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452 Jahre Wein Die Leitung des Weinproduzenten Fonjallaz aus dem waadtländischen Epesses liegt bei der 13. Generation.
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Wäre es nach dem Willen meines Vaters gegangen, so wäre ich heute Diplomat», sagt Patrick Fonjallaz lachend. Doch ein Schreibtischjob ist nicht nach dem Gusto des 58-Jährigen. Er hat es bereits als Angestellter in einem Treuhandbüro versucht und danach, entgegen seinen ursprünglichen Absichten, im väterlichen Betrieb in Epesses «einige Monate am Wein geschnuppert». Und ist geblieben – letztlich doch noch zur Freude des Vaters, denn mit dem Einstieg seines Sohnes war der Weiterbestand des ältesten Schweizer Unternehmens gesichert.
Die Wurzeln des Winzerbetriebs Fonjallaz reichen bis tief ins 16. Jahrhundert zurück. Damals suchten die Savoyarden Henry Fongeallaz und Sohn Pierre an den Ufern des Genfersees Arbeit als Saisonniers. Pierre blieb im Waadtland hängen und liess sich 1552 in Epesses einbürgern. Das war der Beginn des Weinhauses, dessen Name später zu Fonjallaz mutierte. Man schlug sich mehr schlecht als recht durch, der Handel war wichtiger als der Weinbau, oft wurde das Einkommen mit Nebenjobs wie als Koch oder Hotelier aufgebessert. Auch Gustave Fonjallaz, der Vater des heutigen Patrons, machte harte Zeiten durch. Was ihn wohl auch dazu bewogen hat, seinem Sohn den Diplomatenjob schmackhaft zu machen.
«Gut, habe ich nicht auf ihn gehört», freut sich Patrick Fonjallaz. Zwar macht die Branche wieder einmal schwierige Zeiten durch. Doch weil Fonjallaz konsequent auf Qualität setzt, erfreut sich das Unternehmen auch im 452. Jahr seines Bestehens bester Gesundheit. Das für einen Familienbetrieb biblische Alter ist bemerkenswert, zumal die Familie Fonjallaz keine Königsregel kennt, nach der die Weinberge an den ältesten Sohn weitergereicht werden. Gustave beispielsweise hatte zwei Brüder, die ebenfalls einen Teil der Rebberge zugesprochen erhielten. Erst Sohn Patrick konnte diesen wertvollen Boden Jahrzehnte später wieder zurückkaufen. Seit seinem Einstieg 1984 hat er die geerbten 10 auf 30 Hektaren aufgestockt. Diese ergeben jährlich 240 000 Liter Wein. Daneben kauft Fonjallaz noch 160 000 Liter zu. Von einem Literpreis von etwa zwölf Franken ausgehend, ergibt das einen Umsatz von gegen fünf Millionen.
«Ich will die Nachfolgeregelung frühzeitig anpacken», sagt Patrick Fonjallaz. Er braucht sich nicht zu sputen; Tochter Soraya ist etwas über sechs Jahre, Sohn Balthazar nicht einmal ein Jahr alt. Und wenn keines seiner Kinder einsteigen will? Dann wird der Betrieb verpachtet. Wenn nicht die 14., wird vielleicht die 15. Generation vom Weinfieber gepackt.
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