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Der Grönland-Streit spitzt sich zu. Am Mittwoch wird Trump in Davos erwartet. Damit wird das diesjährige WEF so spannend wie noch nie.
Wird Trump am Mittwoch beim WEF den Grönland-Konflikt weiter anheizen?
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Die diesjährige Tagung des World Economic Forum in Davos ist eines der spannendsten der vergangenen Jahre. Grund dafür ist die Zuspitzung im Streit um Grönland: Am Wochenende vor dem WEF hatte US-Präsident Donald Trump Deutschland, Frankreich und Grossbritannien auf seinem Netzwerk Truth Social mit neuen Strafzöllen gedroht, sollten sie Trumps Pläne zur Annektierung Grönlands nicht unterstützen.
Schon während des Wochenendes führte Trumps neue Drohung zu hektischer Betriebsamkeit in Europas Hauptstädten, um eine Antwort zu formulieren. Laut der «Financial Times» plant die EU nun, Zölle im Volumen von bis zu 93 Milliarden Euro auf US-Einfuhren zu verhängen. Zudem könnte die EU US-Firmen ganz vom EU-Binnenmarkt ausschliessen. Dazu dient das «Anti-Coercion Instrument (ACI)», das noch nie eingesetzt worden ist. Um die Details zu besprechen, treffen sich heute die Finanzminister Deutschlands und Frankreichs in Paris, bevor sie gemeinsam nach Brüssel reisen, um sich mit den übrigen EU-Amtskollegen zu treffen. Die Sorge um einen neuen Handelskrieg zwischen der EU und den USA belastet die Börsen, der Goldpreis erreichte neue Rekordstände.
Das WEF in Davos könnte nun der Ort sein, wo es zum Showdown kommt. Denn alle wichtigen Figuren sind persönlich anwesend. Am Dienstag ist der Auftritt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geplant. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron soll am Dienstag eine Rede in Davos halten. Macron zählt zu jenen EU-Staats- und Regierungschefs, die eine harte Antwort der Europäer auf Trumps neue Zolldrohung fordern.
Trumps Auftritt ist dann für Mittwoch geplant – er wird also auf die Europäer antworten können. Das WEF in Davos wird damit zur Bühne für den Showdown des Grönland-Konflikts.
Die Schweiz ist von Trumps neuer Zolldrohung zwar nicht betroffen. Für Erleichterung oder gar Schadenfreude ist aber kein Platz. Denn wenn die wichtigsten Handelspartner der Schweiz – die EU und die USA – sich zu einem neuen Zollkrieg versteigen sollten, droht das die Aussichten der Weltwirtschaft insgesamt und auch die Wirtschaft der Schweiz empfindlich zu treffen.
Ausserdem ist der Zolldeal der USA mit der Schweiz, deren Eckpunkte im Herbst mühsam festgezurrt wurden, noch nicht in trockenen Tüchern. Angesichts des Streits um Grönland dürfte die US-Delegation kaum den Kopf dafür haben, sich mit Details der Schweizer Zollvereinbarung herumzuschlagen.
Trumps Auftritt und sein offen neoimperialistisches Gehabe geben auch den Anti-WEF-Protesten neuen Aufwind. Für 16 Uhr haben die Juso auf dem Postplatz in Davos zu einer Demonstration aufgerufen.
Verwirrung gab es zum Auftakt des WEF um den Iran. Ohne grosse Ankündigung hatte das WEF für Donnerstag einen Auftritt des iranischen Aussenministers Abbas Araghchi angesetzt. Die US-Organisation United Against Nuclear Iran protestierte schriftlich beim WEF gegen diesen Auftritt. Nach dem Abschlachten von gegen das Regime demonstrierenden Menschen im Iran sei es inakzeptabel, einen offiziellen Vertreter des Regimes in Davos zu empfangen. Auch der prominente französische Philosoph Bernard-Henri Lévy bezeichnete auf dem Netzwerk X den geplanten Auftritt als «absoluten Skandal.»
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Am Montagmorgen dann war auf dem WEF-Programm die Seite mit Araghchis Auftritt auf einmal nicht mehr online.
Das WEF fängt damit schon mal stürmisch an – und das ist erst der Anfang.
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