die Daten selbst dann aufzeichnet, wenn der Nutzer sich dagegen ausspricht.

Für die Übermittlung sei das integrierte Kamera-Programm zuständig, das beim ersten Öffnen frage, ob es Daten an Microsoft übermitteln dürfe, heisst es in der Anklageschrift. Die Daten würden jedoch auch aufgezeichnet, wenn der Nutzer ablehne. Microsoft kommentierte die Klage zunächst nicht.

Auch Smartphone-Hersteller wie Apple und Google waren in den vergangenen Monaten wegen der Aufzeichnung von Bewegungsprofilen unter Druck geraten. Der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür hatte vergangenen April deswegen Apple angesprochen und Rede und Antwort verlangt. Zahlreiche Sammelklagen von betroffenen Kunden, die sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlten, scheinen die Grosskonzerne aber wenig zu beeindrucken. Im gleichen Monat entdeckte die britische Zeitung «The Guardian», dass Google mit Android ebenfalls Bewegungsprofile anlegt.

Die Schweiz arbeitet mit Europa zusammen

Die Sprecherin der Eidgenössischen Datenschützer, Eliane Schmid, bewertet die neuste Erkenntnis aus dem Hause Microsoft kritisch: «Sollte Windows 7 tatsächlich Daten aufzeichnen, wenn der Kunde sich dagegen ausspricht, dann verstösst dies gegen das Schweizer Datenschutzgesetz», sagt Schmid. «Microsoft benötigt einen Rechtfertigungsgrund, um Daten zu bearbeiten - das heisst der Nutzer muss informiert sein, wenn dies passiert, und seine Einwilligung geben.»

Zwar sind bei den eidgenössischen Datenschützern bisher noch keine Beschwerden diesbezüglich eingetroffen, Fakt ist aber, dass in der Schweiz sehr wohl Mobiltelefone mit Windows Phone 7 und Windows Phone 7.5 als Betriebssystem verkauft werden.

Um gegen internationale Grosskonzerne wie Microsoft vorgehen zu können, arbeiten die Schweizer eng mit französischen und deutschen Datenschützern zusammen. Allen voran mit der «Art. 29 Data Protection Working Party» der Europäischen Kommission.

(kgh/rcv/sda)

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